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Dermatologie 2. Mai 2007

Wenn die Liebe Schnupfen macht

Bei Sperma-Allergie bleibt nur die klassische antiallergische Therapie mit Antihistaminika, Allergenvermeidung und Hyposensibilisierung.

Allergien auf Sperma sind ausgesprochen selten. Stuttgarter Allergologen vermuten allerdings eine hohe Dunkelziffer, besonders unter jungen Frauen mit Atopien, welche an subklinischen Beschwerdebildern leiden. Die Reaktionen reichen von lokalen Rötungen nach Sperma-Kontakt bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Die Ursache der Beschwerden war anfangs unklar

Bereits dreimal war eine 23-jährige Frau mit akutem Angioödem, Urtikaria, Luftnot und Schwächegefühl stationär im Klinikum Stuttgart aufgenommen worden. Erst dann konnte die Diagnose einer Allergie auf das Sperma des Partners gesichert werden, berichten Dr. Gabriele C. Nist und Prof. Dr. Peter von den Driesch vom Zentrum für Hautkrankheiten, Klinikum Stuttgart (JDDG 5, 2007, 34). Zuvor waren bei der Frau mit atopischem Ekzem Nahrungsmittelunverträglichkeiten vermutet worden. Nachfragen ergaben jedoch, dass sie etwa eine Stunde vor jedem Ereignis ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihrem festen Partner gehabt hatte. Bei Geschlechtsverkehr mit Kondom war die Patientin dagegen beschwerdefrei. Ein Pricktest mit dem unverdünnten Sperma bestätigte den Verdacht. Weltweit sind nach Angaben der Allergologen etwa 80 Fälle einer Sperma-Allergie beschrieben worden. Möglicherweise seien jedoch mehr Menschen betroffen. So habe sich im vergangenen Jahr am Klinikum Stuttgart ein weiterer Verdacht einer lokalisierten Kontakt­urtikaria auf das Sperma des Partners bestätigt.

Nimm‘s nicht persönlich

Betroffen sind meist junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren, häufig mit Atopien. Bei bis zu 20 Prozent von ihnen tritt eine Generalisierung der allergischen Symptome auf mit Rhinokonjunktivitis, Asthma, generalisierter Urtikaria oder anaphylaktischem Schock. Die auslösenden Allergene stammen wahrscheinlich aus der Prostata. Dies wird vermutet, weil auch das Sperma vasektomierter Männer allergische Reaktionen auslöst. Die Allergene sind meist nicht spezifisch für ein Individuum, nur in Einzelfällen bezieht sich die Sensibilisierung auf einen bestimmten Partner. Differenzialdiagnostisch müsse an Latexallergien (Kondome), Reaktionen auf Kondombeschichtungen und gegen Gleitmittel sowie an Allergien gegen spermizide Substanzen in vaginalen Kontrazeptiva gedacht werden, so Nist. Kondomgebrauch schützt die Frauen am sichersten. Bei Kinderwunsch bleibt, besonders bei generalisierter Symptomatik, nur die intrauterine Insemination oder die In-vitro-Fertilisation. Bei lokaler Kontakturtikaria können vor dem Geschlechtsverkehr systemische Antihistaminika eingenommen oder cromoglycinhaltige Cremes verwendet werden. Bei generalisierter Symptomatik empfehlen die Allergologen für die betroffenen Frauen ein Notfallset mit Antihistaminikum, Kortison- und Adrenalinpräparat. Eine weitere Option ist die Hyposensibilisierung.

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