zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 25. Jänner 2006

Verruciforme keratotische Plaques

Einen interessanten Fallbericht samt Differenzialdiagnosen stellt Dr. Hans Schulz, Im Alten Dorf 8, 59192 Bergkamen, vor: Eine 35-jährige Patientin beobachtete im Laufe weniger Wochen eine zunehmende Ausbreitung warziger Veränderungen am Damm zwischen Vulva und After. Anamnestisch gab sie häufig wechselnde Geschlechtspartner an. Der anfängliche Juckreiz in der Afterregion veränderte sich allmählich zu einem unangenehm brennenden Gefühl. Am After entwickelten sich kleine weiche Hautausbuchtungen, die übelriechendes Sekret absonderten. Mehrfache gynäkologische Untersuchungen mit Gewebeprobeentnahmen ergaben die Diagnose eines Morbus Bowen (Carcinoma in situ). Vor dem bereits geplanten Operationstermin konsultierte die Frau einen Dermatologen. Am Tage der Vorstellung fanden sich am Perineum weiche, bis fingernagelgroße flachpapillomatöse und unregelmäßig begrenzte, teils graubläulich tingierte Plaques. Der Analring war von identischen Herden und exophytischen Papeln kranzartig umgeben (Abb. 1). Der Verdacht des Vorliegens einer virusbedingte bowenoiden Papulose kombiniert mit Condylomata acuminata konnte zunächst auflichtmikroskopisch und anschließend auch feingeweblich durch Probeexzision untermauert werden. Untersuchungen auf HIV-Infektion, Lues oder Immunsupression waren negativ. Eine klinisch durchgeführte DNA-Probe zur In-situ-Hybridisierung ergab den Nachweis von HPV 16.
Diagnose: HPV-16-induzierte bowenoide Papulose, Condylomata acuminata
Therapie: Die klinisch erfolgte Kombinationsbehandlung mittels Laserchirurgie und fokaler Applikation von Imiquimod führte zur vollständigen Abheilung der Läsionen.

Differenzialdiagnosen

Verrucae vulgares

Humane Papillomaviren (HPV) verursachen gutartige epitheliale Hyperplasien, die plaqueförmig oder papulös in Erscheinung treten. Hautfarbene oder graugelbe Keratosen können beetartig zu größeren Herden konfluieren (Abb. 2). Entscheidend für die Empfänglichkeit sind die immunogene Abwehrlage des Organismus (Immundefekt, Atopie, Organleiden) sowie die Hautdurchblutung. Plane Warzen (Verrucae planae juveniles) treten bevorzugt bei Kindern und Jugendlichen auf (Abb. 3).

Retikuläre Verrucae seborrhoicae

Bei den seborrhoischen Warzen differenziert man unterschiedliche Wuchsformen, die überwiegend exophytisch-papillomatös akanthotischen bzw. hyperkeratotischen und die flachen adenoid-retikulären Typen. Letztere imponieren meist wenig pigmentiert als beetartige, wenig auffällige verruciforme Plaques mit geringer Irritations- und Entzündungsneigung (Abb. 4).

Verruköser epidermaler Naevus

Es handelt sich hierbei um ein den Blaschko-Linien folgendes Hamartom (chromosomaler Mosaizismus). Die schmutzig-bräunlichen, papillomatösen Veränderungen verlaufen in streifiger oder bogiger Konfiguration. Die histologische Untersuchung zeigt eine ausgeprägte Akanthose, Papillomatose sowie Hyperkeratose über elongierten Papillärkörpern (Abb. 5).

Ilven

ILVEN ist die Abkürzung für „inflammatorischer linear verruköser epidermaler Naevus“. Die Erkrankung manifestiert sich in der Kindheit und ist oft assoziiert mit Skelett- und ZNS-Anomalien. Streifige, erythematös-verruköse Effloreszenzen treten überwiegend an Unterarmen und Händen auf. Die Morphe kann psoriasiform, ekzematös oder lichenoid imponieren. Die Histologie ähnelt der des verrukösen Naevus, allerdings mit zusätzlicher epidermotroper lymphozytärer Entzündungsreaktion (Abb. 6).

Pseudoakanthosis nigricans

Während die stärker pigmentierte Acanthosis nigricans maligna eine obligate Paraneoplasie darstellt, handelt es sich bei der Pseudoacanthosis um eine benigne Form, die unregelmäßig dominant vererbt wird. Eine Assoziation mit Diabetes mellitus ist auszuschließen. Das Hautrelief gestaltet sich wie bei der malignen Form verruciform-papillomatös. Prädilektionsstellen sind Nacken, Achselhöhlen und Inguinalregion (Abb. 7 und 8).

