zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 15. März 2006

Editorial (Ausgabe 1/2006)

Liebe Leserinnen und Leser,

Schönheit ist ein offener Empfehlungsbrief, der die Herzen im Voraus für uns gewinnt“, befand einst Arthur Schopenhauer. Für sein attraktives Äußeres war der notorische Macho ja nicht gerade bekannt, aber mit seinen Aphorismen traf er so manchen Nagel auf den Kopf. 200 Jahre später scheint sich die Überzeugung breit gemacht zu haben, dass Schönheit und jugendliches Aussehen nicht nur Herzen öffnen, sondern ein Garantieschein für ein rundum glückliches Leben sind. Tatsache ist, dass „nirgendwo auf der Welt kaputte Zähne, Flecken auf der Haut oder Kopfläuse als attraktiv angesehen werden“, wie die amerikanische Anthropologin Helen Fisher einst lakonisch bemerkte. Zur Nachbesserung ihres Aussehens wären laut einer Umfrage des Linzer market-Instituts im vergangenen Spätherbst 15 Prozent der Österreicher bereit, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Immer mehr tun es tatsächlich. Und auch die Zahl der Ärzte, die ästhetische Eingriffe in ihrem Repertoire haben, wächst. Auf jeder dermatologischen Fachtagung sind die Workshops, in denen die Kunst des Retouchierens gelehrt wird, bummvoll. Nicht alle Vertreter des ärztlichen Standes sind mit dieser Entwicklung glücklich, viele bemängeln, dass die Beschäftigung mit dem zutiefst oberflächlichen Gebiet der ästhetischen Eingriffe nichts mehr mit Medizin zu tun hat. Ob das Angebot oder die Nachfrage den Markt in Schwung hält, ist schwer zu ergründen. Dass es die Entwicklung der Menschheit vorantreibt, wenn 70-Jährige die straffe Kinnlinie von 25-Jährigen haben und sich die Lippenformen der Frauen immer ähnlicher werden, ist zu bezweifeln. Aber das Philosophieren überlassen wir anderen. Uns und Sie interessiert: Was kann man den Klienten, die mit einem Schönheitsproblem kommen, tatsächlich anbieten? Was ist der Stand der Wissenschaft? Was zeigt die Praxis? Wann sollte man auf die zuweilen äußerst fordernd vorgetragenen Wünsche der Klientel besser gar nicht erst eingehen?

P.S. Auch hautnah hat sich einem Lifting unterzogen. Es erscheint ab dieser Ausgabe in neuem Layout.

Elisabeth Tschachler-Roth, hautnah 1/2006

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben