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Dermatologie 15. März 2006

Hautalterung und weibliche Sexualhormone

Cremen mit Östrogen oder Progesteron können Falten reduzieren
Von Prof. Dr. Jolanta Schmidt, Wien

Die Sexualhormone haben vielfältige und differenzierte Wirkungen auf die unterschiedlichsten Hautfunktionen. Zunächst wurden die Wirkungen von Androgenen und Östrogenen bei Akne studiert. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die weiblichen Sexualhormone auch die Mitoseraten der Keratinozyten stimulieren und damit antiatrophe Effekte an Epithelien aus­üben. Diese Effekte stellten die Basis der historischen Therapie der Kraurosis vulvae mit Östrogensalben dar. Die antiatrophen Effekte der Östrogene auf das Knochenkollagen bildeten die Grundlage der Osteoporosetherapie durch eine Hormonsubstitutionstherapie (HRT) in der Postmenopause. Die positive Korrelation zwischen Knochen- und Hautkollagen warf die Frage auf, inwieweit Östrogene einer dermalen Atrophie entgegenwirken könnten.

Endogenes Hautaltern

Mit der Thematisierung des Hautalterns als Forschungsgebiet der Dermatologie wurde dem quantitativ und qualitativ überwiegenden Photoaging das endogene Hautaltern gegenübergestellt. Die nach der Menopause reduzierten Östrogene stammen überwiegend aus Konversionen androgener Hormone in peripheren Geweben: der Haut und dem subkutanen Fettgewebe. Für die hormonellen Aktionen sind aber auch die Hormonrezeptoren relevant. Mittlerweile wurde neben dem klassischen ER alpha (Chromosom 6) auch ein zweiter intrazellulärer ER beta (Chromosom 14) gefunden, und neuerdings gibt es Evidenz für membrangebundene Östrogenrezeptoren. Die unterschiedlichen Expressionen der Östrogenrezeptoren in verschiedenen Hautstrukturen lassen den Schluss zu, dass die Rezeptoren unterschiedliche zellspezifische Rollen spielen. Es stellte sich die Frage, inwieweit eine Östrogendefizienz in der Postmenopause am Hautalterungsprozess beteiligt ist und ob Östrogene – topisch oder systemisch – diesen beeinflussen. Klinisch kommt es bereits wenige Wochen nach der Menopause zu zunehmender Trockenheit der Haut. Die postmenopausal gealterte Haut wird in den folgenden Monaten schlaff und verliert an Festigkeit und klarer Kontur, auch feine Falten sind zu beobachten. Vor allem in den ersten fünf postmenopausalen Jahren kommt es zu einer Kollagenreduktion um bis 30 Prozent.

Wirkungen der Östrogene in der Haut

Seit langem waren die stimulierenden Wirkungen von Östrogenen auf die Synthese von Kollagen und Hyaluronsäure sowie die Steigerung der epidermalen Mitoserate im Tiermodell nachgewiesen. Auch in menschlicher Haut fördern Östrogene die Synthese von Hyaluronsäure und sauren Mucopolysacchariden, was sich klinisch in einer Zunahme der dermalen Feuchte und damit des Turgors repräsentiert. Darüber hinaus kommt es zur Stimulation der Kollagensynthese mit einer Veränderung der Ratio Kollagen I/III zugunsten der Typ-III-Produktion. Ultrastrukturell zeigten sich ebenfalls positive Effekte einer lokalen Östrogenapplikation an den elastischen Fasern.

