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Dermatologie 25. Jänner 2006

HPV-Diagnostik und Genotypisierung

Humane Papillomviren (HPV) sind doppelsträngige DNA-Viren aus der Familie der Papovaviridae. Über 100 verschiedene Stämme sind bekannt, von denen nur ein Teil den anogenitalen Bereich befällt. Schleimhaut-HPV-Typen werden in zwei Untergruppen unterteilt, die Low-risk-Gruppe (LR, vor allem HPV Typ 6 und 11), die gutartige genitale Warzen (Condylomata acuminata) verursacht, und die High-risk-Gruppe (HR, vor allem HPV Typ 16 und 18), die mit anogenitalen sowie oralen Karzinomen assoziiert ist. Mit molekularbiologischen Methoden lassen sich in 95 bis 99 Prozent der Cervixkarzinome Viren der High-risk-Gruppe nachweisen. Die Übertragung der HP-Viren erfolgt vor allem durch Geschlechtsverkehr, sodass die Infektion als Sexually Transmitted Disease (STD) zu werten ist. Aber auch Schmierinfektionen sowie vertikale Transmission im Rahmen des Geburtsaktes kommen vor. Kondylome in der Genitalregion eines Kindes sind daher Indiz, keinesfalls aber Beweis für einen sexuellen Missbrauch. Epidemiologischen Studien zufolge erkranken ein bis zwei Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung an Condylomata acuminata. Weniger als ein Prozent der Frauen entwickeln eine zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN). Aus der weitaus höheren HPV-Prävalenz in der Bevölkerung kann geschlossen werden, dass die Infektion zu einem hohen Prozentsatz inapparent verläuft und in einem großen Teil der Fälle selbstlimitiert ist. Innerhalb von 15 Monaten ist eine HPV-High-risk-Infektion der Cervix uteri bei 65 Prozent der unter 24-jährigen Patientinnen nicht mehr nachweisbar, in der Gruppe der über 30-jährigen Frauen beträgt die Clearance-Rate jedoch nur 32 Prozent. Die Persistenz einer HPV-HR-Infektion über einen längeren Zeitraum erhöht das Risiko, eine Dysplasie zu entwickeln, etwa um das 116-fache.

Verfügbare Tests

Seit Etablierung der zytologischen Screeningprogramme mittels Papanicolaou (PAP) Färbung konnte die Inzidenz des Cervixkarzinoms um etwa 75 Prozent gesenkt werden. Dennoch ist das Cervixkarzinom einer der häufigsten Tumore der Frau. Die jährliche Neuerkrankungsrate invasiver Karzinome beträgt in Österreich etwa 13/100.000. Knapp die Hälfte aller Genitalkarzinome sind Cervixkarzinome. Die für die Routine am besten geeignete HPV-Nachweismethode ist der Hybrid-Capt­ure-II-Test (HC II). In den meisten mitteleuropäischen Ländern wird der HPV-Nachweis als sekundäres Screening bei bezüglich ihrer Dignität nicht eindeutig beurteilbaren PAP-Abstrichen (PAP III, „ASCUS“ – atypical squamous cells of uncertain significance) eingesetzt. Auch bei klinisch unklaren Läsionen im Genitalbereich sollte eine HPV-Typisierung durchgeführt werden. Die Kosten werden in diesen Fällen generell von der Krankenkasse getragen. Die Verlängerung des zytologischen Screeningintervalls auf etwa fünf Jahre bei negativem HPV-Test in der Gruppe der über 35-jährigen Frauen wird in einigen Ländern diskutiert. Bei der Beurteilung von unklaren zytologischen Befunden stellt der HPV-Nachweis einen wichtigen prognostischen Faktor dar. Nach Therapie einer zervikalen intraepithelialen Neoplasie (CIN) mittels Konisation erhöht sich das Risiko eines Rezidivs bei persistierender HPV-HR-Infektion deutlich, sodass der HC-II-Test zur Kontrolle des Therapieerfolges eingesetzt werden kann. Mit zunehmender Entwicklung immunologischer Therapieansätze viraler Infektionen wird auch die Bedeutung des HPV-Nachweises weiter steigen.

Dr. Claudia Heller-Vitouch, hautnah 6/2005

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