zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 16. November 2005

Behandlung der Kinderhaut

Muss gesunde Kinderhaut eigentlich speziell gepflegt werden? „Prinzipiell wohl nicht, hilfreich ist es aber häufig“, sagt Prof. Dr. Werner Aberer, Leiter der Abteilung für Umweltdermatologie und Venerologie an der Uni-Hautklinik Graz. Die Haut des Neugeborenen und des Kleinkindes ist leicht irritierbar und reagiert auf verschiedene Noxen mit Ekzemen. Lufttrockenheit in beheizten Räumen, häufiges Waschen mit Tensiden, die okkludierende Wirkung der Windel und vieles andere kann auch beim hautgesunden Kind zu Problemen beitragen. Wird die Haut sichtbar trocken, kann es laut Aberer durchaus sinnvoll sein, nach dem Baden etwas nachzufetten. Die oft gestellte Frage, ob die Haut durch allzu häufiges Einschmieren quasi verwöhnt wird und die natürliche, schützende Fettproduktion zurückfährt, ist bis heute nicht zu beantworten.
Die Windeldermatitis ist ein häufiges Problem, von dem mindestens die Hälfte aller Wickelkinder wenigstens einmal betroffen ist, meist zwischen dem neunten und zwölften Lebensmonat. Gerötete Haut, Nässen („Wundsein“), Juckreiz, manchmal Pusteln stellen sich ein, die großen Hautfalten sind meist nur dann betroffen, wenn sich auch eine Pilzinfektion dazugesellt.

Ursache sind Verdauungsenzyme in Kotresten, aber auch allzu viel Rubbeln und Reinigen mit Desinfektionsmitteln und Seifen können zur Entzündung beitragen. „Wenn die Haut nicht nur gerötet ist, sondern sich auch in die Umgebung streuende Pusteln zeigen, so ist das ein Hinweis auf eine gleichzeitige Candida-Infektion“, erläutert Aberer. Eine Pilzkultur sei nicht unbedingt notwendig, meist genügen schon die Maßnahmen, die eine Windeldermatitis zum Abklingen bringen, auch dazu, dass die Soormykose verschwindet: Die Windelregion sollte so trocken wie möglich gehalten werden, und dazu eignet sich am besten, das Baby von Zeit zu Zeit untenrum ohne strampeln zu lassen. Die Diskussion, ob im Fall einer Dermatitis Stoffwindeln besser sind, wird in letzter Zeit laut Aberer nicht mehr geführt. Die Fertigwindeln sind sehr saugfähig und hautfreundlich – allerdings sollten sie, ist der Po einmal gerötet, untertags alle zwei Stunden und auch in der Nacht einmal gewechselt werden. Salben mit z.B. Zinkoxid tun noch ein Übriges, die Haut vor dem Windelinhalt zu schützen.
Ebenfalls häufig im Babyalter ist der Milchschorf – stark nässende, schuppende und juckende Hautentzündungen auf der Kopfhaut, die sich meist ab dem dritten Lebensmonat zeigen. Von der Bezeichnung „Milchschorf“ kommt man, wie der Dermatologe betont, immer mehr ab, auch davon, dass es sich dabei um eine seborrhoische Dermatitis handelt. Vielmehr herrscht derzeit die Meinung vor, dass das Ekzem ein frühes Zeichen für eine atopische Dermatitis, zuweilen auch für eine Psoriasis ist. Bei gut der Hälfte der Kinder verschwindet der Schorf mit einfachen Pflegemaßnahmen: abends etwas
Babyöl in die Kopfhaut einmassieren und am Morgen mit mildem Shampoo waschen. Teebaumöl, das kurzzeitig wegen unerwünschter Wirkungen in die Schusslinie von Dermatologen geraten war, kann laut Aberer durchaus auch verwendet werden – sofern es sich um gute Produkte von seriösen Herstellern handelt und der Inhalt dunkel und verschlossen gelagert wird.
Müssen aus therapeutischen Gründen
topische Medikationen aufgebracht werden, so ist zu bedenken, „dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind“, betont Aberer. Sie metabolisieren anders, gewisse Wirkstoffe wie etwa Benzylbenzoat oder Clioquinol können deshalb für sie schädlich sein.
Außerdem können Fertigwindeln eine okklusive Wirkung haben und damit die Absorp­tion erhöhen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben