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Dermatologie 14. Februar 2006

Schimmelpilze lieben Haut und Nägel

Mikrotraumen beim Pflasterwechsel erleichtern Aspergillus eine Infektion. Bei Fusarienbefall geht es meist nicht ohne Kombitherapie.

Wenn bei Patienten mit geschwächter Abwehr ein wiederholter Pflasterwechsel ansteht, sollte dieser behutsam erfolgen. Denn Mikrotraumen, die durch das Abreißen des Pflasters entstehen, können Schimmelpilzen wie Aspergillus den Weg ebnen. Eine dann entstehende Hautinfektion ist oft schwer beherrschbar und kann sogar tödlich enden. Hautinfektionen durch Pilze – das klingt fürs Erste nicht besonders gefährlich. Dass aber nicht nur Dermatophyten, sondern auch Schimmelpilze zu einer Hautmykose führen können, ist weniger bekannt. Dabei kann eine Schimmelpilzinfektion der Haut nicht nur durch einen primären Befall, sondern auch sekundär durch Streuung entstehen. Etwa zehn Prozent der Patienten mit einer disseminierten Aspergillose entwickeln sekundär eine kutane Aspergillose, wie Privatdozent Pietro Nenoff und Dr. Jürgen Herrmann vom Laboratorium für medizinische Mikrobiologie in Mölbis berichten (Akt Dermatol 31, 2005, 371).

Wunden als Eintrittspforte

Eintrittspforte für die primäre kutane Aspergillose sind Verbrennungs- und chirurgische Wunden, aber auch Mikrotraumen durch wiederholten Pflasterwechsel, etwa zur Fixierung eines Venenkatheters. Sekundär kann sich Aspergillus hämatogen bis zur Haut ausbreiten. Behandelt wird am häufigsten mit Itraconazol und mit Voriconazol. Bei der sekundären kutanen Aspergillose wird zudem systemisch Ampho-tericin B und Caspofungin verwendet, berichten die beiden Mikrobiologen. Ebenfalls von Bedeutung als Erreger von Hautinfektionen sind Fusarien-Arten, und das besonders bei Patienten mit chronischem Nierenversagen, hämatologisch-onkologischen Erkrankungen, Verbrennungswunden, Diabetes oder ischämischer Herzkrankheit. Fusarien sind vor allem für Pflanzen pathogen, können aber auch invasive und oberflächliche Mykosen bei immunsupprimierten Menschen verursachen. Einen anderen Vertreter der Schimmelpilze hatte sich ein 42-jähriger Mann eingefangen, berichtet Nenoff. Nach einer Nierentransplantation und der darauf folgenden Immunsuppression entwickelte der Mann, wahrscheinlich nach einer Verletzung am Knöchel, schmerzlose Knoten in der Haut der Beine, später auch an den Unterarmen. Die Gewebeprobe ergab: An diesen Körperstellen hatte sich der Schwärzeschimmelpilz Alternaria alternata in die Haut des Patienten eingenistet.

An Nagelmykosen beteiligt

Doch nicht nur bei den Haut-mykosen, auch bei den Nagelmykosen können durchaus Schimmelpilze beteiligt sein. „Bei ein bis vier Prozent der Patienten mit Onychomykose liegt ein Schimmelpilz zugrunde“, so die Mikro-biologen. In einer eigenen Untersuchung konnte bei der Hälfte der 5.077 Nagelproben von Patienten mit Verdacht auf Onychomykose eine Pilzinfektion der Nägel nachgewiesen werden.

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