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Dermatologie 22. Februar 2007

Probleme gemeinsam angehen

Auf Dr. Hans-Jörg Rauch, den ersten Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie ÖGDV aus dem niedergelassenen Bereich, folgt der Abteilungsvorstand der Allgemeinen Dermatologie am Wiener AKH als Vorsitzender der Dermatologengesellschaft. hautnah sprach mit Prof. Dr. Hubert Pehamberger über Kompetenz und Ausbildung, Qualität und Leitlinien in der heimischen Dermatologie.

Was wollen Sie in den nächsten beiden Jahren Ihrer Präsidentschaft erreichen?
Pehamberger: Anders als in Amerika behandeln wir Hautärzte hier zu Lande sämtliche Teilgebiete der Dermatologie, also auch Allergologie, Phlebologie, sexuell übertragbare Krankheiten, Dermatochirurgie, Dermatoonkologie. Dazu ist Kompetenz notwendig. Kompetenz beruht auf exzellenter Ausbildung, einerseits im Rahmen der Facharztausbildung, aber auch durch Spezialausbildungen wie Zusatzfächer oder das neue „Spezialisiert in …“. Hier ist die ÖGDV gefordert, Curricula zu erstellen und entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten anzubieten. Nehmen wir das Beispiel kosmetische Dermatologie. Die kann man sehr rasch lernen, wenn man sich darauf beschränkt, Botulinumtoxin zu spritzen und zu peelen. Um die Qualität zu gewährleisten und um den Verführungen von innen und außen zu widerstehen, braucht es ein Curriculum, wie es das etwa schon für die Dermatopathologie oder für die Angiologie gibt.

Setzt man in letzter Zeit nicht auch vermehrt auf Interdisziplinarität?
Pehamberger: Sicher gibt es Überschneidungsgebiete – die Onkologie, die Allergologie, die Chirurgie bei großen Metastasen. Ein wichtiges Thema sind derzeit die Biologika. Hier gibt es eine Überschneidung zwischen den Fachgebieten der Dermatologie und der Rheumatologie etwa bei der Psoriasis. Die Interdisziplinarität soll zum Wohl des Patienten auch gefördert werden, es müssen die Kompetentesten aus jedem Fachgebiet zusammenarbeiten und die Strategien entwerfen.

Welche Herausforderungen sind in der Qualitätssicherung, etwa im Bereich der Leitlinienerstellung zu meistern?
Pehamberger: Qualitätssicherung ist die zweite Säule, auf der die Kompetenz ruht. Sie besteht wiederum aus der Basis einer guten Ausbildung. Die Dermatologie war übrigens eine der ersten Fachrichtungen, die eine Facharztprüfung eingeführt hat. Dazu kommen zertifizierte Qualitätsmanagementsysteme. Es besteht kein Grund, jetzt in einen Zertifizierungswahn zu verfallen, aber man soll sich einer externen Kontrolle im Ablauf der Dinge nicht widersetzen. Das betrifft die Klinik, aber auch die niedergelassenen Ärzte.
Ebenso zur Qualitätskontrolle gehören Guidelines, die von den entsprechenden Kommissionen des European Dermatology Forum und der European Academy of Dermatology and Venerology erstellt werden. Diese Leitlinien sollen die Basis unseres ärztlichen Handelns sein. Das bedeutet nicht, dass die ärztliche Eigenverantwortung dadurch aufgehoben wird. Leitlinien zu folgen heißt aber nicht, Medizin nach einem Kochrezept zu betreiben. Wenn es bei einem Fall rechtliche Probleme gibt, werden Leitlinien herangezogen. In den Guidelinekommissionen sitzen die Experten der entsprechenden Fachrichtungen. Sobald es sich um klinische Medizin handelt, kommen wir ohne Pharmazeutika nicht aus. Experten sind auch involviert in klinische Studien, dadurch ergibt sich von vornherein eine Nähe und ein notwendiger Kontakt zur Pharma­industrie. Den wird man meiner Ansicht nach nie ausschließen können. Notabene ist die Industrie auch ein wesentlicher Faktor der Grundlagen- und klinischen Forschung. Wir sind ja angehalten, klinische Studien zu machen. Die Leitlinien werden auf Basis der entsprechenden Evidenzlevel der vorhandenen Literatur erstellt. Eine subjektive individuelle Beeinflussung durch die Pharmaindustrie wird man im Einzelfall nicht ausschließen können, deshalb gibt es aber auch Kommissionen mit mehreren Mitgliedern.

Fortbildung für Ärzte ist eine höchst kostenintensive Sache, für die Sponsoring von Unternehmen aus der Pharma-, der Banken- oder Versicherungsbranche herangezogen wird. Ist dabei der Be­einflussung von Ärzten Tür und Tor geöffnet?
Pehamberger: Man muss im Verhältnis zur Pharmaindustrie Ehrlichkeit an den Tag legen: Ohne Industrie-Unterstützung könnten wir weder Fortbildung noch Wissenschaft betreiben. Glücklicherweise gibt es von der Pharmig ethische Grundlagen, die das Sponsoring regeln. Das heißt, dass Vergnügungsreisen nicht gesponsert werden.

Welche weiteren Ziele peilen Sie in den Jahren Ihrer Präsidentschaft an?
Pehamberger: Die ÖGDV hat sich zum Ziel gesetzt, die wissenschaftliche Entwicklung zu fördern. Es ist also eine wesentliche Aufgabe, sowohl die klinische als auch die Grundlagenforschung voranzutreiben. Es geht darum, die jungen Kollegen zu fordern und zu fördern, damit sie die richtigen Fragen stellen.
Das Schöne an der ÖGDV ist aber, dass in dieser Gesellschaft immer noch der niedergelassene Bereich und die Academia zusammen sind. Damit können Probleme gemeinsam angegangen werden.

Elisabeth Tschachler-Roth, hautnah 1/2007

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