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Dermatologie 20. September 2006

Ein Job geht unter die Haut

Dr. Paul Gerson Unna, der seine dermatologische Ausbildung an der Universität Wien erhielt, erforschte 1894 in seiner Heimatstadt Hamburg die von ihm so genannte „Seemannshaut“. Dabei handelte es sich um präkanzeröse Hautveränderungen aufgrund einer dauerhaften solaren Exposition. Das Wissen um die karzinogene Wirkung intensiver Sonnenbestrahlung der Haut hat somit eine lange Tradition und gehört zum dermatologischen Basiswissen. Prof. Dr. Harald Maier von der Abteilung für Spezielle Dermatologie und Umweltdermatosen der Universität Wien bestätigt, dass aufgrund von empirischen Erhebungen, den Daten von Zell- und Tierexperimenten sowie epidemiologischen Untersuchungen feststeht, dass die ultraviolette Strahlung die wichtigste Umweltnoxe für Mensch und Tier darstellt: „Hautkrebs ist eine mögliche Folge zu starker Sonnenbestrahlung. Mehr und mehr findet nun die durch Sonne hervorgerufene vorzeitige Hautalterung bei unseren Überlegungen Berücksichtigung“, konkretisiert der Dermatologe. Jedoch seien für die Anerkennung einer Erkrankung als Berufskrankheit (BK) besonders harte Daten erforderlich.

Fehlende objektive Methoden

„Es muss nachweisbar sein, dass die berufliche UV-Exposition zum überwiegenden Teil für die Entstehung eines Hauttumors verantwortlich ist. Schließlich weisen Menschen, die bei ihrer beruflichen Tätigkeit der Sonne ausgesetzt sind, auch eine nicht zu vernachlässigende UV-Exposition in ihrer Freizeit auf. Diese harten Daten liegen aber noch nicht vor“, so Maier. Zur weiteren Erhebung von Fakten führt er derzeit im Auftrag der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (SVB) eine groß angelegte Studie zu diesem Thema durch. Neben einer epidemiologischen Untersuchung, die bereits erfolgreich abgeschlossen wurde, läuft bei zwölf Landwirten ein dosimetrischer Feldversuch, wodurch die berufsbedingte UV-Belastung mittels Messgeräten über einen Zeitraum von sechs Monaten erfasst wird. Aber auch in der Liste der Berufskrankheiten der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) sucht man vergeblich nach durch UV-Strahlung provozierte Erkrankungen. DI Helmut Brusl von der AUVA weist darauf hin, dass Krebserkrankungen der Haut in die Sparte der „berufsbedingten Erkrankungen“ fallen. Hierbei muss der Nachweis gelingen, dass sie kausal mit dem Beruf zusammenhängen. Dass dies schwierig ist, gibt Brusl zu: „Ansuchen müssen jedes für sich in einem Generalverfahren untersucht werden. Bis vor wenigen Jahren gab es in dieser Hinsicht noch gar keine objektiven Prüfmechanismen. Daher versuchen wir seit geraumer Zeit neue Erkenntnisse zu gewinnen, um daraus nachvollziehbare Verfahren zu entwickeln.“ Maier bestätigt: „Chronische UV-Schäden sind gegenwärtig nicht als Berufsdermatosen anerkannt. Da fehlen uns noch brauchbare Statistiken. In Deutschland wurden zwar einige Fälle angezeigt. Meinem Wissen nach wurde bis jetzt noch kein Fall als Berufskrankheit anerkannt.“ Die derzeitigen Bemühungen der AUVA zielen insbesondere auf Dosismessstudien ab. Diese bieten zwar keine 100-prozentige Sicherheit, können jedoch ein gewisses Risiko quantifizieren und die bisherige Willkür ablösen. Laut Brusl sammelt die AUVA seit Jahren Daten über absorbierte UV-Dosen von im Freien arbeitenden Berufsgruppen. Hierbei greift man vor allem auf UV-Indexwerte zurück, welche die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik schon seit Jahren veröffentlicht. Aus diesen Fakten lassen sich zunächst der theoretische und in weiterer Folge der praktische Wert berechnen und eine berufliche Sonnen-Exposition abschätzen. Schritt für Schritt will man derart bei der AUVA sachliche Beurteilungskriterien entwickeln. Einfacher ist es, die Strahlungsbelastung von künstlichen UV-Quellen zu beurteilen. Ihre Gefährlichkeit hängt von der spektralen Zusammensetzung des abgestrahlten Lichtes ab, erläutert Maier. Im Unterschied zur auf die Erdoberfläche auftreffenden Sonnenstrahlung (ambienten Strahlung) kann das Spektrum von Lampen auch das sehr kurzwellige UV-C aussenden. Arbeitsmedizinisch hat dies für Schweißer eine große Bedeutung, da der elektrische Lichtbogen beim Schweißen und Schneiden beträchtliche UV-C-Strahlung emittiert. Während nur fünf Prozent der UV-B-Strahlung auf die Erdoberfläche auftreffen (der Rest wird von der Ozonschicht gefiltert), gibt es Lampen mit unterschiedlich hohem UV-B-Anteil. Dementsprechend groß ist das Risiko, erklärt Maier. Aus einer AUVA-Studie ging derweil hervor, dass das Krankenhauspersonal auf dermatologischen Bestrahlungsabteilungen einer besonders hohen UV-Dosis ausgesetzt ist.

Sonnenschutz beginnt im Kopf

„Trotzdem langen in Anbetracht der Vielzahl von Betrieben, die mit UV-Strahlung arbeiten, überraschend wenig Anträge zur Prüfung von Berufserkrankungen ein“, zeigt sich Brusl etwas verwundert. „Ich vermute, dass viele Arbeitnehmer einfach vergessen, dass sie vor vielen Jahren an einem Arbeitsplatz zugange waren, an dem sie einer erhöhten Strahlung ausgesetzt waren. Oder sie sind sich einfach des Risikos von UV-Strahlung nicht bewusst.“ Dem pflichtet Maier bei und fordert als wichtigste Schutzmaßnahme ein prinzipielles Umdenken: „Sonnenvermeidung ist angesagt. Mein Slogan lautet: ‚Richtiger Sonnenschutz beginnt im Kopf!‘ Ich bin mir aber bewusst, dass Sonnenvermeidung nicht überall in der Arbeitswelt angewendet werden kann. In diesen Fällen empfehlen sich eine geeignete Schutzkleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrillen. Cremen sollen überall dort schützen, wo mit anderen Maßnahmen nicht ausreichend geschützt werden kann.“ Die AUVA erprobt indessen eine scheckkartengroße UV-Sensorkarte, die den Träger beständig über sein Risiko informieren soll. Brusl auf derselben Linie wie Maier: „Der Methode selbst mag es an Genauigkeit fehlen, jedoch macht sie den Betroffenen bewusst, dass große Mengen des für sie unsichtbaren UV-Lichtes gefährlich sind. Das allein bringt einen Vorteil, der nicht unterschätzt werden sollte!“

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