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Dermatologie 23. Juni 2006

Infektionen der Kopfhaut

Von Dr. Ellina Pantchechnikova, Dr. Nathalie Mandt, Prof. Dr. Ulrike Blume-Peytavi, Berlin

Herpesviren sind Verursacher vieler Erkrankungen, bei denen die Kopfhaut auch mit befallen sein kann. Virale Erkrankungen, wie z.B. eine Varizelleninfektion, eine schwere Herpes-simplex-Infektion oder ein Zoster necroticans bei Befall des Trigeminus I oder Superinfektionen viraler Erkrankungen der Kopfhaut, können umschriebene Vernarbungen der Kopfhaut hinterlassen.

Herpes zoster

Eine Zoster-Erkrankung wird für Kinder unter neun Jahren mit einer Inzidenz von 0,74 pro 1.000 Kinder angegeben. Kinder mit Leukämie erkranken dagegen viel häufiger an viralen Infektionen. Kinder, die an einem Zoster erkrankt sind, wurden häufig im Säuglingsalter durch ein Geschwisterkind mit dem Varizella-Zoster-Virus (VZV) infiziert. Nach der Erstinfektion (Varizellen) persistiert das VZV lebenslang in den sensiblen Rückenmarks- und Gehirnganglien (latente Infektion). Es kann zu Reaktivierung und nachfolgender Auswanderung in die Haut kommen. Das klinische Bild zeigt in der Regel einseitig segmental gebundene, überwiegend mit seröser Flüssigkeit gefüllte Bläschen in teilweise herpetiformer Anordnung auf einem Erythem. Die schwierig einzuordnenden Beschwerden wie Schmerzen und Brennen können den Hautveränderungen vorausgehen. Nekrotisierende Formen wie ein Zoster necroticans bei Kindern mit Leukämie können narbig abheilen (vernarbende Alopezie).

 Differenzialdiagnosen bei Zoster

Herpes simplex

Die Herpes-simplex-Viren (HSV) gehören auch zur Gruppe der Herpesviren. Es können Krankheitserscheinungen durch Typ 1 (HSV1) mit Befall der oberen Körperhälfte oder Typ 2 (HSV2) mit Befall der Genitalien auftreten. 99 Prozent aller Primärinfektionen verlaufen klinisch asymptomatisch. Bei der Erstinfektion dringen HSV über Hautverletzungen ein und beginnen mit der Replikation im Epithel oder Korium. Dann werden sie in die sensorischen Ganglien transportiert, wo die weitere Replikation stattfindet. Bei einem Rezidiv erfolgt eine Reaktivierung. Vor dem ersten Auftreten von Hautveränderungen geben die Patienten häufig Spannungsgefühl, ziehende Schmerzen oder Juckreiz im betroffenen Areal an. Klinisch präsentiert sich eine Herpes-sim­plex-Infektion durch teils vereinzelte, teils Gruppen von Bläschen auf gerötetem Grund. Die differenzialdiagnostische Abklärung erfolgt zunächst klinisch (siehe Tabelle 1). In Zweifelsfällen kann ein Abstrich zum Nachweis eines Herpesvirus entnommen werden. Um das Auftreten von bakteriellen Superinfektionen zu verhindern, werden lokal austrocknende Externa angewendet: Vioform-Zinkschüttel-Mixtur, Clioquinol 1% in Lotio alba aquosa, Triclosan 2% in DAC-­Creme oder Chlorhexidinglukonat 1%-Creme. Unkomplizierte Zoster- oder Herpes-simplex-Infektionen ohne subjektive Beschwerden bei immunkompetenten Kindern bedürfen selten einer oralen Aciclovir-Gabe.

Staphylogene Pyodermien

Bakterieninfektionen der Kopfhaut im Kindesalter treten sehr selten auf. In der Mehrheit werden sie durch Staphylokokken oder Streptokokken verursacht, wobei sich Staphylokokken auch in der Normalflora gesunder Personen finden können. Zu den staphylogenen Pyodermien gehören Infektionen einzelner oder mehrerer Haarfollikel in unterschiedlichen Follikeletagen, die durch Staphylococcus aureus (S. aureus) hervorgerufen werden: zum einen die superfizielle Follikulitis – Ostiofolliculitis Bockhart – sowie die tiefe Follikulitis und Perifollikulitis: Furunkel, Furunkulose, Karbunkel, Abszess. Warmes Klima, fieberhafte Erkrankungen, starkes Schwitzen, zu fette oder zu feuchte Lokalbehandlungen, schlechte sozioökonomische Bedingungen oder Infektabwehrschwäche können prädisponierend sein. Bei Kindern tritt eine Follikulitis im Gegensatz zu Erwachsenen eher am Kapillitium auf. Das charakteristische klinische Bild der follikulären staphylogenen Pyodermien wird in Tabelle 2 vorgestellt. Die Diagnostik der Follikulitis (siehe Tabelle 3) wird in den meisten Fällen aufgrund des typischen klinischen Befunds sowie des Nachweises grampositiver Kokken (in Haufen) im Direktausstrich aus Pustelinhalt bzw. Eiter gestellt. Bei Kindern ist es besonders wichtig, eine Trichophytie auszuschließen, weil pustulöse Follikulitiden im Kindesalter häufiger durch Pilze als durch Bakterien bedingt sind. Die oberflächlichen, gut abgrenzbaren kleinen Körperareale sind mit Antiseptika erfolgreich topisch zu behandeln. Antiphlogistika und eine orale antibiotische Behandlung sind bei ausgedehntem Befund zusätzlich indiziert. Allgemeine Maßnahmen, die darüber hinaus ergriffen werden können: Ruhigstellung, Kühlung mit feuchten, gegebenenfalls desinfizierenden Umschlägen.

 Differenzialdiagnosen bei follikulären Pyodermien

 Follikuläre staphylogene Pyodermien

Impetigo contagiosa

Die Erkrankung ist eine häufige kontagiöse Infektion der Haut im Kindesalter, die durch Staphylokokken (S. aureus) oder Streptokokken (Streptococcus pyogenes) hervorgerufen wird. Normalerweise tritt eine Impetigo contagiosa im Gesicht oder am Oberkörper auf. Selten kann der behaarte Kopf mitbetroffen sein. Charakteristisch sind honiggelbe Krusten, erythematöse Papeln und Erosionen. Kratzbedingte Mikrotraumen, mangelnde Sauberkeit und eine Störung der Hautflora begünstigen die Invasion von Eitererregern in oberflächliche Epidermisschichten. Die klinische Verdachtsdiagnose einer Impetigo contagiosa wird durch die mikrobiologische Diagnostik bestätigt. Eine antiseptische oder antibiotische Lokaltherapie ist nur in leichten Fällen erfolgreich. Bei mehreren oder ausgedehnten Läsionen sowie bei Verdacht auf Mischinfektion oder Streptokokkeninfektion ist eine systemische antibiotische Behandlung indiziert. Die Therapiemöglichkeiten bei bakteriellen Infektionen sind in Tabelle 4 zusammengefasst. Durch Autoinokulation können neue Herde entstehen, die meist narbenlos abheilen. Der Verlauf der Erkrankung kann sowohl lokalisiert als auch disseminiert sein und durch eine Behandlung auf wenige Tage verkürzt werden.

 Therapie von bakteriellen Infektionen bei Kindern

Literatur bei den Verfasserinnen
Kontakt: Dr. Nathalie Mandt, Kompetenzzentrum für Haare und Haarerkrankungen, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité Universitätsmedizin Berlin
E-Mail:

 

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