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Dermatologie 15. März 2006

Eigenfett – der natürliche Filler

Die Unterspritzung aufbereiteten Körperfetts gibt schlaff gewordenen Gesichtspartien ihre frühere Fülle
zurück. Die Ergebnisse werden als ausgesprochen gut beschrieben

Die Injektion von Füllsubstanzen zur Augmentation, beiläufig als „Unterspritzen“ bezeichnet, etablierte sich in den siebziger Jahren in den USA. Vor etwa 25 Jahren fand mit gereinigtem Rinderkollagen der erste Filler Einzug in die österreichische Schönheitsmedizin. Die Wiener Dermatologin Dr. Hajnal Kiprov war von der ersten Stunde an dabei und hat seither alle Trends, Hypes und Flops der Fülltechnik verfolgt: „Mit den Fillern konnte erstmals nicht nur eine echte Alternative zum operativen Lifting, sondern ein Verfahren zum einfachen Substanzaufbau angeboten werden. Schon damals war man sich jedoch des Risikos einer Entzündungsreaktion durch das Fremdgewebe bewusst. Es bleibt aber festzuhalten, dass bei entsprechender Vortestung die Zahl echter Unverträglichkeiten gering war. Viel eher gab die kurze Wirkung durch den raschen Abbau des Rinderkollagens Anlass zur Suche nach besseren Füllstoffen.“

Nicht alle Füllstoffe konnten halten, was sie versprachen

Die gereinigten Kollagene wurden letztlich von der Hyaluronsäure, dem bis dato meistverwendeten Filler, abgelöst. Kiprov: „Die Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Haut, sie sorgt für ihre gesunde Prallheit und reguliert den Feuchtigkeitsgehalt. Vor allem ist sie kein Protein, sondern ein hydrophiles Polysaccharid und somit nicht immunogen. Sie neigt per se nicht zur Granulombildung, allerdings werden von den Herstellern verschiedene Additive zur Verlängerung der Haltbarkeit zugegeben, die oft zu Problemen geführt haben.“ Neben diesen beiden etablierten Vertretern sind im Lauf der Jahre unzählige Füllstoffe von Goldfäden bis Acrylkugeln auf den Markt gekommen. Nur die wenigsten, wie verdünnte Milchsäure, konnten sich langfristig halten, manche mussten zurückgenommen werden.

Fettzellen können an ihrem neuen Platz anwachsen

Die Gewinnung des Eigenfetts ist zumeist mit doppeltem Nutzen verbunden: Bei einer Absaugung aus Problemzonen werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das am Speckgürtel oder in der Hüftregion unerwünschte Fettgewebe wird nach der Entnahme entwässert und kann im Anschluss sofort unterspritzt oder tiefgekühlt über Jahre gelagert werden. Das Verfahren zur Eigenfetttransplantation wird für gewöhnlich als Fettunterspritzung, aber auch als Mikrolipoinjektion, Lipoaugmentation, Lipofilling oder Fett­injektion bezeichnet. „Der Hintergrund unserer lang anhaltenden Erfolge mit Eigenfett ist, dass ein Teil der Fettzellen an ihrem neuen Bestimmungsort anwachsen kann. Zudem eignet sich das Material zur Injektion in verschiedene Schichten des Gewebes. Besonders die Einspritzung in die Gesichtsmuskulatur bringt eine weiche und jugendliche Fülle des Gesichts zurück“, betont Kiprov. Vor allem bei der Therapie großer und tiefer Falten hat sich die Injektion von Eigenfett in letzter Zeit bewährt. „Das Therapiekonzept besteht aus viel mehr, als einfach etwas unter die Haut spritzen. Der Weg zum zufriedenen Patienten beginnt bei der Fettentnahme. Bei der Wahl des Lokalanästhetikums ist auf eine ausreichende Zugabe von Vasokonstriktoren zu achten. Sie helfen nicht nur Blutverluste zu vermeiden, sondern beugen auch Embolisationen wirksam vor. Die Unterspritzung selbst ist ein minimaler Eingriff, bedarf aber sehr viel Fingerspitzengefühls. Besonders bei der injizierten Menge ist Zurückhaltung gefragt, mehrere kleine Dosen bringen ein wesentlich besseres Resultat. Für die Behandlung eines ganzen Gesichtes nehme ich mir drei bis vier Sitzungen Zeit“, erklärt Kiprov und verweist auf gute Erfolge bei der Kombination von Fillern mit anderen schönheitsmedizinischen Techniken: „Die Unterspritzung kann hervorragend mit Behandlungen der Hautoberfläche, wie chemischen Peelings oder Lasereingriffen, kombiniert werden. In meinem Klinikbetrieb gilt, dass der Griff zum Messer beim Lifting stets der letzte Schritt sein sollte.“

 detail

Dr. Alexander Lindemeier, hautnah 1/2006

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