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Dermatologie 22. Mai 2007

Genmutation als Ursache von atopischer Dermatitis

Neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Hautkrankheiten wurden anlässlich des größten europäischen Dermatologenkongresses in Wien präsentiert.

Es war auf dem Gebiet der Dermatologie die Entdeckung des Jahres: Dem atopischen Ekzem liegt eine Genmutation zugrunde, die bewirkt, dass die Hautbarriere ihren Funktionen nur unzureichend nachkommen kann. Dass die chronisch-entzündliche Hautkrankheit, die mit quälendem Juckreiz einher geht, einen starken genetischen Hintergrund hat, war schon lange vermutet worden. Vor kurzem ist einer Forschergruppe um Prof. Dr. Irwin McLean von der Universität Dundee in Schottland ein Nachweis gelungen, der nun auch auf der größten europäischen Dermatologentagung EADV in Wien präsentiert wurde.
Die Wissenschaftler – darunter auch Experten der Universität Inns­bruck – konnten zeigen, dass bei einem großen Teil der Neurodermitis-Patienten eine Mutation des Filaggrin-Gens vorliegt. Filaggrin ist ein Körpereiweiß, das in der Haut dafür sorgt, dass einerseits Fremdstoffe von außen weniger leicht eindringen können, und andererseits dazu beiträgt, dass Feuchtigkeit gespeichert wird. Ist diese Barrierefunktion beeinträchtigt, wird die Haut extrem trocken, was zuerst beim Krankheitsbild der Ichthyosis vulgaris gezeigt werden konnte. Für die Therapie bedeutet das, „dass eine Diät oder eine psychologische Behandlung eine atopische Dermatitis nicht heilen kann“, betonte Prof. Dr. Erwin Tschachler, Präsident des Kongresses der European Academy of Dermatology and Venerology, auf der Pressekonferenz.

Aufkommende Probleme des Gesundheitswesens

Vor den insgesamt 7.000 Haut­ärzten, die die Tagung besuchten, wurden aber noch andere neuere Entwicklungen und Einsichten präsentiert: etwa die beunruhigende Tatsache, dass sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis oder Gonorrhoe in den letzten Jahren wieder vermehrt auftreten. „Das ist ein Problem des Gesundheitswesens in Europa“, mahnte Prof. Dr. Angela Robinson vom University College London.
Auch die Zunahme von Allergien und von Ekzemen, die sich in letzter Zeit immer häufiger erst im Erwachsenenalter manifestieren, bereitet den Dermatologen Kopfzerbrechen. Als eine der möglichen Ursachen für die wachsende Inzidenz von Allergien vermutet Prof. Dr. Johannes Ring von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München „die globale Erwärmung. Sie bewirkt, dass sich gewisse Pflanzen wie etwa Ragweed in Europa ausbreiten“. Der Pollenflug habe in diesem Jahr durch die warme Witterung besonders früh eingesetzt und Allergikern zu schaffen gemacht.
Auf dem Gebiet der Behandlung konnte mithilfe der Gentherapie ein erster Schritt in der Besserung der blasenbildenden Erbkrankheit Epidermolysis bullosa gesetzt werden. Ein Ärzteteam um Prof. Dr. Michele De Luca von der Uni Modena konnte erstmals zeigen, dass eine Transplantation von Hautzellen, in denen der genetische Defekt korrigiert wurde, der der Krankheit zugrunde liegt, möglich ist und zu einer Verbesserung des Hautzustandes führt.

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