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Dermatologie 25. Jänner 2006

Dermatologen könnten PsA als Erste erkennen

Rund 50.000 Menschen leiden in Österreich unter Psoriasisarthritis (PsA), bei der Hautbefall durch Schuppenflechte mit Gelenkentzündungen verknüpft ist. Die PsA ist keineswegs eine Erkrankung des fortgeschrittenen Alters, sondern tritt am häufigsten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. Das komplexe Krankheitsbild wird jedoch häufig nicht oder zumindest lange nicht erkannt, warnen heimische Experten. Deshalb sei eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Dermatologen und Rheumatologen für den Patienten wichtig. Ursache für die häufig sehr spät erfolgende Diagnose ist oft der zu wenig ganzheitlich ausgerichtete Blick des behandelnden Arztes: Der Dermatologe fragt den Psoriatiker zu selten danach, ob ihm die Gelenke oder der Rücken wehtun, der Rheumatologe nimmt oft die Hautveränderungen nicht wahr. Mit einem Wort: Weder der Patient noch der Arzt sehen oft einen direkten Zusammenhang. Dabei kommt es immerhin bei rund 30 Prozent aller Psoriasiserkrankungen nach den ersten Hauterscheinungen zu einem Mitbefall der Gelenke. „Man müsste schon in die Lehrbücher schreiben, dass bei Psoriasis nach Wirbelsäulenproblemen und Beschwerden an Fingern und Zehen zu fragen ist“, forderte Prim. Doz. Dr. Attila Dunky, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation, Vorstand der 5. medizinischen Abteilung mit Rheumatologie, Stoffwechselerkrankungen und Rehabilitation im Wiener Wilhelminenspital.

JAHRE Bis zur Diagnose

Was unter anderem eine Diagnose zusätzlich erschwert: Die Symptome an den Gelenken treten unter Umständen erst Jahre nach den ersten psoriatischen Hautsymptomen auf. „Die Hautveränderungen gehen bei ungefähr 75 Prozent der Betroffenen dem Gelenkbefall bis zu zehn Jahre voraus“, erklärte Prof. Dr. Werner Aberer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie und Leiter der Abteilung für Umweltdermatologie an der Medizinischen Universität Graz. „Das bedeutet, dass eigentlich die Dermatologen jene Ärzte sind, die diese Erkrankung und den rheumatologischen Anteil als Erste bemerken könnten. Im Praxisalltag ist dies aber viel zu selten beziehungsweise erst sehr spät der Fall, wie verschiedene Untersuchungen bestätigt haben. In Deutschland beispielsweise vergehen durchschnittlich 2,4 Jahre, bis ein Patient mit manifester Psoriasisarthritis an einen Spezialisten überwiesen wird.“

Wurstzehe ist oft typisch

Bei der PsA handelt es sich um eine rheumatologische Erkrankung, die frühzeitig diagnostiziert werden sollte, um ein rasches Fortschreiten zu vermeiden. Prof. Dr. Josef Smolen, Leiter der Rheumatologie am Wiener AKH und Krankenhaus Lainz: „Dabei ist zu bedenken, dass eine Psoriasisarthritis gar nicht so selten auch ohne sichtbaren Hautbefall bestehen kann.“ PsA kann prinzipiell alle Gelenke und gelenksnahen Strukturen befallen, die häufigste Form ist ein so genannter oligoartikulärer Befall, bei dem bis zu fünf Gelenke betroffen sind. Am häufigsten sind das Knie-, Sprung- und Zehengelenke, es können aber auch die Wirbelsäule, das Kreuzbein oder die Fingergelenke beteiligt sein. Sind die Finger- und Zehengelenke betroffen, kann gleichzeitig eine Nagelpsoriasis bestehen. Typisch ist das häufige Erscheinungsbild der „Wurstzehe“ oder des „Wurstfingers“. Die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität sind oft gravierend. Neben den lokalen Beschwerden leiden die Patienten unter den Folgen der chronischen Entzündung: Sie fühlen sich ständig müde und matt. Die Psoriasisarthritis ist eine lebenslange chronische Erkrankung. Studien haben zwar gezeigt, dass es bei etwa 18 Prozent der Betroffenen zu einem zeitweisen Aussetzen der Symptome kommt, allerdings erleidet die Hälfte der Patienten nach zwei Jahren einen neuerlichen Krankheitsschub.
Lange Zeit standen zur Behandlung der PsA topische Kortikoide, nichtsteroidale Antirheumatika, Vitamin-D-Präparate und Vitamin A-Abkömmlinge, Cyclosporin A, Methotrexat sowie die PUVA-Therapie zur Verfügung. Bei leichtem bis mittelschwerem Gelenkbefall werden auch physikalische Therapie und Wasseranwendungen mit Salzlösungen durchgeführt, die sowohl auf die Haut als auch auf die Gelenke günstige Wirkungen haben. Seit kurzem sind auch innovative Therapien mit monokolonalen Antikörpern für die Psoriasisarthritis zugelassen. Die modernen Substanzen verbessern nicht nur die quälenden Gelenkschmerzen massiv, sondern auch die belastenden Hautsymptome.

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