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Dermatologie 17. August 2005

Die anonyme Salbe gehört der Vergangenheit an

Hautärzte ziehen oft die in den Apotheken hergestellten Arzneien für die topische Anwendung bei Dermatosen vor. Dabei müssen sie sich auf eine konstant gute Qualität der Rezepturen verlassen. Die Dermatologen sind fleißige magistrale Verordner: Während sich Kollegen der anderen Fachdisziplinen lieber mit dem begnügen, was der pharmazeutische Markt anzubieten hat, wollen die Hautärzte wissen, was die Apotheker so draufhaben. Mit 45 Prozent aller verordneten Magistralrezepturen rangieren sie vor den Pädiatern (35 Prozent) und den Augenärzten (14 Prozent). Die restlichen 6 Prozent teilen sich alle anderen Fachrichtungen. Damit werden die Dermatologen den Wünschen der Patienten durchaus gerecht. Aus der Sicht der Anwender bringt ein speziell für sie angefertigtes Präparat, eine maßgeschneiderte, individuelle Einzelverschreibung, auch eine hohe Compliance mit sich. Vergleichsweise selten wird über Nebenwirkungen berichtet – wohl auch aufgrund des mangelnden Begleittextes und der fehlenden Auflistung der unerwünschten Effekte.

QUALITÄTSSICHERUNG

Auch der Apotheker ist magistralen Rezepturen nicht abgeneigt. Schließlich gehört die Herstellung von Arzneien zu den ureigensten Aufgaben der Pharmazeuten. „Dies ist naturgemäß mit einer hohen Eigenverantwortung verbunden. Betriebswirtschaftlich rechnen sich die magistralen Arzneien für die Pharmazeuten allerdings nicht“, erklärte Mag. pharm. Dr. Wolfgang Jasek von der Österreichischen Apothekerkammer im Rahmen der 9. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie Mitte März 2005 in Wien. Schließlich kann sich dieser Geschäftszweig durch die Arbeitsleistung, die apparative und räumliche Ausstattung oder den vergrößerten Beratungsaufwand für die Patienten nicht rechnen. Aufgrund des solidarischen Modells wird durch die Spannenregelung in der Arzneitaxe die Anfertigung magistraler Rezepturen ermöglicht. Jasek: „Pharmazeutisch-technologisches Wissen und gut ausgestattete Labors sind dafür unbedingt notwendig. Alle Anforderungen und Vorschriften für die einzelnen Zubereitungen sind im Europäischen Arzneibuch definiert.“ Da es zu den magistralen Rezepturen keine groß angelegten klinischen Studien gibt, kommt der Qualitätssicherung ein hoher Stellenwert zu. Rechtliche Rahmenbedingungen für Magistraliter finden sich im Arzneimittelgesetz und der Apothekenbetriebsordnung. Vor allem der pharmazeutischen Industrie und den Herstellern von Rezepturgrundlagen kommt bei der Erstellung von Rezepturvorschlägen große Bedeutung zu. Zur Herstellung von Arzneimitteln dürfen nur Ausgangsstoffe verwendet werden, die hinsichtlich ihrer Qualität strenge Normen erfüllen. Für den Apotheker ist die Kenntnis von möglichen auftretenden Inkompatibilitäten notwendig, um sie bereits im Vorfeld auszuschließen. Ein weiteres Problemfeld ist die ausreichende Konservierung der hergestellten Produkte, damit eine Kontamination mit Keimen verhindert werden kann. Von einer optimalen Konservierung hängt die zu erwartende mikrobielle Stabilität von Zubereitungen ab. Daneben kann die chemische Stabilität auch durch unsachgemäße Lagerung negativ beeinflusst werden. Generell entfallen in den Apotheken wertmäßig lediglich 2,4 Prozent auf magistrale Rezepturen. Davon haben die topischen Arzneimittel wie Salben oder Cremes mit rund 62 Prozent den größten Anteil. Mit Anfang März wurden mit der „Neuen Apothekenbetriebsordnung“ die Vorgaben für die qualitätsgesicherte Herstellung von Zubereitungen modifiziert.

KENNZEICHNUNGSPFLICHT

Eine für Ärzte und Patienten augenscheinliche Neuerung betrifft die Behältnisaufschrift: Wo bislang mitunter recht spartanisch „Creme“ auf dem Deckel zu lesen war, soll nun detailliert draufstehen, was drin ist! „Diese Neuerung wurde nicht ohne Widerstand einiger Pharmazeuten akzeptiert“, berichtete Jasek. „Nun müssen alle wirksamen Bestandteile nach Art und Menge angegeben werden. Und dies ist für mich der einzig gangbare Weg. Die Patienten haben schließlich ein Recht darauf, zu wissen, welches Präparat sie anwenden.“ Neben den Inhaltsstoffen müssen Hinweise zur Haltbarkeit und zu besonderen Lagerungsbedingungen vermerkt sein. Zudem dürfen die Beschriftungen, um der Verwechslungsgefahr vorzubeugen, nur mehr direkt an den Behältnissen, nicht am Deckel, angebracht werden. Die anonymen „Überraschungssalben“, die mitunter detektivische Fähigkeiten von Arzt und Patient forderten, gehören somit der Vergangenheit an.

Weitere Informationen unter www.gd-online.de

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