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Dermatologie 25. Jänner 2006

Computer unterstützt die Diagnose von Melanomen

Neue Technologie ermöglicht leichtere und frühere Erkennbarkeit bösartiger Hauttumoren

Die computerunterstützte Diagnose bietet eine Hilfe bei der Beurteilung von Hautveränderungen an, den Spezialisten kann sie nicht ersetzen, waren sich die Experten beim 10. World Congress on Cancers of the Skin im Mai 2005 in Wien einig. „Im experimentellen Setting funktionieren computerdiagnostische Systeme“, erklärte Prof. Dr. Michael Binder, Universitätsklinik für Dermatologie, AKH Wien. Ohne den „menschlichen“ Experten, der die Letztentscheidung darüber trifft, ob es sich bei der begutachteten Hautveränderung um eine Krebserkrankung handelt, werde es auch in absehbarer Zukunft nicht gehen. Zwischen den verschiedenen derzeit auf dem Markt befindlichen Systemen sieht Binder keine signifikanten Unterschiede. Für ein gutes Ergebnis seien die eingespeisten Daten essenziell, nach dem Motto: „Put good data in and you get good results out!“

ABCD-Regel wird angewendet

Mehrere Systeme werden derzeit bereits zur Unterstützung bei der Diagnose von Hautveränderungen eingesetzt. Dazu gehören etwa der „DermoGenius“ oder der „Mole Analyzer“. Die Computer-Diagnose-Systeme richten sich dabei meist nach der weltweit anerkannten ABCD-Regel. Auch das System „DermoGenius“, das im Zeitraum 1999 bis 2000 von einem multidisziplinären Team aus Bayern entwickelt wurde, arbeitet danach und betrachtet anhand vorgespeicherter Referenzdaten Asymmetrie, Begrenzung, Farben (Color) und Differenzialstruktur der zu beurteilenden Hauterscheinung. Aus diesen Daten wird dann die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein malignes Melanom handelt, berechnet. „In Studien konnte eine Trefferwahrscheinlichkeit von 90 Prozent mittels DermoGenius erreicht werden“, freute sich Prof. Dr. Wilhelm Stolz, Chefarzt der Abteilung für Dermatologie am Krankenhaus München-Schwabing. Allerdings zeigt sich auch Stolz davon überzeugt, dass „es nicht möglich ist, die Diagnose vollständig zu automatisieren. Der erfahrene Dermatologe wird sicherlich weiterhin gebraucht werden.“ Ein in Tübingen entwickeltes und praxiserprobtes System stellt der Mole Analyzer dar, der in Studien ebenfalls eine Trefferquote von 90 Prozent erreichen konnte. Mittels eines komplexen Modells, in das die Größe der Hautveränderung, spezielle Farbwerte und ein Texturmaß eingehen, lassen sich Wahrscheinlichkeitsaussagen zur Melanomdiagnose machen. Auch der Mole Analyzer arbeitet nach der ABCD-Regel. Zu einer interessanten Schlussfolgerung kam abschließend Prof. Dr. Harald Kittler, Universitätsklinik für Dermatologie, AKH Wien. In einer Metaanalyse stellten Kittler et al. einen Vergleich zwischen menschlicher und computerunterstützter Melanomdiagnose an. 30 Studien wurden in die Metaanalyse miteinbezogen. Es wurde eine Gesamtprävalenz von 33,1 Prozent für das maligne Melanom berechnet, die Range lag allerdings zwischen 1,8 und 60,9 Prozent. „Im Ergebnis zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen einer Diagnose durch ein Computerprogramm und einer solchen durch einen Menschen“, so Kittler, der allerdings einschränkte, dass die überprüften Studien selbstverständlich keine Abbildung des klinischen Alltags darstellen würden. Letztlich könnten computerunterstützte Diagnoseprogramme den Dermatologen bei der Beurteilung von Hautveränderungen unterstützen – ein Ersatz für den „Human Factor“ seien sie freilich vorerst nicht.

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