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Dermatologie 25. Jänner 2006

Eine Salbe gegen das Basaliom

Das neue Präparat stellt einen entscheidenden Therapiefortschritt dar, darf jedoch nur unter ­laufender Kontrolle und keinesfalls kritiklos angewendet werden
Von Prof. Dr. Fritz Gschnait

Das Basaliom ist der häufigste Hauttumor, tritt etwa jenseits des 40. Lebensjahres auf und ist besonders bei hellhäutigen, sommersprossigen Hauttypen häufig zu finden. Mit zunehmendem Lebensalter werden Basaliome häufiger. Unbehandelt bildet sich mit der Zeit eine Läsion, die langsam wächst, später leicht wund wird, immer wieder Krusten bildet. Schließlich entsteht eine nicht heilende Wunde. Die Häufigkeit nimmt deutlich zu; in den letzten 20 Jahren hat sie sich verdoppelt, jährlich steigt sie um drei bis sechs Prozent. Das Basaliom ist ein so genannter semimaligner, also halbbösartiger Tumor. Basaliome metastasieren zwar nicht oder sehr selten, das heißt, sie bleiben auf den Ort ihrer Entstehung beschränkt, sie wachsen aber destruktiv, das heißt unhaltbar in alle Gewebe ein, die sich ihnen in den Weg stellen und zerstören diese. Auch vor Knorpel an der Nase oder Knochen des Schädels machen sie nicht halt. Basaliome müssen also rechtzeitig und vollständig entfernt werden, wenn man Schlimmeres verhindern will.

Vielfältige Formen

Die Erscheinungsformen der Basaliome sind außerordentlich zahlreich, es gibt knotige, zystische, braun pigmentierte, rote oberflächliche und sklerodermiforme Arten, die wie Narben aussehen. Im Verdachtsfall soll eine Biopsie vorgenommen werden, um die Diagnose abzusichern. Wegen des destruktiven Wachstums müssen Basaliome sicher und vollständig entfernt werden. Dazu wird in erster Linie ein operatives Vorgehen zu wählen sein. Sollte ein Primärverschluss der Operationswunde unmöglich sein, wird man mit Lappenplastiken trotzdem einen Verschluss der Wunde anstreben. Wenn auch dies aus anatomischen Gründen nicht möglich ist, oder das kosmetische Ergebnis zweifelhaft ist, wird eine autologe Hauttransplantation routinemäßig vorgenommen. Besonders bei alten Menschen, für die eine Operation ein zu großes Risiko darstellen würde, kann man als Alternativbehandlung auch die Strahlentherapie wählen. Ihr Nachteil ist, dass man keine exakte Kontrolle hat, ob auch alle Tumorteile im bestrahlten Feld liegen. Auch eine Therapiekontrolle mit dem Mikroskop ist nicht möglich. Die Strahlentherapie muss somit als Behandlung zweiter Wahl angesprochen werden. Bei sehr oberflächlichen Basaliomen kann nach mikroskopischer Diagnosestellung eine Kryotherapie versucht werden, wobei der Tumor mit flüssigem Stickstoff eingefroren und damit zerstört wird. Im Anschluss an die Behandlung entsteht eine mehr oder weniger tief reichende Wunde, die langsam zuheilen muss. Nach Ende der Behandlung ist wieder eine histologische Kontrolle mit dem Mikroskop erforderlich.

Aktivierte ­Makrophagen

Seit kurzer Zeit steht auch eine Salbe, die den Wirkstoff Imiquimod enthält, zur Verfügung, die einen bedeutenden Fortschritt in der Therapie des Basalioms bedeutet. Imiquimod ist eine Imidazochinolin-Verbindung und wirkt durch die Aktivierung von Makrophagen und anderer Zellen, wodurch die Ausschüttung von Zytokinen induziert wird. In diesem lokal gebildeten Zytokin-Milieu finden nun Th1-vermittelte Immunreaktionen statt, mit der Bildung zytotoxischer Effektoren, welche offenbar auch Basaliomzellen angreifen. Die Vorteile für den Patienten bei der Imiquimod-Behandlung liegen auf der Hand: Sie ist eine schmerzlose Therapie mit hohen Heilungs- und geringen Rezidivraten bei guten kosmetischen Ergebnissen. Das Präparat wird fünf- bis siebenmal in der Woche über einen Zeitraum von sechs Wochen oder länger verwendet. Als Nebenwirkungen treten Hautreizung und vorübergehendes Wundwerden der Läsion auf. Dies ist eine erwünschte Reaktion, ohne die auch keine Heilung eintreten würde. Der Patient muss darüber aufgeklärt werden. Entscheidend bei der Imiquimod-Behandlung des Basalioms ist es, dass diese nur bei sehr oberflächlichen Tumoren und ausschließlich nach histologischer Absicherung der Diagnose durchgeführt werden soll und nach Ende der Behandlung ebenfalls eine histologische Kontrolle vorgenommen wird, um nachzuweisen, ob die Behandlung auch vollständig gewirkt hat und der Tumor nicht nur teilweise entfernt wurde. Sonst würde er nämlich in der Tiefe weiter wuchern und zu Komplikationen führen. Vor einer kritiklosen Anwendung vom Imiquimod bei jeder Diagnose „Basaliom“ muss eindringlich gewarnt werden.

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