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Dermatologie 13. März 2006

Was Selbstbräuner (nicht) können

Gebräunte Haut gilt als eine Art Statussymbol. Wer keine Zeit zum Sonnenbaden hat, könnte etwas nachhelfen. Es gibt verschiedene Selbstbräuner und Bräunungsbeschleuniger auf dem Markt. Was diese können und wie verträglich und sicher sie sind, haben Dr. Christina Burdinski von der Klinik für Dermatologie am Uniklinikum Mannheim und ihre Kollegen genauer untersucht.

Süßstoff Dihydroxyaceton färbt obere Hautschicht braun Der am häufigsten verwendete Wirkstoff in Selbstbräunern ist der Süßstoff Dihydroxyaceton (DHA). Sein Bräunungseffekt wurde 1920 zufällig entdeckt: Bei der Austestung verschiedener Süßstoffe fiel DHA dadurch auf, dass es bei Kontakt mit der Haut braune Spuren hinterließ. Damals war dieser Effekt unerwünscht. Heute nutzen ihn diejenigen, die schnell braun werden möchten. DHA reagiert in der obersten Schicht der Epidermis mit Proteinen, wobei sich ein Melanin-ähnlicher brauner Farbstoff bildet. Allerdings: „Bei der Anwendung gibt es einiges zu beachten, um passable Erfolge zu erzielen“, so Burdinski: Das Mittel muss gleichmäßig aufgetragen werden, Hornhaut sollte zuvor mit einem Peeling entfernt werden, da diese sich sonst dunkler färbt. Der Erfolg wird nach etwa einer Stunde sichtbar. Bei heller Haut kann es zu gelbstichigen Brauntönen kommen. Außerdem verströmt DHA einen charakteristischen Geruch, der sich auch nicht mit Parfum überdecken lässt, so Burdinski. Und noch einen Nachteil gibt es bei dieser Form der Bräunung: Es besteht der Verdacht, dass Selbstbräuner zu einem DNA-Schaden und zu einer erhöhten Apoptoserate führen (Akt Dermatol 31, 2005, 263).

Bräunungsbeschleuniger sollen Melanozyten stimulieren

Ein weiterer Versuch kann mit Bräunungsbeschleunigern gestartet werden. Die Effektivität dieser Mittel, die die Melanin-produzierenden Melanozyten stimulieren sollen, konnte in Studien bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Dafür haben es die Bräunungsbeschleuniger in sich, nämlich eine bunte Mischung an nicht immer harmlosen Inhaltstoffen. Darunter ist auch natürliches Melanin, das der Haut zwar die gewünschte Bräune verleiht, aber schon bei der nächsten Dusche mit in den Abfluss versickert. Andere Inhaltsstoffe, etwa Muskatnuss, fördern die Durchblutung und täuschen einen Bräunungseffekt auf diese Weise nur vor. Gefährlich wird es bei pflanzlichen Ölen, die phototoxische Reaktionen hervorrufen können. Burdinskis Fazit: „Bräunungsbeschleuniger zeigen keine effektive Wirksamkeit, sondern eher ein hohes Gefahrenpotenzial im Hinblick auf phototoxische oder photoallergische Reaktionen.“ Aber es gibt ja noch die Bräune, die von innen kommt. Bekanntlich lagert sich Betacarotin in der Haut ab und führt zu einem gelblich-braunen Hautton. Doch wer auf diese Weise den Hautton ändern möchte, muss nach Burdinskis Angaben fünf Kilogramm Karotten am Tag verzehren. Ein Kilo enthält etwa 70 Milligramm Betacarotin. Doch nur etwa zehn Prozent werden aus rohen Karotten resorbiert. Wer keine Möhren mag, kann Betacarotin auch in Kapseln einnehmen.

Also aus der Traum von der schnellen Bräune ohne Urlaub? Eine Möglichkeit gibt es noch: Die subkutane Injektion von Melanin-stimulierendem Hormon (MSH). Über zehn Tage täglich einmal gespritzt, steigere diese Behandlung nachweislich die Melaninproduktion, so Burdinski. Doch auch hier gibt es einen Schönheitsfehler: Unerwünschte Effekte sind etwa Flush, Müdigkeit und Übelkeit. Männer können noch ganz andere Probleme bekommen: Einige bekommen durch MSH-Injektionen sogar einen spontanen Priapismus.

Vornehme Blässe ist das gesündeste Schönheitsideal

Alles in allem scheinen also die Bem,ühungen um einen braunen Teint entweder erfolglos oder gefährlich zu sein – was natürlich auch für ausgiebige Sonnenbäder gilt. Deshalb Burdinskis pragmatische Überlegung: „Gesünder wäre die Rückkehr zum alten Schönheitsideal, der vornehmen Blässe des 19. Jahrhunderts.“

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