Lichen ruber verrucosus

Im Bereich der Unterschenkel, Knöchel und Fußrücken zeigen sich hypertrophe warzenartige und konfluierende bräunliche Plaques. Der meist ausgeprägte Juckreiz führt zu Kratzeffekten und Exkoriationen. Häufige Mitursache ist eine chronisch venöse Insuffizienz (Abb. 9).

Dyskeratosis follicularis Darier

Die autosomal-dominant vererbte Verhornungsstörung zeigt initial überwiegend im Bereich der seborrhoischen Zonen rötliche Papeln, die von einer festhaftenden Keratose bedeckt sind. Durch Konfluenz entstehen beetartige verruköse Flächen, die infolge einer Akantholyse mazerieren und einen fötiden Geruch abgeben. Zosteriforme Dyskeratosen folgen dem Verlauf der Blaschko-Linien (chromosomaler Mosaizismus, Abb. 10). Mit dem Krankheitsbild assoziiert sind zystische Knochenveränderungen und schizoide Wesenszüge.

Papulosquamöses Syphilid

An den Hohlhänden können sich im Stadium II einer Syphilis papulös-verruciforme keratotische Plaques ausbilden. Bei unsicherer Differenzialdiagnose empfiehlt sich ein TPHA-Suchtest (Abb. 11).

Keratoma dissipatum

Die diffus verteilten Hornkegel erinnern an vulgäre Warzen. Es finden sich multiple solitäre bis linsengroße warzenähnliche Keratosen mit schuppender Oberfläche im Bereich der Palmae und Plantae (Abb. 12).

Basalzellkarzinom

Das von epidermalen Basalzellen oder follikulären Keratinozyten ausgehende Basaliom, häufigster maligner Tumor hellhäutiger Menschen, weist eine Vielfalt klinischer und histologischer Varianten auf. Keratotische und/oder sklerodermiforme Typen sind in ihrem Wachstumsverhalten besonders aggressiv. Sie können verruciforme Plaques mit keratotischen Oberflächen ausbilden (Abb. 13, Seite 22).

Plattenepithelkarzinom

Nach dem Basaliom zählt das Plattenepithelkarzinom zu den zweithäufigsten Krebserkrankungen der Haut. Immunsuppression, zum Beispiel nach Organtransplantationen, kann das Entstehen dieser malignen Proliferationsankanthose begünstigen. Die Läsionen neigen zur dyskeratotischen Verhornung. Sofern sich die Keratinkrusten nicht ablösen, entsteht der Aspekt eines warzenähnlichen Tumors (Abb. 14).

 detail    detail    detail
Abb. 1: Perineale und perianale bowenoide Papulose sowie Condylomata bei einer 35-jährigen Frau.   Abb. 2: Periunguale Verruca vulgaris am Daumen einer 62-jährigen Frau mit chronischer Hepatopathie.   Abb. 3: Periorale plane Verrucae bei einem zehnjährigen Mädchen.
         
 detail    detail    detail
Abb. 4: Flache retikuläre Verruca seborrhoica in der Schläfenregion einer 42- jährigen Frau.   Abb. 5: Verruköser epidermaler Naevus der Achselhöhle eines einjährigen Knaben.   Abb. 6: ILVEN am Finger eines 15-jährigen Mädchens.
         
 detail    detail    detail
Abb. 7: Pseudoakanthosis nigricans in der Achselhöhle einer 17-jährigen Frau.   Abb. 8: Wie Abb. 7, papillomatöses Hautrelief in Lupenvergrößerung.   Abb. 9: Lichen verrucosus am Knöchel eines 39-jährigen Mannes.
         
 detail    detail    detail
Abb. 10: Zosteriforme Dyskeratosis follicularis Darier in der Flankenregion eines fünfjährigen Mädchens.   Abb. 11: Papulosquamöses Syphilid in der Hohlhand einer 36-jährigen Frau.   Abb. 12: Keratoma dissipatum am Daumen einer 48-jährigen Frau.
         
 detail    detail    
Abb. 13: Keratotisch-sklerodermiformes Basalzellkarzinom in der Praeaurikular-region einer 84-jährigen Frau.   Abb. 14: Verhornendes Platten-epithelkarzinom bei einer 91-jährigen Frau.    

 

 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben