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Dermatologie 15. März 2006

Auf immer und ewig dein?

Wenn die große Liebe erkaltet und der Name des oder der Liebsten nach wie vor als Tattoo auf der Haut erstrahlt, kann die Laserbehandlung die Erinnerung zum Verblassen bringen

Das Image von Tätowierungen hat in den vergangenen Jahren einen Wandel durchgemacht, der seinesgleichen suchen muss. Wagt man einen Blick etwas weiter zurück, stößt man bereits bei Ur- und Naturvölkern auf verschiedenste Tattoos. Selbst Ötzis’ Haut war damit verziert. Später galten Tätowierungen als Privileg der Adeligen, die ihre Wappen auf der Brust verewigten. Schließlich sank das Ansehen der verzierten Haut in die Niederungen der Kriminalität und Halbwelt. Bis Anfang der neunziger Jahre galten Tattoos in unseren Breiten als Stigmata von Randgruppen. Mit einfachen Mitteln, meist Tusche und einer Nadel „gepeckerlt“, waren die „Häfentattoo“ benannten Werke meist unscharf konturiert und fahlblau. Neue Stars, neue Mode und ein steigendes Angebot an professionellen Studios leiteten den Umschwung ein. Tätowierungen haben den Wiedereinstieg in die Gesellschaft geschafft. Nichttätowierte sind heute in bestimmten Altersgruppen in der Minderheit. In allen Farben und Facetten leuchten Tattoos von der Haut. Doch nicht immer währt die einstige Begeisterung über den Hautschmuck lebenslang, und Dermatologen werden zur Anlaufstelle, wenn es um die Entfernung dieser Kunstwerke geht.

Laser sind keine Wunderwaffen

„Laser haben noch immer den Nimbus eines Zaubermittels. Doch: Laserbehandlungen, zumindest die hochenergetischen, sind niemals schmerzlos, und selten ist nur eine Behandlung ausreichend. Es ist mit einer mehrwöchigen Abheilungszeit zu rechnen. Fast immer sind zahlreiche Sitzungen erforderlich“, bremst Prof. Dr. Daisy Kopera von der Grazer Universitätsklinik für Dermatologie die Erwartungen an die Technik. Heute kommen gütegeschaltete Laser zum Einsatz, diese Geräte geben ihre Energieladungen innerhalb von Nanosekunden ab. Das Wirkungsprinzip der Laserbehandlung ist die selektive Erhitzung, Aufsprengung und Verdampfung des Farbstoffs. So werden die Partikel von Sitzung zu Sitzung kleiner und weniger. Für die Entfernbarkeit einer Tätowierung spielt der verwendete Farbstoff die zentrale Rolle. Für jede Farbe sind Laser mit eigenen Lichtwellenlängen erforderlich, andernfalls geht die Energie am Ziel vorbei.

Manche Farben sind besonders problematisch

Kopera: „Nicht für jeden Farbton existieren geeignete Lasersysteme. Orange, Gelb, Hellblau, Grau und Weiß sind besonders problematisch. In modernen Profitattoos kommen auch diese Farbtöne häufig vor. Mehrfarbige Tätowierungen sind praktisch nicht restlos entfernbar.“ Vor der Anwendung ist auch die Hautfarbe des Patienten zu berücksichtigen. Auf dunklerer Haut kann ein Negativ-Abdruck der Tätowierung verbleiben. Tätowierungen der älteren Generation sind fast immer mit Tusche gezeichnet. „Tusche ist strukturell weich und leicht erhitzbar. Derartige Tattoos lassen sich in fünf bis zehn Durchgängen weitgehend spurlos entfernen. Eine vorübergehende Veränderung der Hautpigmentierung ist allerdings möglich“, so Kopera. Für Studiotattoos werden professionelle Farbstoffe aus Metalloxiden verwendet. Um diese Strukturen aufzusprengen, sind wesentlich höhere Energien und somit mehr Sitzungen erforderlich. „Ein weiteres Problem ist, dass in der Regel nicht festgestellt werden kann, um welche Chemikalien es sich handelt. Zudem zerplatzen Metalloxide in größere Teilchen. Dabei können Löcher ins Gewebe gerissen werden, die mitunter zu Blutungen und kleinen Narben führen“, ergänzt Kopera.

