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Dermatologie 13. März 2006

Wie sicher sind kosmetische Produkte?

Cremes und Shampoos, Lidschatten und Parfüms: Kosmetika sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Doch bei so manchem Konsumenten zeigen sich nach der Anwendung Hautausschläge oder Allergien.

Die hauptsächlichen Anwender kosmetischer Produkte sind Frauen, aber der Anteil an Männern steigt kontinuierlich. Nachvollziehbare und vergleichbare Daten über Allergien, Irritationen oder Unverträglichkeiten lagen bis jetzt nicht vor. „Der Europarat hat daher im Jänner 2004 eine gemeinsame Pilotstudie von vier Ländern gestartet, die sich mit einem europäischen Meldesystem zur Erfassung unerwünschter Wirkungen kosmetischer Mittel befasst“, sagt die österreichische Projektleiterin Dr. Sheida Hönlinger-Alaei von der Abteilung Kosmetik am Institut für Lebensmitteluntersuchung Innsbruck der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Die Ergebnisse dieser Studie wurden unlängst im Rahmen des Europarat-Symposiums „Cosmetovigilance“, das in der AGES in Wien stattfand, präsentiert.
Unter der Leitung der AGES wurde in Österreich eine eigene Arbeitsgruppe aus einem Dermatologen (Prof. Dr. Werner Aberer von der Meduni Graz) sowie Vertretern von Konsumentenschützern, Industrie und dem Bundesministerium für Gesundheit und Frauen gebildet. Es wurden spezielle Meldeformulare für Hautärzte einerseits und Verbraucher andererseits vorbereitet. Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums dokumentierten mittels dieser Formulare zwölf Dermatologen und zwei Kliniken (Graz und Innsbruck) österreichweit Daten über unerwünschte Wirkungen von kosmetischen Produkten.

VKI-Broschüre über Nebenwirkungen

Der Verein für Konsumenteninformation erfasste mittels eines eigens dafür entwickelten Formblattes unerwünschte Wirkungen kosmetischer Mittel, die von Verbrauchern gemeldet werden. Alle diese Daten wurden an die Leitung der Arbeitsgruppe weitergeleitet und ausgewertet. Die Daten aller vier teilnehmenden Länder wurden wiederum innerhalb des Europarates zusammengefasst. Ein greifbares Ergebnis dieser Studie liegt für Österreich bereits in Form einer Broschüre des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen (BMGF) vor: Die Broschüre „Was tun, wenn die Haut verrückt spielt?“ informiert darüber, wie allergische Reaktionen zustande kommen, und bietet Verhaltensempfehlungen und Kontaktadressen.
„Derzeit sieht es ja so aus, dass die Konsumenten erst bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt aufsuchen“, sagt Hönlinger-Alaei. Ein harmonisiertes europäisches Meldesystem auf Basis eines informellen Netzwerkes zwischen Behörden, Herstellern, Konsumenten und Dermatologen hätte einige Vorteile: Es würde eine profunde Basis für künftige Regelungen bezüglich Inhaltsstoffen von Kosmetika und standardisierte Nachweismethoden bieten. Dadurch wäre einerseits eine Kosteneinsparung auf Seiten der Produzenten möglich, andererseits würde es auch zu einer bewussteren Anwendung von Kosmetika durch die Konsumenten kommen und damit auch zu einem erhöhten Gesundheitsschutz führen. Die Vorschläge, die aus der Pilotstudie abgeleitet wurden, wird der Europarat in einer Resolution verabschieden.

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