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Dermatologie 25. Jänner 2006

Heller Hautkrebs: Stark ­steigende Inzidenz

Gute Behandlungschancen, wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt wird

Neben der operativen Entfernung von Tumoren der Haut bietet die Radiotherapie in vielen Fällen gute Chancen zur kurativen Therapie von hellen Hautkrebserkrankungen. Die Inzidenz für Hautkrebs steigt in vielen Weltgegenden stark an. Dabei nimmt nicht nur das maligne Melanom zu. Auch Plattenepithelkarzinom und Basaliom (helle Hautkrebsformen, Non-Melanomaskin Cancer, NMSC) sind im Ansteigen begriffen. In den USA ist bereits ein Drittel der Hautkrebsfälle NMSC. „Generell gilt“, so der Zürcher Dermatologe Prof. Dr. Günther Hofbauer von der Universität Zürich: „Je stärker die Sonneneinstrahlung, desto höher die Rate an hellem Hautkrebs unter der kaukasischen Bevölkerung.“ In Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung, wie etwa Australien, hat die Rate an NMSC in den vergangenen zehn Jahren um sechs Prozent zugenommen. Betroffen sind dabei vor allem Männer, hier wurden in epidemiologischen Studien 1.332 Fälle auf 100.000 Einwohner gemessen. Bei Frauen wurden 755 Fälle auf 100.000 Einwohnerinnen festgestellt. Die gute Nachricht ist: Helle Hautkrebsformen sind in vielen Fällen sehr gut behandelbar, oft auch heilbar, erläuterte Hofbauer im Rahmen des 10. World Congress on Cancers of the Skin Mitte Mai 2005 in Wien. „In Europa liegt die Fünfjahresüberlebensrate bei Frauen zwischen 85 und 95 Prozent, bei Männern sind die Zahlen ein wenig niedriger“, so Hofbauer weiter. Die Mortalität liegt bei Männern zwischen 0,24 und 0,38 auf 100.000 Personen, bei Frauen zwischen 0,11 und 0,23 auf 100.000 Personen.

Hohes Risiko für ­Transplantierte

Ganz anders präsentiert sich die Situation bei Menschen, die wegen einer Organtransplantation unter immunsuppressiver Therapie stehen. „So ist etwa das Platten­epithelkarzinom bei transplantierten Patienten 65-mal so häufig wie unter der Normalbevölkerung“, betonte Hofbauer. Dies bedeutet auch, dass sich diese Patienten unbedingt besonders gut vor Sonneneinstrahlung schützen müssen, denn „UV-Strahlung und Immunsuppression zusammen führen zu katastrophalen Ergebnissen“, meinte Hofbauer. „70 Prozent der weißen transplantierten Bevölkerung Australiens entwickeln innerhalb von 20 Jahren ein Platten­epithelkarzinom.“ Dazu kommt, dass auch die guten Heilungsraten, die unter der Normalbevölkerung für NMSC angegeben werden, auf transplantierte Menschen nicht zutreffen, weil sich die Erkrankung bei diesen Patienten häufig besonders aggressiv verhält und deutlich häufiger tödlich verläuft als bei sonst gesunden Menschen. „Nach drei Jahren sind nur noch 56 Prozent der transplantierten Patienten mit Plattenepithelkarzinomen am Leben“, so Hofbauer.

OP und Radiotherapie

Therapiert wird NMSC einerseits operativ, dabei werden die flach einwachsenden Hautkrebsarten, wie Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom, reseziert. Eine weitere Möglichkeit bietet die Radiotherapie zur schonenden Entfernung von Hauttumoren. Diese Therapieform wird nach dem Stufenschema der Arbeitsgemeinschaft für dermatologische Onkologie an zweiter Stelle nach chirurgischer Entfernung der Tumore genannt. Die Radiotherapie wird vor allem bei Tumoren im Gesicht angewendet. „Behandelbar sind die meisten hellen Hautkrebsarten“, erklärte der Dermatologe Prof. Dr. Torello Lotti, Vorstand der Universitätshautklinik in Florenz. „Besonders geeignet ist die Therapie, aufgrund der geringen Belastung, für ältere Patienten mit mittleren oder großen Tumoren.“ Die Heilungsraten betragen Studien zufolge zwischen 71 und 99 Prozent. „Auch die kosmetischen Ergebnisse sind ausgezeichnet“, so Lotti weiter. „Nebenwirkungen wie Wundheilungsstörungen sind mit lokalen Maßnahmen meist komplikationslos zu beseitigen.“

Photodynamische Therapie

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung von NMSC stellte der Dermatologe Dr. Lasse R. Braathen vom Inselspital in Bern vor. „Das Prinzip der photodynamischen Therapie wird bereits seit 1903 zur Therapie von Hautkrebs angewendet“, so Braathen. „Aber erst seit wenigen Jahren stehen potente Substanzen zur Verfügung, die eine effektive und nebenwirkungsarme Therapie von hellem Hautkrebs ermöglichen.“ Bei der photodynamischen Therapie (PDT) macht man sich zunutze, dass nur Tumorzellen verstärkt 5-Aminolävulinsäure in Protoporphyrin umwandeln. Durch das Auftragen einer Creme, die diese Aminolävulinsäure enthält und etwa vier Stunden einwirken muss, auf die erkrankten Hautareale wird dieser Prozess in den Tumorzellen aktiviert. Danach wird in einer zwanzigminütigen Spezialbehandlung über die Bildung von Sauerstoffradikalen die Apoptose der protoporphyrinhaltigen Krebszellen ausgelöst. Das gesunde Gewebe wird geschont. Das führt dazu, dass es nicht zu Narbenbildung kommt und auch ein kosmetisch einwandfreies Ergebnis entsteht. Meist reicht eine Therapiesitzung für die kurative Behandlung von NMSC aus. In besonders hartnäckigen Fällen kann durch eine zweite PDT der verbliebene Tumoranteil kenntlich gemacht und erneut therapiert werden. Die Nebenwirkungen der PDT werden von den Patienten als wenig belastend beschrieben. Angegeben wird mehr oder weniger starkes Brennen unter der Lichtbestrahlung mit über einige Tage anhaltenden Rötungen. „An Abteilungen mit gut ausgebildetem Personal ist die Radiotherapie für die meisten Hautkrebsarten wirklich zu empfehlen“, so Braathen.

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