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Dermatologie 25. Jänner 2006

Tipps zum richtigen Umgang mit der Sonne

Sonnencreme allein bietet keinen verlässlichen Schutz vor Hautschäden

Rechtzeitig vor dem Urlaubsantritt sollten Sie Ihre PatientInnen auf die Risiken intensiver Sonnenexposition hinweisen und adäquaten Sonnenschutz für Erwachsene und Kinder empfehlen. Neue Sonnenschutzmittel können Hautschäden auch nach dem Sonnenbrand noch reparieren. Je näher am Äquator und je höher sich der Urlaubsort befindet, desto intensiver ist auch die Sonneneinstrahlung. Dementsprechend sollte auch ein Produkt mit einem höheren Lichtschutzfaktor gewählt werden. Je höher der Lichtschutzfaktor, desto besser der Schutz vor sonnenbedingten Hautschäden, wie etwa Sonnenbrand. Der Lichtschutz muss dabei jedenfalls das gesamte Strahlenspektrum abdecken. Allerdings, so warnen Experten, sollten sich Sonnenhungrige auch mit einem hohen Lichtschutzfaktor nicht zu langen Sonnenbädern aussetzen. „Es ist unklar, inwieweit die Lichtschutzpräparate mit chemischen UV-Filtern vor Hautkrebs und Hautalterung schützen“, warnt Prof. Dr. Peter Wolf, Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universitätsklinik Graz.
Eine Verringerung des Hautkrebsrisikos bieten Sonnenschutzpräparate mit Reparaturenzymen, die durch zu viel Sonneneinstrahlung entstandene Hautschäden in der DNA wieder rückgängig machen und damit das Hautkrebsrisiko verringern können. Insgesamt bietet aber auch die beste Sonnencreme keinen optimalen Schutz, wenn sie nicht richtig und konsequent angewendet wird.

Öfter ­Eincremen

„Die meisten Menschen cremen sich viel zu dünn und viel zu selten ein“, beklagte etwa der französische Dermatologe Prof. Dr. Jean-Jaques Grob vom Krankenhaus in Marseille im Rahmen des 10. World Congress on Cancers of the Skin, der Mitte Mai 2005 im Wiener AKH stattgefunden hat. Studien hätten ergeben, dass meist nur rund ein Viertel der notwendigen Menge zum Ein- cremen verwendet würde. Auch werde der Sonnenschutz viel zu selten aufgetragen. Optimal sind zwei Fingerlängen Sonnencreme auf jeden der elf Körperteile, in die Verbrennungsexperten den Körper einteilen: Gesicht und Nacken, linker Arm, rechter Arm, Brust, Bauch, Rücken (zwei Zonen), linkes Bein und rechtes Bein (insgesamt vier Zonen). Auch muss bedacht werden, dass durch Wasser ein Teil auch wasserfester Sonnencreme wieder verloren geht. „Auch der Abrieb durch das Abtrocknen entfernt einen Teil des Sonnenschutzes“, warnt Wolf. Das bedeutet, dass nach jedem Schwimmen das Eincremen wiederholt werden soll. Mindestens eine halbe Stunde vor und alle zwei Stunden während des Sonnenbades soll für ausreichenden Sonnenschutz gesorgt werden (Kasten 1). Die Warnungen der Experten haben einen triftigen Grund: Die Zahl der Hautkrebserkrankungen steigt weltweit stark an. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl dieser malignen Erkrankungen in Europa verdoppelt. UV-Strahlung gilt heute als Hauptauslöser für Basalzellkarzinom, Stachelzellkrebs und malignes Melanom. Dabei entstehen Basal- und Stachelzellkrebs hauptsächlich an Stellen, die der Sonne häufiger ausgesetzt sind. Schwieriger gestaltet sich die Situation beim malignen Melanom: Hier sitzen die Tumoren bei Männern hauptsächlich am Oberkörper, bei Frauen an den Beinen, erst danach kommt die der Sonne deutlich stärker ausgesetzte Kopf- und Nackenpartie. Der deutsche Dermatologe Dr. Andreas Blum aus Konstanz führt dies, neben dem Hauptfaktor Sonnenlicht, auch auf genetische Faktoren zurück. So seien Menschen mit heller Haut eher gefährdet als solche mit dunklerer Hautfarbe (Kasten 2, 3). Auch der Wohnort spielt eine wichtige Rolle. So haben Studien gezeigt, dass Einwanderer, die aus Ländern mit niedriger UV-Strahlung in solche mit höherer UV-Strahlung kommen, ein erhöhtes Risiko für ein Melanom aufweisen. Eine andere derzeit intensiv diskutierte These beschäftigt sich mit der Länge der Sonnenlichtexposition. So könnte eine kurzzeitige intensive Sonneneinstrahlung die Zahl der genetischen Mutationen besonders stark erhöhen und deshalb schädlicher sein als eine langsame Bräunung. Eine endgültige Klärung des Risikofaktors Sonnenlicht für die Entstehung von Hautkrebs steht allerdings derzeit noch aus. Ein umfassender Schutz vor Sonneneinstrahlung bleibt auf absehbare Zeit wohl die einzige „Waffe“ zum Schutz vor Hautkrebs.

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Kasten 1 Kasten 2

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