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Dermatologie 19. Juli 2007

Schauplatz Gartenparty: Vorsicht, Verbrennungen!

Sobald es das Wetter zulässt, frönen die Menschen allerorts der Grillfreude. Durch Unachtsamkeit und Leichtsinn steht am Ende des geselligen Freizeitvergnügens dann oft die Fahrt in die Notaufnahme.

 Holzkohle
Eine schöne Glut ist auch ohne Brandbeschleuniger zu erreichen.

Foto: Buenos Dias/photos.com

Allein in Österreich verletzen sich rund 1.000 Personen jährlich beim Grillen so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen – fast drei Viertel sind Männer. Die Hälfte der männlichen Grillmeister sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Die Arbeit am Feuer ist riskant und führt oft zu schweren Verbrennungen, die meist durch Leichtsinn und Unwissenheit entstehen.
Doz. Dr. Lars-Peter Kamolz, Leiter der Intensivstation für Brandverletzte, Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie am AKH Wien, erklärt im Gespräch mit der Ärzte Woche, dass in den meisten Fällen Brandbeschleuniger wie Spiritus und Benzin im Spiel sind, deren Einsatz katastrophale Folgen haben kann.

Hände weg von flüssigen Brandbeschleunigern

Auf den glühenden Kohlen verdampft die Flüssigkeit zum hochexplosiven Dampf-Luft-Gemisch, das sich rasend schnell ausbreitet, ehe es sich entzündet. „Durch die leichte Entflammbarkeit kann eine riesige Feuerwand mit Temperaturen von 1.000 bis 1.800 Grad Celsius entstehen“, erläutert Kamolz. „Personen, die von der Stichflamme schwer verletzt werden, können lebenslang entstellt und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt bleiben, denn sehr oft sind mehr als 20 Prozent der Körperoberfläche betroffen.“ Das Gesicht, die Hände und das Dekollete sind besonders häufig brandverletzt und gleichzeitig relativ schwierig zu rekonstruieren.
Eine Möglichkeit zur Rekonstruktion und Deckung von schweren drittgradigen Hand-Verbrennungen bietet der kombinierte Einsatz von einem Dermisersatz- Material und Spalthaut. So können bei schweren drittgradigen Brandverletzungen der Hand, aber auch bei Verbrennungen an anderen funktional wichtigen Regionen (z.B.: über Gelenken) sehr gute Erfolge erzielt werden. Durch diese Kombination von Dermisersatz und Spalthaut kann die Elastizität des Gewebes und auch die Funktionalität deutlich verbessert werden. Elastizität und Funktionalität stellen die entscheidenden Faktoren für die wiederzuerlangende Lebensqualität dar.

Nicht nur Verbrennungen, auch Gabelstiche

Eine Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) hat ergeben, dass fast die Hälfte aller Grill­unfälle keine Verbrennungen, sondern andere tückische Grillkomplikationen sind. Neben den klassischen Schnittverletzungen kommt es oft zu Stichverletzungen durch Grillgabeln. Immer wieder stolpern Grillfreunde aber auch über herumliegende Kohlesäcke und ziehen sich dabei Verletzungen zu, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Es macht also durchaus Sinn, alle Grillwerkzeugen so anzuordnen, dass sie nicht zur Stolperfalle werden können.

Kinderfreundlicher Behandlungstipp

Leichte und oberflächliche Verbrennungen heilen nach Kühlung mit Wasser spontan oder unter Anwendung von speziellen Salben und Sprays ab. Auch das Kühlen der Wunde mit lauwarmem Wasser (20 Grad Celsius für 20 Minuten) reduziert das „Tieferwerden“ von Verbrennungswunden und auch die akuten Schmerzen.
Bei großflächigeren Verbrennungen oder Verbrühungen sollte jedoch aufgrund der akuten Gefahr einer Unterkühlung und eines Schocks auf exzessive Kühlung verzichtet werden, da durch die Schädigung der Haut die Temperatur-Regulation des Körpers gestört ist und der großflächig verbrannte Patient rasch auskühlen kann. Kamolz: „In dieser Situation sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht bzw. die Rettung gerufen werden.“

Unterkühlung vermeiden, anhaftende Kleidung belassen

Weiters rät Kamolz dazu, nicht anhaftende Kleidung nach dem Unfall zu entfernen, fest anhaftende aber keinesfalls herunterzureißen, da diese „miteingebrannt” sein kann und es sonst zu zusätzlichen Schmerzen und Hautverletzungen kommen kann: „Der Wundbereich kann mit einem alluminiumbedampften Vliesstoff-Brandtuch abgedeckt werden. Das verklebt nicht mit der Wunde und schützt vor einer Verschmutzung. Salben oder Hausmittel sollten am Unfallort aber nicht verwendet werden, da sie dem Arzt die Beurteilung der Verbrennungswunde erschweren können.“ Das sollte man den Patienten bei Gelegenheit sagen.
Die exakte Bestimmung der Verletzungsschwere und die daraus resultierende notwendige Therapie sollte laut Kamolz immer durch einen mit Brandverletzungen erfahrenen Arzt gestellt werden. Im Zweifelsfall lieber einmal zu oft der Ambulanz zuweisen, empfiehlt Kamolz, schließlich sei für die optimale Therapie vor allem der richtige Zeitpunkt wichtig.

Sabine Zopf, Ärzte Woche 28/2007

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