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Dermatologie 13. Juni 2007

Melanom und Mobiltelefon

Teledermatologie einfach und praktisch: Mit Mobiltelefon und Taschendermatoskop kann bösartiger Hautkrebs diagnostiziert werden.

Mobiltelefone und Handys sind in der Bevölkerung weit verbreitet, ebenso „Personal Digital Assistants (PDAs)“. Besonders bei malignem Hautkrebs könnte mobile Teledermatologie ein ausgezeichnetes Screeningmittel darstellen – die Handykameras haben mittlerweile ein ausreichend hohes Auflösungsvermögen. Hautkrebs ist heutzutage die häufigste maligne Erkrankung der kaukasischen Bevölkerung, die Inzidenz erreicht mittlerweile epidemische Ausmaße: über 600.000 Fälle pro Jahr allein in den USA, und da sind Melanome noch gar nicht mitgerechnet. In den vergangenen Jahren hat keine andere Krebsart in solchem Ausmaß zugenommen wie das Melanom, momentan erkranken 18 von 100.000 US-Amerikanern pro Jahr an diesem malignen Tumor. Das Überleben bei Melanom­erkrankung hängt direkt von der Dicke des Tumors und vom Tumorstadium ab.
Dementsprechend möchte man Melanome so früh wie möglich erkennen und entfernen. Klinische Melanomdiagnosen treffen in 65 bis 80 Prozent der Fälle ins Schwarze, regulär aussehende oder sehr kleine Melanome werden auch bei Befolgen der ABCD-Regel möglicherweise übersehen. Dermoskopische Untersuchungen können die Diagnoserate um fast die Hälfte verbessern. Eine kürzlich publizierte Studie zeigte die Durchführbarkeit eines Melanomscreenings mithilfe moderner Mobiltelefone (Massone et al., PLoS ONE 2(5)).

Dermatologie einmal anders

An zwei Ambulanztagen wurden an der Grazer Uniklinik für Dermatologie 18 Patienten untersucht. Erst direkt durch einen Hautarzt, dann wurden Bilder mit und ohne zusätzliche Lichtquelle aufgenommen. Dazu wurde ein Sony Ericcson K 750i mit einer Kamera-Auflösung von 2 Megapixel verwendet. Sowohl eine klinische Nahaufnahme als auch eine Dermatoskopie unter Verwendung eines Taschendermatoskops (DermLite II PRO HR) wurden angefertigt. Die Bilddateien wurden im JPEG-Format über den USB-Ausgang und ein privates, virtuelles Netzwerk zu auswärtigen Begutachtern geschickt. Diese arbeiteten voneinander unabhängig. Erst wurden die klinischen Bilder, welche ohne Dermatoskop erstellt worden waren, beurteilt, dann die Resultate unter Verwendung des Taschendermatoskopes.
Die Diagnosen der Telemediziner anhand der klinischen Bilder stimmten in 89 Prozent der Fälle mit denen des Ambulanzdermatologen überein – zwei dysplastische Nävi waren fälschlicherweise als Melanome diagnostiziert worden, ein Dermatofibrom wurde als dysplastischer Nävus, ein Melanom als Seborrhoische Keratose diagnostiziert. Basierte die Diagnose auf den dermatoskopischen Bildern, stimmten die Telemediziner in 89 beziehungsweise 94 Prozent der Fälle mit dem Dermatologen in der Spitalsambulanz überein. Hier wurden ein dysplastischer Nävus und ein kongenitaler Nävus fälschlicherweise als Melanome eingestuft. In Anbetracht der Tatsache, dass die Ferndiagnosen ohne weitere klinische Informationen gestellt wurden, sind die überdiagnostizierten „Melanome“ zum Teil erklärbar. In einem patientenorientierten Gesundheitssystem könnte die mobile Teledermatologie in Zukunft eine wichtige Rolle im Management pigmenthaltiger Läsionen spielen.

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