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Dermatologie 25. Jänner 2006

Innovative Strategien gegen die Hautkrebsepidemie

Die aktuellsten Erkenntnisse über die Wirkung der Antiangiogenese und eine Impfung gegen das Melanom wurden auf dem 10. Hautkrebs-Weltkongress im Mai 2005 in Wien präsentiert

Hautkrebs ist die häufigste Krebsform und weltweit dramatisch im Steigen. Einer amerikanischen Statistik zufolge bekommt in der weißen Bevölkerung derzeit ein Mensch von sieben im Laufe seines Lebens ein Melanom, 2010 soll bereits einer von fünf Menschen betroffen sein. Ähnliche Zunahmen gibt es auch bei Basaliom und Plattenepithelkarzinom. Der „World Congress on Cancers of the Skin“ bietet regelmäßigen Wissens- und Gedankenaustausch zu den Themen Prävention, Früherkennung, Diagnose, Grundlagenforschung und Therapie des Melanoms, aber auch Non-Melanoma Skin Cancer wie Basalzell- und Plattenepithelkarzinom und Lymphom. Nach Berlin, Zürich und Sevilla gelang es nun Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Leiter der Abteilung für Allgemeine Dermatologie, Medizinische Universität Wien, und seinem emeritierten Vorgänger Prof. Dr. Klaus Wolff, Anfang Mai die Weltspitze an Dermato-Onkologen und dermato-onkologischen Grundlagenforschern – rund 600 hochkarätige Fachleute aus 48 Ländern – für den 10. Hautkrebs-Weltkongress ins Wiener AKH zu bringen.

Hohe Heilungsraten bei Früherkennung

Unbehandelt führt jedes Melanom zum Tod. Wird Hautkrebs jedoch frühzeitig erkannt, so ist er in den meisten Fällen heilbar. „Theoretisch dürfte heute kein Mensch mehr an Hautkrebs sterben“, erklärte Wolff. Trotzdem sterben heute mehr Menschen als je zuvor an einem Melanom, und zwar deshalb, weil die Inzidenz weltweit so stark zunimmt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, führen die heimischen Dermatologen mit großer Unterstützung durch die Österreichische Krebshilfe seit 1988 die Aktion „Sonne ohne Reue“ zur Aufklärung und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung durch. Darin wird unter anderem darauf hingewiesen, dass Sonnenschutzmittel sehr gut wirken, „aber kein Freibrief zum Braten“ sind, so Pehamberger. Direkte Folge der jährlichen Kampagnen ist eine deutliche Verbesserung der Prognose von Melanomerkrankungen. So reduzierte sich die mittlere Tumordicke aller in Österreich operierten Melanome von 1,5 Millimeter im Jahr 1975 auf derzeit 0,8 Millimeter. Das Zehnjahresüberleben stieg auf 80 Prozent.

Verbesserte Diagnostik durch Auflichtmikroskopie

Verbessert hat sich die Diagnostik vor allem durch die Einführung der digitalen Auflichtmikroskopie. Diese Technik nahm von Wien ihren Ausgang und ist nun weltweiter Standard der Diagnose und Nachsorge von Melanompatienten und Patienten mit vielen Muttermalen. Die Auflichtmikroskopie erlaubt eine um 25 Prozent verbesserte klinische Diagnose sowie Verlaufsbeobachtung und Dokumentation.„Dies ist nicht nur für Melanompatienten entscheidend, sondern auch für Menschen mit vielen Muttermalen. Es wird verhindert, dass tausende Muttermale unnötigerweise herausgeschnitten werden“, betont Wolff. Die Einführung der e-card werde in kurzer Zeit zur Computerisierung und damit auch zur Installierung der digitalen Auflichtmikroskopie in vielen Arztpraxen führen. „Aber jeder Computer ist nur so gut wie der Arzt“, warnt Wolff. „Ich habe Bedenken, wenn diese Technik in die breite Öffentlichkeit der Medizin kommt und damit Leute herumspielen, die nichts davon verstehen.“

Innovative ­Therapiekonzepte

Bei Melanomen, die bereits metastasiert sind oder sich in einer Risikophase befinden, die eine Metastasierung erwarten lässt, sind andere und innovative Therapieansätze gefragt. So hat sich Österreich an zwei internationalen Studien über die Wirksamkeit von pegyliertem Interferon beteiligt. Bisherige Ergebnisse laut Pehamberger: Die Immuntherapie führt zur Verbesserung der rezidivfreien Phase und zur Verlängerung der Überlebensrate. Eine erfolgversprechende Methode, die gerade in laufenden Studien geprüft wird, ist der Einsatz pegylierter Interferone zur Verlängerung der rezidivfreien Phase. Ein Team um Prof. Rainer Kunstfeld, Abteilung für Allgemeine Dermatologie der Medizinischen Universität Wien, will mit neuen Substanzen eine Antiangiogenese bewirken: So genannte inkapsulierte Liposome sollen gezielt die Blutversorgung des Melanoms zerstören und so den Tumor „aushungern“. Kunstfeld: „Wenn es uns gelingt, die Blutversorgung zu drosseln, können wir den Tumor in einem mikroskopisch kleinen Stadium halten und Metastasen verhindern.“

Innovativer Impfstoff weckt neue Hoffnung

Die Entwicklung einer Impfung auf zellulärer Basis gegen Hautkrebs hat bisher keinen Erfolg gezeitigt. In Zusammenarbeit mit Prof. Otto Scheiner (Pathophysiologie) und Prof. Christoph Zielinski (Klinische Onkologie) verfolgen Pehamberger und Wolff ein neues Konzept: Mimotope sind Peptide, also Eiweißbestandteile, die die Struktur eines Tumorantigens widerspiegeln. „Richtig verpackt kann man dagegen eine Immunantwort hervorrufen. Tumormimotope sind daher ausgezeichnete Kandidaten für eine Krebsvakzine. Tatsächlich sind wir nicht nur in der Lage, durch Melanommimotope eine Immunantwort in der Maus hervorzurufen, sondern sogar das Tumorwachstum zu verhindern“, betont Pehamberger. „Derzeit sind wir in Vorbereitung einer Phase-I-Studie, um dieses Prinzip erstmals beim Melanompatienten anzuwenden.“ Unter dem Begriff „Weißer Hautkrebs“ oder Non-Melanomaskin Cancer werden Basalzell- und Plattenepithelkarzinome zusammengefasst. Das Basaliom kommt 30-mal häufiger vor als das Melanom. Als einziger nicht benigner Tumor metastasiert das Basaliom nicht und wird daher häufig in seinen Auswirkungen unterschätzt. „Die Therapie besteht in einer operativen Entfernung. Bei zu langem Zuwarten, wenn der Tumor eine gewisse Größe erreicht, hinterlässt die Operation allerdings ein beträchtliches Loch“, warnt Pehamberger. Das Plattenepithelkarzinom ist zehnmal häufiger als das Melanom und neigt im fortgeschrittenen Stadium zur Metastasierung. Bei frühen Formen wie der aktinischen Keratose führt die photodynamische Therapie zur Zerstörung der Zellen. Auch topische Pharmakotherapien bewähren sich zunehmend.

Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, hautnah 2/2005

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