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Allgemeinmedizin 18. Oktober 2006

Mit Mythen aufräumen

Fast jeder Jugendliche und junge Erwachsene ist von den Pusteln und Papeln in der einen oder anderen Form betroffen. Und fast jeder kennt ein Patentrezept – das die Sache oft noch schlimmer macht. Bei der Jahrestagung der europäischen Dermatologen in Rhodos klärten Hautärzte darüber auf, was bei der Aknetherapie zu tun und was besser zu lassen ist.

Bei einer so weit verbreiteten Erkrankung wie der Akne fühle sich „jedermann zur Behandlung berufen. Zeitungen und Fernsehen, Quacksalber und Wunderheiler, Oma und der beste Freund. Kein Wunder, dass die Resultate oft zu wünschen übrig lassen“, ärgerte sich Prof. Dr. Andreas Katsambas bei der Jahrestagung der European Academy of Dermatology and Venerology (EADV) Anfang Oktober im griechischen Rhodos. Dabei ist Akne bei richtigem Management laut Kongress-Präsident Katsambas in mindestens 90 Prozent der Fälle beherrschbar. Freilich gilt es, einige Grundregeln zu beachten. So empfiehlt Dr. Lawrence Scerri vom Sir Paul Boffa Hospital in Malta allen behandelnden Ärzten dringend, die Patienten zuerst einmal über die Chronizität der Krankheit aufzuklären, darüber, dass bei starker Ausprägung Narben zurückbleiben können, und die Betroffenen schließlich davon zu überzeugen, dass ohne ihre gewissenhafte Mitwirkung die beste Therapie nichts nützt. Einfühlsamkeit von Seiten des Arztes ist jedenfalls am Platz, immerhin leidet ein Viertel der Patienten gleichzeitig an Angststörungen, 13 Prozent an Depressionen. Dass der Leidensdruck groß ist, zeigt der Umstand, dass laut einer amerikanischen Studie Menschen mit Akne bereit sind, für die Besserung der Symptome täglich vier Dollar auszugeben. „Viele Aknepatienten wissen nicht, dass Sonnenlicht und manche Medikamente komedogen sind und die Hauterscheinungen dramatisch verschlechtern können“, so Scerri. Hingegen sei es wichtig, Behauptungen über vermeintlich pickelproduzierende Nahrungsmittel wie Schokolade oder saure Gurken ins Reich der Mythen zu verweisen.

Topische Antibiotika nicht als Monotherapie

Ein absolutes No-no in der Behandlung, darüber sind sich die Hautärzte einig, ist die alleinige Anwendung topischer Antibiotika. „Sie ist der Hauptgrund für die vermehrte Unempfindlichkeit des Propionibakteriums Acnes gegen Clindamycin und Erythromycin, die in manchen Ländern schon bei 80 Prozent liegt“, so der Athener Dermatologie-Professor Katsambas. Ebenso abzuraten ist von der Verschreibung unterschiedlicher Antibiotika für die orale und topische Anwendung, denn auch damit werde der Entwicklung von Resistenzen Vorschub geleistet. Und: Patienten, denen orale Bakterizide verschrieben werden, sollten jedenfalls darüber informiert werden, „dass die Wirkung nur langsam einsetzt“, lautete Scerris Rat an die Kollegen. Bei sehr starker Sebumproduktion kann die Antibiose überhaupt wirkungslos bleiben: Der Talg führt dann quasi zu einer Verdünnung des Antibiotikums. Die Verschreibung von Benzoylperoxid sollte nicht ohne den Hinweis erfolgen, dass die Substanz die Wäsche, mit der sie in Berührung kommt, bleicht. Und ebenso wie bei Retinoiden reagiert die Haut auf die Behandlung erst einmal gereizt, mit Rötung und Schuppung. „Auch wenn es im Beipacktext steht, ist es günstig, noch einmal mit den Patienten darüber zu sprechen und ihnen zu sagen, dass die Irritationen nach einer Weile zurückgehen“, riet Scerri. Vorteilhaft sei es, mit einer Anwendung jeden zweiten Tag zu beginnen und erst nach rund zwei Wochen auf eine tägliche Behandlung umzusteigen. Die Haut gleichzeitig mit nicht komedogener Feuchtigkeitscreme zu pflegen, „hilft gegen die Irritationen der Haut und des Patienten“. In mittleren bis schweren Fällen empfiehlt Scerri die systemische Behandlung mit Isotretinoin. Dabei sollte eine kumulative Dosis von 150 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschritten werden. Die besten Erfahrungen hat der Maltesische Dermatologe mit einer sechsmonatigen Therapie gemacht, sie werde besser toleriert als eine viermonatige mit höheren Dosen. Überdies befördere es laut Scerri die Verträglichkeit, wenn die Tabletten mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Acne conglobata sei eine gleichzeitige Behandlung mit oralen Kortikosteroiden durchaus angezeigt. Absehen sollte man von der Isotretinoin-Verschreibung allerdings bei Patienten mit suizidaler Depression, eine sichere Kontrazeption ist wegen des Fehlbildungsrisikos beim ungeborenen Kind Pflicht.

Licht und Akne: wenig Evidenzen für den Erfolg

Was die neuen Behandlungsmöglichkeiten mit Laser und photodynamischer Therapie anlangt, so verwies Prof. Dr. Harald Gollnick von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Magdeburg darauf, dass zwar auf Kongressen und Tagungen viel über die positive Wirkung gesprochen werde, größere Vergleichsstudien mit herkömmlichen Therapeutika aber noch fehlten. Die laut Gollnick aussagekräf­tigste Untersuchung zur photodynamischen Therapie datiert bereits aus dem Jahr 2000 (J Invest Dermatol. 2000 Aug; 115(2): 183-92). Sie wurde mit Aminolävulinsäure als topischem Sensibilisator und rotem Kaltlicht durchgeführt. Allerdings kam es dabei auch zu unerwünschten Wirkungen in der Epidermis, und frühere Studien legen den Schluss nahe, dass die Talgdrüsen durch die Behandlung in Mitleidenschaft gezogen werden können, was ihre Funktion als immunologische Organe nachhaltig beeinträchtigen kann. Mehr Literatur gibt es bereits zur Aknebehandlung mit Laser, mit der vor allem am Rücken gute Ergebnisse erzielt werden. Im Gesicht ist die Lasertherpaie jedoch recht schmerzhaft. Insgesamt, so Katsambas abschließend, sei eine zufrieden stellende Behandlung der Akne so gut wie immer möglich, wenn „das Arzt-Patient-Verhältnis auf Vertrauen aufgebaut ist“.

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