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Dermatologie 14. September 2007

Richtig einsetzen

Dass Biologika auch in der Dermatologie zu einer „wichtigen Therapieform“ geworden sind, darüber sind sich die Ärzte einig, manche sehen darin gar „eine Revolution“. Tatsächlich lag die Behandlung der Psoriasis lange Zeit in einer Art Dornröschenschlaf.

Als „gut behandelbar“ wurde die Schuppenflechte eingestuft, und das war sie im Grunde auch, wenngleich die verschiedenen Therapien zuweilen zeitaufwändig, nur kurze Zeit wirksam oder mit mehr oder weniger starken Nebenwirkungen behaftet waren. Erst die Entwicklung und Vermarktung der so genannten Biologika brachten die entstellende, aber nicht lebensbedrohliche Hautkrankheit, von der rund 250.000 Österreicher betroffen sind – immerhin genauso viele wie von Diabetes –, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Weitgesteckter Begriff

Die US-amerikanische Food and Drug Administration FDA definiert Biologika als „Substanzen, die aus lebendem Material aus Mensch, Pflanze, Tier oder Mikroorganismus gewonnen werden und für die Behandlung, Prävention oder Heilung von Erkrankungen des Menschen genutzt werden.“ Ein weitgesteckter Begriff, der im Grunde auf viele Medikamente zutreffen würde, sich aber in der Dermatologie vor allem als Bezeichnung für die neuen, direkt auf den Entzündungsprozess zielenden, systemischen Arzneimittel zur Behandlung der Psoriasis bzw. Psoriasis-Arthritis und mancherorts auch für die topischen Calcineurininhibitoren zur Therapie der atopischen Dermatitis durchgesetzt hat.
Bei der systemischen Therapie der Psoriasis mit Biologika gibt es freilich einiges zu berücksichtigen: So ist die Medikation wesentlich teuer als andere Schuppenflechte-Arzneimittel, und Infektionskrankheiten können unter der Behandlung einen stärkeren Verlauf nehmen. Bei gewissen Grund­erkrankungen (multiple Sklerose, koronare Herzkankheiten) ist eine Biologika-Therapie kontraindiziert.
Die Arbeitsgruppe Biologika der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie hat deshalb Empfehlungen zum Einsatz der Medikamente bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis* erarbeitet. Klarerweise ist zu allererst sicherzustellen, dass der Einsatz eines Biologikums medizinisch indiziert ist.

 Dosierung und Kontraindikationen

Für zehn bis 15 Prozent der Patienten

Laut Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Abteilung für Allgemeine Dermatologie an der Wiener Medizinischen Universität und Vorsitzender der Arbeitsgruppe, kommen ungefähr zehn bis 15 Prozent der Schuppenflechte-Kranken aufgrund der Ausprägung ihrer Krankheit dafür infrage.
Zugelassen sind die Medikamente für die Behandlung der Psoriasis-Arthritis, für die Therapie mittelschwerer bis schwerer Psoriasis bei einem PASI (Psoriasis Area and Severity Index) > 10, sofern andere Systemtherapien versagt haben, nicht vertragen wurden oder unverträglich sind. Bei einem PASI < 10 sind Biologika dann indiziert, wenn ein schweres körperliches Gebrechen vorliegt, das den Patienten außer Stande setzt, selbst eine Lokaltherapie durchzuführen, wenn die Lebensqualität schwer beeinträchtigt ist oder eine krankheitsbedingte Depression vorliegt. „Nur eine Verbesserung der Lebensqualität ist nicht der Hauptgrund der Medikation“, sagte Dr. Hans-Jörg Rauch, niedergelassener Dermatologe in Wien und ehemaliger Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie auf dem Symposium „Biologika in der Dermatologie“ Anfang Mai in Wien.
Der PASI muss vor Beginn der Therapie beurteilt und dokumentiert werden – denn „das Ziel der Behandlung ist die Beschwerdefreiheit bzw. deutliche klinische Besserung, die anhand der PASI-Reduktion festgestellt wird“, erklärt Pehamberger im Gespräch mit hautnah. Der 1978 eingeführte Bewertungsindex berücksichtigt die Ausdehnung der befallenen Körperoberfläche sowie das Ausmaß der Entzündung: wie stark Schuppung, Schwellung und Rötung sind.
In den ersten drei Monaten der Behandlung sollte der PASI um wenigstens die Hälfte zurückgehen, nach einem halben Jahr Therapie sollte die Besserung 75 Prozent betragen. Ist das nicht der Fall, empfiehlt die Arbeitsgruppe den Wechsel auf ein anderes Biologikum zu erwägen. Selbst wenn die Errechnung des PASI Ungeübten etwas kompliziert erscheinen mag, ist „die PASI-Dokumentation eine enorme Steigerung der Qualität“, so Rauch. Kontrollen sind durch den verordnenden und behandelnden Facharzt für Dermatologie alle drei Monate durchzuführen.

 Einsatz von Biologika

* Der gesamte Text der Empfehlungen ist auf der Website der ÖGDV www.oegdv.at im Mitglieder­bereich herunterladbar.

Elisabeth Tschachler-Roth, hautnah 3/2007

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