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Dermatologie 22. Februar 2007

Eine Fremde in der Aknefamilie

Die Acne aestivalis, besser als Mallorca-Akne bekannt, hat erstmals in den 60er Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt. Akneähnliche Erscheinungen waren, saisonal gehäuft, bei jungen Frauen mit reichlich Sonnenexposition und hohem Gebrauch an Sonnenschutzmitteln aufgefallen. Die damals auf ihrem Siegeszug befindliche Pille war natürlich auch mit dabei, doch so ganz wollte sich das Gesamtbild der Erkrankung nicht abrunden lassen – viele Fragen bleiben bis heute offen. Die orale Kontrazeption wäre eine passende Ursache für das streng auf Frühjahr und Sommer begrenzte Hautphänomen gewesen. Ein definitiver Zusammenhang konnte jedoch niemals belegt werden. Auch andere Medikamente schieden als Ursache der Acne aestivalis aus. hautnah sprach mit dem Linzer Dermatologen Dr. Johannes Neuhofer über Pathogenese, Klinik und Besonderheiten dieser seltsamen, aber nicht seltenen Erkrankung.

Wie ist die Acne aestivalis klinisch charakterisiert?
Neuhofer: Die Erkrankung ist klar mit einer verstärkten UV-Exposition assoziiert. Akneähnliche Erscheinungen treten dabei vorwiegend im Bereich von Hals, Schultern und Oberarmen auf und nur selten im Gesicht, also eine Verteilung, die sich doch recht deutlich von der Acne vulgaris unterscheidet. Die Effloreszenzen sind meist sehr monomorphe, drei bis vier Millimeter große kuppelförmige rote Papeln, die rasch auftreten, meist wochenlang bestehen und narbenfrei abheilen. Klinisch sieht das der Steroidakne recht ähnlich. Auffallend ist, dass fast ausschließlich Frauen zwischen 20 und 40 Jahren, die oft gar keine Akneanamnese haben, betroffen sind.

Wie entwickeln sich diese Effloreszenzen? Welche Erkenntnisse über die Pathogenese gibt es?
Neuhofer: Der Name Mallorca-Akne ist irreführend. Streng genommen ist die Acne aestivalis alles andere als eine Akne. Denn deren charakteristische Läsion, der Mitesser oder Komedo, fehlt. Ein altes Dogma der Dermatologie sagt „Keine Akne ohne Komedo“. Während ein Komedo durch die Verstopfung einer Hautpore entsteht, beginnt die Mallorca-Akne primär in der Tiefe des Follikels. Das initiale Ereignis bei der Mallorca-Akne ist also nicht die Verstopfung der Pore an der Oberfläche, sondern die primäre Entzündung des Follikels, was auch durch den Nachweis von lokalisierten proinflammatorischen Zytokinen untermauert werden konnte. UV-Strahlen sind die wahrscheinlichen Auslöser dieses Entzündungsprozesses; unterstützt wird diese Vermutung dadurch, dass es – zwar in seltenen Fällen, aber doch – bei der PUVA-Bestrahlung zu völlig identen Erscheinungsbildern kommt. Die Verdickung der Hornschicht, die als Schutz vor UV-Belastung, als Mischersche Lichtschwiele bekannt, auftritt, dürfte die Mallorca-Akne triggern, da sie den okklusiven Effekt des Porenapparates verstärkt.

Welche Rolle spielen Sonnenschutzprodukte bei der Mallorca-Akne?
Neuhofer: Besonders fettreiche Sonnenschutzpräparate legen sich wie ein Ölteppich über die Porenöffnungen und entfalten eine okklusive Wirkung. Beobachtungen zeigten, dass bei fettfreien Sonnenschutzgelen die Mallorca-Akne wesentlich seltener in Erscheinung tritt. Die Acne aestivalis ist ätiologisch viel eher mit der polymorphen Lichteruption, landläufig als Sonnenallergie bezeichnet, verwandt als mit der Acne vulgaris. Reduzierte Sonnenexposition, verbunden mit fettfreien Sonnenschutzpräparaten, kann somit der Entwicklung einer Acne aestivalis vorbeugen.

Welche therapeutischen Optionen stehen zur Verfügung?
Neuhofer: Zum Glück ist die Erkrankung selbstlimitiert, sodass nur bei intensiverem Leidensdruck therapeutisch eingegriffen werden muss. Vitamin-A-Säure (Tretinoin) oder Benzoylperoxid können einen günstigen Einfluss bewirken. Da die Acne aestivalis eine Entzündung darstellt, kann durch diese Behandlung aber die Reizung fallweise sogar verstärkt werden. Die üblicherweise eingesetzten niedrig dosierten Antibiotika, wie Minocycline und Doxycycline, führen hier auch nur selten, und vor allem nicht rasch, zum gewünschten therapeutischen Ergebnis. Der Austausch von fetten Sonnenschutzpräparaten gegen fettfreie, das Vermeiden von stärkerem Schwitzen und Hitze sowie kühlende Bäder führen zur rascheren Abheilung.

Welche Differentialdiagnosen sollten nicht übersehen werden?
Neuhofer: Eine sorgfältige Erhebung der Anamnese sichert die Mallorca-Akne meist ganz gut ab. Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind die Steroidakne und die Acne venenata, die durch übermäßigen Gebrauch von Kosmetika auftritt. Eine echte Akne grenzt sich durch das Vorhandensein von Komedonen deutlich von der Mallorca-Akne ab.

Dr. Alexander Lindemeier, hautnah 1/2007

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