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Dermatologie 21. September 2016

Warzen bei Kindern zu Leibe rücken?

Zwei Drittel aller Warzen bei Kindern verschwinden innerhalb von zwei Jahren, unabhängig davon, ob sie  behandelt werden oder nicht. Dieses Ergebnis sollte in die Überlegungen, ob eine Warze therapiert werden  soll, einbezogen werden, meinen die Autoren einer US Studie. 

Warzen bei Kindern sind häufig.  Die Prävalenz liegt bei 5–10  %. Bei immunkompetenten  jungen  Patienten   gelten  die  kleinen  benignen  Hauttumoren  allgemein  als  harmlos.  Zudem   neigen sie dazu, auch ohne Therapie innerhalb von Monaten oder Jahren wieder zu verschwinden. Da Warzen dennoch  zuweilen  stören,  begegnet  man   ihnen mit verschiedenen topischen Behandlungen und anderen lokalen Maßnahmen. Beweise über deren Wirksamkeit sind allerdings rar.

In einer retrospektiven Analyse haben Anne Kuwabara und Kollegen von der  John  Hopkins  University  in  Baltimore  an  214  Kindern  zwischen  0  und   17 Jahren den Verlauf nach einer „Warzendiagnose“ verfolgt und untersucht,  welche Einflussfaktoren möglicherweise  eine  Rolle  bei  der  Heilung  gespielt   hatten. Dabei wurden die Eltern mehrfach per Telefon befragt.

Bei rund 54  % der Kinder waren die  Warzen  an  den  Händen,  bei  28   %  im   Kopf  und  Halsbereich  lokalisiert  (insgesamt  meist  weniger  als  fünf  Läsionen  und  jeweils  nur  in  einer  Körperregion).  95   %  der  Patienten  erhielten   eine  Therapie,  am  häufigsten  wurden  Salizylsäure,  eine  Kryotherapie   oder  eine  Klebebandokklusion  eingesetzt.  Nebenwirkungen  wie  Irritation,  Schmerz  und  Narbenbildung  waren  dabei  keine  seltenen  Ereignisse   (13,6 %).

Heilung mit oder ohne Behandlung

Dass die jeweiligen Behandlungsmaß nahmen für das Verschwinden der Warzen  verantwortlich  waren,  ist  aus  den   Ergebnissen  der  Studie  nicht  erkennbar.  Bei  16   %  der  behandelten  Kinder  waren  die  Warzen  nach  einem  halben   Jahr komplett abgeheilt, aber auch bei aktuell 36   %  der  unbehandelten.  Nach  zwölf  Monaten  zeichnete  sich  ein  Verhältnis   von 39  % vs. 46  % ab. Insgesamt  waren  65   %  der  Kinder,   unabhängig  von  einer  Behandlung,   spätestens  nach  zwei  Jahren  warzenfrei, 80  % innerhalb von vier Jahren.

» Bei 16  % der behandelten Kinder  waren die Warzen nach einem halben  Jahr komplett abgeheilt, aber auch  bei 36  % der unbehandelten.

Bei  der  Analyse  der  Begleitumstände  fiel  auf,  dass  Warzen  bei  Kindern   mit  Infektionen  in  der  Vorgeschichte   (Odds Ratio, OR 1,8) oder mehreren befallenen Körperbereichen (OR 1,3) signifikant häufiger länger als zwei Jahre  präsent waren.

In  die  Entscheidung  für  oder  gegen eine Warzenbehandlung müssten Aspekte  wie  das  Immunsystem  des   Patienten,  die  Harmlosigkeit  der  Erkrankung, der fragliche Erfolg einer Behandlung, mögliche Nebenwirkungen  sowie die anfallenden Kosten einbezogen  werden,  so  Kuwabara  und  Kollegen. Aus den Ergebnissen ihrer Studie  ziehen sie jedenfalls den Schluss, dass  es sinnvoll sei, bei den meisten Kindern  auf aggressive Maßnahmen zur Entfernung  von  Warzen  zu  verzichten  und  diese lieber zu beobachten. Allerdings  werde  die  Aussagekraft   ihrer  Studie,  so  die  Autoren,  unter  anderem  durch  die  kleine  Patientenzahl  ohne Behandlung sowie das gewählte  Studiendesign  in  Form  von  Telefoninterviews limitiert. In größeren kontrollierten  Langzeitstudien  sollten  ihrer   Meinung  nach  jetzt  vor  allem  die  Einflussfaktoren  auf  die  Abheilung  besser untersucht werden, um Kinder mit höherem  Risiko  für  besonders  lange   Prozesse  früh  zu  erkennen  und  gegebenenfalls  zu  behandeln.  Außerdem   sollten  Wirksamkeit  und  Sicherheit   verschiedener Warzentherapien direkt miteinander verglichen werden.

Literatur   

1.  Kuwabara A.  M. et al (2015) Children with  Warts: A Retrospective Study in an Outpatient Setting. Pediatr Dermatol 32:679–683.  doi: 10.1111/pde.12584 

Quelle:  Dr. Christine Starostzik,  www.SpringerMedizin.de

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