Hormonsubstitution

Erste klinische Studien über die Wirkungen der Hormonsubstitution als Osteoporosetherapie hatten die positiven Effekte von systemischer Östrogensubstitution auch auf die Hautdicke gezeigt, deren Zunahme mit jener der Knochendichte korrelierte. Wenige Monate nach der Menopause war es zu signifikanten Reduktionen von Hautdicke und Knochendichte gekommen, die jedoch drei bis sechs Monate nach Einsetzen einer Hormonsubstitution wieder zunahmen. In einer großen, retrospektiven Studie in den USA wurde bei 3.825 Frauen gezeigt, dass hormonsubstituierte Frauen in einem Drittel weniger Falten aufwiesen als nicht substituierte Frauen. Der Vergleich der Hautelastizität von 43 nichtmenopausalen, 25 postmenopausalen Frauen ohne HRT und 46 Frauen mit HRT zeigte, dass die Gruppe der Frauen in der Postmenopause ohne HRT die stärkste Dehnbarkeit der Haut aufwiesen. Eine andere amerikanische Studie, die die Elastizität in Gruppen von Frauen zwischen 18 und 67 Jahren untersuchte, ergab, dass die mit dem Altern voranschreitende zunehmende Dehnbarkeit und sinkende Elastizität der Haut durch eine HRT hinausgezögert werden. Der Vergleich von drei unterschiedlichen Arten von HRT [transdermales Östrogenpflaster (TTS 50) vs. TTS 50 und 0,04 g Progesteron-Vaginalzäpfchen vs. orales Östrogen und Pg-Zäpfchen] wurde mit einer nicht behandelten Kontrollgruppe durchgeführt. Die Evaluierungen der Untersuchungen von Hautdicke, Hautelastizität und Hautfeuchtigkeit zeigten bessere Ergebnisse in den Behandlungsgruppen gegenüber den Kontrollen. Durch den Pg-Anteil der HRT kam es in den betreffenden Gruppen zu Anstiegen der Hautoberflächenlipide. Darüber hinaus profitierten auch die UV-exponierten Areale von der HRT.

Topische Östrogene und Progesteron beim Hautaltern

Es war nahe liegend, zu untersuchen, inwieweit eine topische Hormonapplikation Wirkungen beim hormonellen Hautaltern hat. Eine französische Studie berichtete über die Wirkungen von konjugierten Östrogenen auf Alterungsparameter im Gesicht bei 54 Frauen. Im Vergleich zur Placebogruppe zeigte die Verumgruppe signifikante Zunahmen der Hautdicke und Reduktionen der Faltentiefen nach 24 Wochen Behandlungsdauer. In einer eigenen Studie publizierten wir zeitgleich die benefiziellen Wirkungen von topischem Östriol auf das Hautaltern. In einer weiteren Studie verglichen wir die Wirkungen von 0,3 Prozent Östriol mit jenen von 0,01 Prozent Östradiol bei 59 Frauen. Signifikante Reduktionen von Faltentiefen und Zunahmen der Hautfeuchte wurden messtechnisch dokumentiert. Histologische Untersuchungen der Kollagenparameter zeigten bei Behandlungsende nach 24 Wochen eine deutliche Vermehrung von Kollagen III. Eine weitere Studie verglich die Wirkungen von 17-beta-Östradiol 0,01 Prozent mit jenen von 15 Prozent Glykolsäurecreme und einem Kombinationspräparat. Dabei zeigte die Kombination die besten Ergebnisse, gefolgt von Glykolsäure und Östradiol. Eine kosmetische, schwächere Variante der lokalen Östrogentherapie stellen isoflavonhältige Cremen dar. Diese Phytoöstrogene besitzen aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit 17-beta-Östradiol eine östrogene Potenz. Als Wirkungen eines entsprechenden Kosmetikums zeigten die postmenopausalen Probandinnen nach 24 Wochen Verbesserungen der Hydratation der Haut und der Hautfestigkeit.

Topisches Progesteron

Eine andere Strategie, die, von Gynäkologen seit langem propagiert, jetzt erstmals wissenschaftlich untersucht und publiziert wurde, ist topisches Progesteron gegen Hautaltern. Der Wirkungsmechanismus wird überwiegend in der Hemmung der kollagenabbauenden Enzyme – der Matrixmetalloproteinasen – gesehen. In der Studie der Wiener Universitätshautklinik mit 40 Frauen zeigte die Gruppe mit der zweiprozentigen Progesteroncreme nach 16 Wochen signifikant bessere Werte für die Hautelastizität und klinisch bessere Reduktionen der Faltentiefe als die Vergleichsgruppe. Hingegen zeigte weder die Hautfeuchte noch das Sebum wesentliche Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Es waren keine Nebenwirkungen zu verzeichnen.

Literatur bei der Verfasserin
Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Jolanta Schmidt, Universitätsklinik für Dermatologie,
Medizinische Universität Wien. E-Mail:

 

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