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Dermatologie 25. Jänner 2006

Nachfolger in Wolffs Revier

Der neue Vorstand der Abteilung für Allgemeine Dermatologie im Wiener AKH, Prof. Dr. Hubert Pehamberger, über neue Ziele und den Stand der dermatologischen ­Forschung

Drei Jahrzehnte lang hat Prof. Dr. Klaus Wolff die Abteilung für Allgemeine Dermatologie der Universitätshautklinik am Wiener AKH geleitet. Ärzte Woche-hautnah sprach mit seinem Nachfolger Prof. Dr. Hubert Pehamberger über die Schwerpunkte seiner Abteilung sowie die Fortschritte in der Dermato-Onkologie. „Neue Melanom-Therapien stehen unmittelbar vor dem klinischen Einsatz“, verspricht Pehamberger.

Vorerst Gratulation zu Ihrer neuen Funktion. Zu Beginn vielleicht noch ein kurzes Wort zu Ihrem Vorgänger.
Pehamberger: Man kann Prof. Dr. Klaus Wolff sicher als Doyen der österreichischen Dermatologie bezeichnen. Eine Vielzahl der Primarärzte und Klinikvorstände in unserem Land waren einst seine Schüler. Sein Verdienst war es unbestritten, die österreichische Dermatologie auf ein hohes internationales Niveau gehoben zu haben.

Wo sehen Sie den Aufgabenschwerpunkt für Ihre Abteilung?
Pehamberger: Der wissenschaftliche und klinische Schwerpunkt der Abteilung ist die Dermato-Onkologie. In den letzten Jahren ist es uns gelungen, durch computerunterstützte Diagnoseverfahren die Verbesserung und Früherkennung des Melanoms und so eine günstigere Prognose zu erzielen. Zurzeit sind zudem mehrere Forschergruppen bemüht, neue Therapiestrategien gegen bereits fortgeschrittene Stadien der Erkrankung mit Metastasierung zu finden. Naevi, Melanome und andere Hauttumore können bei uns von der Früherkennung bis zur Therapie und Nachsorge versorgt werden. Die Abteilung umfasst zwei Stationen, die es ermöglichen, auch eine systemische Tumortherapie durchzuführen: Von der Immun- über die Gen- bis zur Chemotherapie ist hier alles machbar. Generell sind wir allerdings ein tertiäres Versorgungszentrum, eine Anlaufstelle für dermatologische Problemfälle.

Welche Forschungsaktivitäten sind zurzeit am Laufen?
Pehamberger: Große Fortschritte gibt es auf dem Gebiet der adjuvanten Interferontherapie bei der Melanomerkrankung. Wir können damit das rezidivfreie Intervall verlängern. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Zudem gibt es drei derzeit sehr aktive Arbeitskreise: Rainer Kunstfeld arbeitet an der Entwicklung von Liposomen, die ausschließlich von wachsenden Blutgefäßen in tumorösem Gewebe aufgenommen werden. Diese, mit einem Chemotherapeutikum beladenen, Fettpartikel zerstören die Versorgung des Malignoms und hemmen damit dessen Wachstum. Die Forschung auf dem Gebiet der Retroviren wird zurzeit von einer Arbeitsgruppe um den Virologen Thomas Muster vorangetrieben. Die Viren können sich nur in den von Krebs betroffenen Melanomzellen weiterentwickeln. Sie bilden die Grundlage für die Entwicklung eines Melanom-Impfstoffes. Zudem kann mit Hilfe eines gentechnisch modifizierten, onkolytischen Virus die Krebszelle direkt zerstört werden. Wir entwickeln zurzeit gemeinsam mit Gruppen um Prof. Scheiner und Prof. Zielinski die aus der Allergieforschung stammenden Mimotop-Vakzinationen. Mittels eines Melanom-assoziierten Antigens wird durch dieses Mimotop eine Immunantwort hervorgerufen und funktionell aktive Antikörper induziert. Die Mimotope stellen eine neue Art von Tumorvakzinen dar.

Wie weit sind diese Forschungen fortgeschritten?
Pehamberger: Alle diese drei unterschiedlichen Therapiekonzepte stehen unmittelbar vor der Einführung in die klinische Studie am Patienten.

Welchen Stellenwert wird die Ausbildung haben?
Pehamberger: Neben dem wissenschaftlichen Schwerpunkt ist unser Aufgabengebiet die studentische Lehre und die postpromotionelle Ausbildung. Wir sind bemüht, viele Dissertanten zu gewinnen, um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Die Dermatologie ist ein sehr spezi-fisches Fachgebiet. Wie kann Ihrer Meinung nach die Kluft zwischen universitärer Arbeit und extramuraler Praxis überwunden werden?
Pehamberger: Gerade für allgemeinmedizinische Kollegen und niedergelassene Fachärzte bieten wir immer wieder Fortbildungsveranstaltungen an. Dies ist mir ein großes Anliegen. In der Turnusausbildung wird der Dermatologie mit nur zwei bis drei Monaten eine für dieses komplexe Fach sehr knapp bemessene Zeit zugestanden. Wenn ein Kollege daher etwa an der Dignität einer Läsion zweifelt, sollte er den Betroffenen rechtzeitig zum Facharzt oder an ein Kompetenzzentrum verweisen. Die Telemedizin kann hier sicherlich unterstützend zum Einsatz kommen: Mit dieser Technik, in Verbindung mit der digitalen Auflichtmikroskopie, kann in Zukunft die Kommunikation zwischen den Hausärzten und den Dermatologen vereinfacht werden. Die Einholung einer „Second Opinion“ wird dadurch möglich und mitunter bald zum Standard gehören.

Dr. Ronny Teutscher, hautnah 2/2005

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