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Dermatologie 3. Oktober 2007

Skabies - ständiger Begleiter des Menschen

Im Rahmen des Giftigen Samstag im Juni erläuterte Doz. Dr. Franz Trautinger, Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Landesklinikum St. Pölten, die häufigsten viralen und parasitären Erkrankungen der Haut und deren Therapie.

Humane Papillomviren verursachen virale Hauterkrankungen, wie Verrucae, Condylomata acuminata, In-situ-Karzinome und Karzinome. Häufige HPV-Typen bei Verrucae vulgares sind 1,2 und 4. Zahlreiche Behandlungsformen stehen hier zur Wahl.

Klebeband als Therapie

Eine kürzlich im British Journal of Dermatology erschienene Arbeit beschäftigt sich mit der Kostenwirksamkeit der unterschiedlichen Methoden. Die Autoren fassen dabei – etwas scherzhaft – zusammen, dass das Abkleben der Warze mit einem Klebeband möglicherweise die kostengünstigste Therapieoption sein könnte, sofern weitere Studien bestätigen, dass die Effektivität auch nicht schlechter als die anderer Therapien ist.
Die Kryotherapie sei ebenfalls kosteneffizient, aber nur, wenn sie vom Pflegepersonal anstatt von Ärzten durchgeführt wird, eröffnete Trautinger seinen Vortrag. Bei den Condylomata acuminata sind häufig HPV-Typen 6 und 11 zu finden. Zur medikamentösen Behandlung stehen Podophyllotoxin und Imiquimod zur Verfügung. Des Weiteren können die Warzen mit Kryotherapie, Trichloressigsäure, Elektrokaustik oder Laservaporisation abgetragen werden.
Herpesviren sind für die häufig auftretenden Herpes simplex und Varicellen oder Zoster Erkrankungen verantwortlich. Der typische Verlauf von Herpesinfektionen beginnt mit der primären Infektion, die eine Infektion von Ganglien und anderen Geweben bewirkt. Nach unterschiedlich langer Latenz kann es dann zur Reaktivierung und zu rezidivierenden Infektionen kommen. Von den humanen Herpesviren verursacht HSV-1 hauptsächlich, aber nicht ausschließlich Herpes simplex labialis, HSV-2 Herpes simplex genitalis und VZV Varicellen und Zoster. Infektiöse Mononukleose, Exanthema subitum, andere virale Exantheme sowie Kaposi Sarkom sind ebenfalls auf Infektionen mit humanen Herpesviren zurück­zuführen.
In der Behandlung des Herpes labialis und Herpes genitalis kommen bei einer Erstinfektion Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir peroral für bis zu 10 Tage zum Einsatz. Trautinger: „Bei Immunsuppression kann auch eine intravenöse Therapie mit Aciclovir für 7 bis 14 Tage durchgeführt werden. Bei Rezidiven empfehle ich Aciclovir Creme oder Penciclovir Creme alle 2 Stunden für etwa 5 Tage. Patienten mit häufig rezidivierendem Herpes behandle ich zur Prophylaxe mit Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir peroral über mindestens 6 Monate. Abnahme der Frequenz oder Ausbleiben von Rezidiven ist ein Zeichen, dass die Therapie gut anspricht und soll daher kein Grund für vorzeitiges Absetzen sein.“ Aciclovir, Valaciclovir und Famciclovir sowie Brivudin kommen auch in der Behandlung des Zoster zum Einsatz. Varicellen können auch im Kindesalter mit Aciclovir behandelt werden, wodurch bei frühzeitigem Beginn die Symptomatik verringert werden kann.
Mollusca contagiosa stellen eine weitere sehr häufige virale Hauterkrankung dar. Hier empfiehlt der Spezialist Zurückhaltung bei der Therapie, da es sich immer um eine selbstlimitierende Erkrankung handle.
Skabies ist ein ständiger Begleiter des Menschen, sie tritt bei etwa 300 Millionen Menschen weltweit auf. Die Klinik ist bedingt durch die Hypersensitivität auf Milben und Skybala. „Die Ansteckung findet durch intensiven Körperkontakt statt, wobei ein befruchtetes Weibchen ausreichend ist. Skabies übertragen keine anderen Erkrankungen. Therapeutisch kommen Lindan oder Permethrin zur äußeren Anwendung zum Einsatz, die Mitbehandlung von Kontaktpersonen ist unbedingt erforderlich“, so Trautinger.

Arbeit für die Eltern

Kopfläuse treten hauptsächlich im Kindesalter auf, in Deutschland kommt es zu etwa 1 Million Erkrankungen pro Jahr. Sie sind harmlos und übertragen keine anderen Erkrankungen. Die Behandlung erfolgt mit Pyrethrum, Permethrin, Malathion oder Carbaryl. Nach sieben bis zehn Tagen ist eine Wiederholungsbehandlung durchzuführen. Weiters sollen benutzte Wäsche, Handtücher und Kopfbedeckungen bei 60 Grad gewaschen, chemisch gereinigt oder 2 Wochen im Plastiksack an einem warmen Platz gelagert werden. Kämme und Bürsten werden durch ein 30 Sekunden langes Bad in heißem Wasser, über 60 Grad, von Läusen befreit.
„Das Auskämmen der Nissen mit dem Nissenkamm verbessert zwar nicht den Therapieerfolg eines Pedikulozids, empfiehlt sich aber aus ästhetischen Gründen und beugt Verwechslungen mit einer Reinfektion vor. Canyon et al konnten in einer Studie zum Übertragungsmodus von Kopfläusen zeigen, dass Kopfläuse keineswegs von Kopf zu Kopf springen, sondern einen parallelen langsamen Kontakt der Haare zur Übertragung benötigen“, betonte der Dermatologe.

Dr. Isabella Presch, Ärzte Woche 40/2007

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