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Dermatologie 14. Juni 2007

Umfangreiches Wissen – enge Zusammenarbeit

Spezialisten aus Medizin und Pflege informierten bei einer Pressekonferenz zur ­ersten österreichisch-schweizerischen Jahrestagung für ganzheitliche Wundbehandlung über die Herausforderungen und die gängigen Irrtümer in der Therapie chronischer Wunden. Tückisch wird es vor allem bei Besiedlung mit meticillin­resistentem Staphylokokkus aureus.

 Wunde am Bein
Auch das Wundmanagement bedarf einer speziellen Ausbildung.

Foto: Vlbg. Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H.

Chronische Wunden sind immer auch eine extreme Belastung für den Patienten und bilden eine Herausforderung für das gesamte Gesundheitssystem. Das war der Tenor der ersten österreichisch-schweizerischen Jahrestagung für ganzheitliche Wundbehandlung Anfang Juni in Bregenz.
Denn zum einen bedarf es der Zusammenarbeit von Ärzten aus verschiedensten Fachrichtungen (z.B. plastische Chirurgen, Gefäßchirurgen, internistische Angiologen, Dermatologen). Zum anderen verlangt das Wundmanagement auch von den Pflegepersonen besonderes Wissen.

Gemeinsame Betreuung

„Es ist gerade in diesem Bereich der Medizin notwendig, dass sowohl Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte, die Heimkrankenpflege und/oder Pflegeheime Patienten mit chronischen Wunden betreuen und betreuen können“, erklärte Doz. Dr. Robert Strohal, Leiter der Dermatologie am Landeskrankenhaus Feldkirch und Organisator der Jahrestagung, anlässlich der Pressekonferenz.
Besonders schwierig wird es, wenn Bakterien die Wunde besiedelt haben, die mit gängigen Antibiotika nicht zu bekämpfen sind.

15 bis 20 Prozent der Patienten sind betroffen

„Mit meticillinresistentem Staphylokokkus aureus besiedelte Wunden sind schwierig zu behandeln und stellen eine echte Gefährdung für die Patienten dar; daraus resultieren verlängerte Krankenhausaufenthalte und deutlich höhere Kosten“, erklärte Strohal. In ganz Österreich betrifft dies ca. 15 bis 20 Prozent der Patienten mit chronischen Wunden. Um die Ausbreitung dieses Keims zu verhindern, steigende Zahlen zu bekämpfen sowie auch Menschen im Gesundheitssystem vor diesen Keimen zu schützen, führte die Abteilung für Dermatologie im Landeskrankenhaus Feldkirch zusammen mit der Abteilung für Pathologie eine Studie durch: Für MRSA-besiedelte Wunden wurden nanokristalline Silbermembranen zum Schutz der Ausbreitung der Mikroben verwendet. „Wir konnten tatsächlich in 95 Prozent aller Fälle den gefährlichen Keim im Wundbereich einsperren und zusätzlich die Keimmenge reduzieren“, berichtete Strohal. Aufgrund der ausgezeichneten Erfolge wird die Studie nun international ausgedehnt.
Über die gängigsten Irrtümer in der Wundbehandlung klärte Doz. Dr. Gerald Zöch, Plastische Chirurgie Donauspital Wien, auf: „Selbstverständlich bedarf es auch im Wundmanagement einer speziellen Ausbildung – sowohl für Ärzte und für Pflege“, verdeutlichte er. Dem Irrtum, der „Verband sei alleinige Sache der Pflege“, widerspreche die Anordnungsverantwortung des Arztes. Gerade was die Behandlung chronischer Wunden bei Diabetespatienten anbelangt, sind die Zahlen auch volkswirtschaftlich ernüchternd.

Vorsorge notwendig

So entfallen 74 Prozent der stationären Behandlungskosten bei Diabeteserkrankten auf die Therapie von Wunden bzw. Hautgeschwüren. 77 Prozent der aufgrund von chronischen Wunden fußamputierten Diabetiker über 70 Jahre können nicht mehr in häusliche Pflege entlassen werden. „Durch entsprechende Vorsorge hier kann das Auftreten von chronischen Wunden um bis zu 40 Prozent reduziert werden“, erklärte Zöch. „Als eine der wichtigsten Maßnahmen muss der Patient selbst in den Behandlungsplan miteingebunden werden, denn gerade mangelnde Patientenmitarbeit ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für eine Beinamputation.
Alternative Methoden wie Honig (die ÄRZTE WOCHE berichtete), Sauerstoff, Ultraschall, Laser etc. bieten eine Erweiterung der Therapiemöglichkeiten. „Hier müssen wir als Experten sehr darauf achten, wirklich wirksame Methoden von Hokuspokus zu unterscheiden. Deshalb sollte die Anwendung alternativer Methoden vor allem im Rahmen von wissenschaftlichen Studien erfolgen“, riet Dr. Severin Läuchli, Dermatologe am Universitätsspital Zürich.

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