Mehrere Sitzungen notwendig

Für ein brillantschwarzes Studiotattoo geht Kopera von 20 und mehr Sitzungen zur Aufhellung aus. Auch für Rot und Grün stehen wirksame Laser zur Verfügung.
Kopera: „Wichtig ist, dass es ‚den Laser‘ nicht gibt. Die zahlreichen verschiedenen Lasersysteme haben individuelle Einsatzgebiete und Grenzen. Das bringt auch einen hohen technischen und letztlich finanziellen Aufwand für den Betreiber mit sich. Ärzte, die in die modernen und teuren Geräte investiert haben, sollten sich dennoch nicht der Verlockung hingeben, den Laser als Cash Cow bei nicht eindeutiger Indikation einzusetzen.“

Permanent Make-up hält länger als versprochen

Unter der Bezeichnung „Permanent Make-up“ werden Tätowierungen in klassischen Make-up-Bereichen des Gesichts angeboten. Oftmals wird dabei eine Haltbarkeit von einigen Jahren angepriesen, nach der die Farbe verblasst sein soll. „Das stimmt nicht“, warnt Kopera: „Auch beim Permanent Make-up werden Farbstoffe unter die Epidermis – also in die Lederhaut – eingebracht. Was dort abgelagert wird, bleibt erhalten.“ Vor allem im Bereich der Lippen kommen gemischte Rot- und Brauntöne zur Anwendung, die mit dem Laser nicht immer erreichbar sind. Auch vom alternativen Übertätowieren mit Hautfarben rät Kopera ab: „Diese hellen Farbtöne gehen überhaupt nicht mehr raus.“ Das Einbringen von Farbpigmenten unter die Haut wird von vielen Medizinern nicht nur aufgrund hygienischer Bedenken beim Tätowieren selbst kritisch betrachtet. Besonders die neuen, oft aus fragwürdigen Quellen bezogenen Farbstoffe mit ihren verschiedenen chemischen Zusammensetzungen stellen ein unkalkulierbares Langzeitrisiko dar. Möglicherweise geht von dem einen oder anderen Farbstoff oder Gemisch ein karzinogenes Risiko aus. „Das gilt natürlich auch für die Behandlung dieser Substanzen mit Laserstrahlen. Niemand weiß exakt, welche chemischen Reaktionen im Einzelfall durch die Laserenergie ausgelöst werden und welche Folgen das in 20, 40 oder 60 Jahren für den Patienten hat“, gibt Kopera zu bedenken: „Vielleicht folgt dem Tattoo-Boom unserer Tage eine Welle maligner Tumore.“

Epilation mit dem Laser

Galt eine kräftig behaarte Mannesbrust noch bis vor Kurzem als Ausdruck von Männlichkeit und Stärke, ist heute ein kahler, glatter Thorax gefragt. Man(n) greift zu Rasierapparat und Enthaarungsgel, das schmerzhafte Harzen scheint auch bei Frauen in letzter Zeit aus der Mode gekommen zu sein. Immer mehr nachgefragt wird hingegen die Laserepilation. Dabei werden die pigmentierten Haarfollikel mit Wellenlängen von etwa 700 bis 1.100 Nanometern mit verschiedenen Laser- und IPL(intensive pulsed light)-Systemen unter Beschuss genommen. Das Follikelepithel wird durch die Umwandlung von Licht in Hitze geschädigt, sodass das Haarwachstum für etwa ein Jahr reduziert ist. Kopera: „Mit Folgebehandlungen werden die erreichbaren Intervalle immer größer und der weitere Haarwuchs immer geringer. Eine kritische Aufklärung des Patienten hilft, die Erwartungen realistisch zu halten. Eine Enthaarung für immer kann aufgrund der großen Regenerationsfähigkeit der Haarfollikel nicht garantiert werden. Bei weißen oder sehr hellblonden Haaren gestaltet sich die Behandlung schwierig, da die schwach oder gar nicht pigmentierten Haarfollikel dem Laser keinen Angriffspunkt geben.“

Dr. Alexander Lindemeier, hautnah 1/2006

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