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Dermatologie 25. Mai 2007

Altes Hausmittel zeigt Zähne

Im Rahmen der Pressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Wund­behandlung (AWA) wurde Medizinischer Honig als Therapeutikum für chronische Wunden vorgestellt. Rezente Studien zeigen ermutigende Ergebnisse.

1928 war ein gutes Jahr für die Infektiologie – und ein schlechtes für den Honig. Seit der Antike von medizinischer Bedeutung, verlor Honig seine Stellung in der Wundbehandlung mit der Entdeckung moderner Antibiotika. Durch Penicillin schien der Sieg über die Infektionskrankheiten einen Schritt näher gerückt. Mit zunehmender Resistenzentwicklung und dem Vorkommen von Hospitalismuskeimen wie MRSA auch außerhalb von Krankenhäusern kommt es heute zu einer Renaissance der Honigtherapie durch ein spezielles Präparat aus Australien. Klinische und experimentelle Studien haben gezeigt, dass dieser Honig nicht nur ein breites antimikrobielles Spektrum hat, sondern auch zu einem schnellen Debridement, verbesserter Angiogenese, Bildung von Granulationsgewebe und Epithelisation beiträgt (CE Dunford J. Wound Care 2004 13,5; siehe auch Abbildungen). Honig sorgt für guten Geruch: Bietet man Bakterien Glukose statt Eiweiß als Nahrung an, so nimmt die Geruchsbildung dramatisch ab. Weiters hat die Substanz eine stark osmotische Wirkung. Die hohe Osmolarität verringert das Wundödem. Honig verklebt nicht mit der Wunde, sorgt jedoch für das geforderte feuchte Milieu und erleichtert den Verbandswechsel.

Verdünnt genauso wirksam

Noch dazu ist das Honigpräparat bereits in geringen Konzentrationen wirksam: Schon eine vierprozentige Lösung hemmt das Wachstum vieler Problemkeime (siehe Abbildung).
Honig ist ein keimfreies Lebensmittel. Und das hat folgenden Grund: Bienen setzen während der Honigproduktion Glucose-Oxidase hinzu. Aus dem Zucker im Honig entsteht dadurch permanent in geringen Mengen Wasserstoffperoxid, ein wirksames Antiseptikum. Aus der ständigen Neubildung erklärt sich die antiseptische Langzeitwirkung. Die Peroxidmenge im Honig ist jedoch so gering, dass Körpergewebe nicht geschädigt wird – die Qualität des Narbegewebes ist sehr hoch. Bestimmte australische Honigsorten bilden besonders viel Wasserstoffperoxid. Andere enthalten aromatische Phytosubstanzen, etwa der sogenannte „Leptospermum-Honig“, und wirken dadurch wie ein natürliches Antibiotikum. Das Präparat wird aus diesen zwei Honigarten pharmazeutisch kontrolliert gemischt und ist in der Medizinprodukteklasse 2b zugelassen. Medizinischer Honig kann sogar gegen MRSA-Infektionen erfolgreich verwendet werden (BG Visavadia Br J Oral Maxillofac Surg. 2006 Nov 17). Den direkten Vergleich mit Mupirocin in topischer Anwendung braucht Medizinischer Honig ebenfalls nicht zu scheuen (D Johnson Am Soc Nephrol. 2005 May; 16(5)). Die Einstichstellen der Dialysekatheter niereninsuffizienter Patienten wurden entweder mit Medizinischem Honig oder mit Mupirocin behandelt. Die Komplikationsrate durch Infektion war bei beiden Patientengruppen gleich. Mit dem bedeutenden Unterschied, dass sich gegen Honig keine Resistenzen entwickelten. Auch in Österreich und Deutschland wird mittlerweile Medizinischer Honig angewandt. Zum Beispiel auf der Bonner Universitäts–Kinderklinik. Leukämiekranke Kinder mit geschwächtem Immunsystem leiden aufgrund der Zytostatika unter Wundheilungsstörungen. Hautverletzungen, die normalerweise in einer Woche abgeheilt sind, benötigen bei diesen Kindern dafür oft mehr als einen Monat. Dr. Arne Simon, Kinderarzt in Bonn, in einer Presseaussendung der Universitätsklinik: „Wir sind heute mit Keimen konfrontiert, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind. Damit ist Honig für die Wundpflege wieder interessant.“

Bei Wundheilungsstörungen

Bei seinen Patienten dauert die Wundheilung kleiner Verletzungen oft über einen Monat lang. Simon: „Selbst Wunden, die über Jahre partout nicht heilen wollten, lassen sich nach unserer Erfahrung mit Medizinischem Honig in den Griff bekommen – und das oft innerhalb von wenigen Wochen.“ Dr. Ralph Hanano, Ralno Biomedical Consulting and Services, im Rahmen der Pressekonferenz der AWA: „Speziell in der Behandlung komplizierter, schlecht heilender Wunden stellt der Medizinische Honig eine wertvolle Erweiterung des therapeutischen Arsenals dar. Das Feedback der Anwender, egal ob Pflegepersonal oder Ärzte, ist mehr als positiv. Das Einsatzgebiet reicht von Dekubitus über MRSA-Infektionen bis zu chronischen Ulzera. Ganz bestimmt ist Medizinalhonig kein Wundermittel, aber die Erfolge sind äußerst vielversprechend.“ Momentan ist das Produkt bewilligungspflichtig, die Aufnahme in die Wundartikelliste des Hauptverbandes sollte mit nächstem Jahr stattfinden.

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