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Dermatologie 21. September 2016

Ulcus cruris oft von neuropathischem Schmerz begleitet

Unabhängig von der Ursache des Geschwürs leidet die Mehrzahl der Patienten mit einem Ulcus cruris an  neuropathischen Schmerzen, wie eine französische Studie ergeben hat. 

Schmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung von Beingeschwüren. Und glaubt man den Ergebnissen einer  Studie, die  Marie  Eusen  von  der  Universitätsklinik  Brest  und  Kollegen  vorgelegt haben [ 1 ], ist die oft vertretene  Ansicht,  venöse  Beinulzera  seien  selten  schmerzhaft,  nicht  länger  haltbar.   56 % der befragten Patienten mit Ulcus  cruris  venosum,  die  für  die  Studie  untersucht wurden, hatten nachweislich neuropathische  Schmerzen,  also  eine  Punktzahl von mindestens 4 (von maximal 10) im DN4-Diagnosefragebogen zum neuropathischen Schmerz.

» 56  % der befragten Patienten  mit Ulcus cruris venosum hatten nachweislich neuropathische Schmerzen

Bei  Patienten  mit  Ulcus  cruris  arteriosum  lag  die  Quote  für  neuropathische  Schmerzen  sogar  bei  75  %.  Für   gemischte  Ulzera  gaben  die  französischen  Forscher  den  Anteil  mit  64  %  an. Im Mittel lag die Rate bei 58 %. Die  Ursachen, die den offenen Beinen zugrunde  lagen,  hatten  keinen  Einfluss   auf  die  DN4-Werte.  Aus  den  erhobenen  Daten  ließ  sich  auch  nicht  ableiten,  welche  Patienten  mit  Ulcus  cruris  neuropathische Schmerzen entwickeln werden und welche nicht.

Spezifische Therapie ist selten

Fast jeder dritte der 81 Studienpatienten gab die Schmerzstärke auf einer bis 10 ansteigenden visuellen Analogskala  mit mehr als 5 und damit als mindestens mittelstark, jeder fünfte mit mehr als 7  und  somit  als  stark  an.  Drei  Viertel  der  Patienten  wurden  gegen  ihre  Schmerzen  behandelt,  30  %  bekamen  Opioide.  Aber  nur  wenige  erhielten   Mittel  wie  Pregabalin  oder  Gabapentin,  die  spezifisch  gegen  neuropathische Schmerzen wirken. „Diese  Resultate  sollten  Ärzte  ermutigen,  Patienten  mit  Beinulzera  regelhaft  auf  neuropathische  Schmerzen  zu  untersuchen“,  schreiben  Eusen   und Mitarbeiter. Helfen kann dabei der  schon  erwähnte  DN4-Fragebogen.  Er   enthält  Fragen  nach  dem  Schmerzcharakter  (Brennen?  Kälteschmerz?  Elektrisierende  Schläge?)  und  Begleitsymptomen  (Kribbeln?  Ameisenlaufen?  Taubheit?  Jucken?).  Danach  wird  eingetragen,  ob  eine  Hypästhesie  auf  Berührung  und/oder  Stiche  in  der  schmerzenden Region besteht und ob  der  Schmerz  durch  Bestreichen  etwa   mit  einem  Pinsel  ausgelöst  oder  verstärkt wird. Für jedes gefundene Merkmal wird ein Punkt vergeben. Ab einem  Wert von 4 Punkten ist von einem neuropathischen  Schmerz  auszugehen,  die Sensitivität liegt für diesen Schwellenwert bei 83  % und die Spezifität bei  90 %.  

Literatur   

1.  Eusen M et al (2016) Neuropathic pain in  patients with chronic leg ulcers. J Eur Acad  Dermatol Venereol. doi: 10.1111/jdv.13647 

Quelle:  Dr. Robert Bublak,  Springermedizin.de

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