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Dermatologie 13. Dezember 2006

Entzündungen als Prognosefaktor des Haarausfalls

Das hormonell bedingte Schütterwerden des Haars bei Frauen ist oft von seborrhoischer Dermatitis begleitet und dadurch beschleunigt.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist die androgenetische Alopezie die häufigste Form des Haarausfalls: Fast jeder Zweite ist davon betroffen. Wie Prof. Dr. Antonella Tosti von der dermatologischen Abteilung der Universität Bologna auf der Jahrestagung der European Academy of Dermatology and Venerology EADV in Rhodos Anfang Oktober berichtete, mehren sich die Evidenzen, dass Androgene nicht den einzigen Faktor darstellen, der zur Pathogenese beiträgt.

Bei Frauen kann der Haarausfall abrupt einsetzen

Neue Studien weisen darauf hin, dass die androgenetische Alopezie bei Frauen pathophysiologisch anders abläuft als bei Männern. Auch ist bei Frauen das Kahlwerden nicht das Hauptsymptom. Der Verlust der Haarpracht geht vielmehr mit einer Reduktion der Haardichte einher, und das so genannte Phänomen des leeren Follikels kann dabei laut Tosti sehr aufschlussreich sein. Ebenfalls neu ist die Erkenntnis, dass der Haarausfall bei Frauen nicht immer graduell erfolgt, sondern auch abrupt einsetzen kann.
Seit Jahren wird auch die Rolle, die Entzündungen und seborrhoische Dermatitis in der Ätiologie des Haarausfalls einnehmen, diskutiert. Heute verfügt man, wie die italienische Dermatologin ausführte, über genügend Daten, die zeigen, dass die androgenetische Alopezie oft von Entzündungen begleitet ist. Solche entzündlichen Prozesse können den Haarverlust beschleunigen, indem sie ein telogenes Effluvium induzieren oder perifollikuläre Fibrose und Narbenbildung verursachen. Entzündungsherde können deshalb ein bedeutender Faktor sowohl in der Langzeitprognose als auch im zu erwartenden Ansprechen auf die Therapie sein.
Obwohl eine androgenetische Alopezie für den Dermatologen klinisch sehr einfach zu diagnostizieren ist, gibt es immer noch keine simple und sichere Methode, um deren Ausmaß einzuschätzen, bedauerte Tosti. Das sei auch der Grund, warum der genetische Haarausfall erst relativ spät diagnostizierbar sei. Normalen von abnormalem Haarausfall abzugrenzen ist bei Patienten jenseits der 50 zuweilen besonders schwierig, da in diesem Alter androgenetische Alopezie und altersbedingtes Schütterwerden der Haare oft gleichzeitig ablaufen.

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