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Dermatologie 18. Mai 2016

Pasta, Pizza – Pickel?

Der Konsum verschiedener Lebensmittel wie Milch oder Pizza kann insulinotrope, Akne-induzierende Effekte  haben, die auf Signaltransduktionsebene molekularbiologisch erklärt werden können. Den Zusammenhang  von Ernährung und Akne hat Prof. Dr. Bodo C. Melnik in einem kürzlich veröffentlichen Artikel dargestellt. 

In  den  westlichen  Industrienationen  liegt  die  Prävalenz  der  Akne  während  der  Adoleszenz  inzwischen   bei über 90  %. Bei weit über der Hälfte  (64 %) überspannt die Akne die zweite Lebensdekade. Im  dritten  Lebensjahrzehnt  sind  noch  rund  43 %  betroffen.  Die  über  Jahrzehnte  geltende  Definition  einer  selbstlimitierenden,  Androgeninduzierten  Hauterkrankung der Pubertät  scheint  überholt.  Vielmehr   kann  Akne  als  eine  sich  an  der  Haut   manifestierende   sichtbare   systemische  mTORC1  („mechanistic  target  of   rapamycin  complex  1“)-induzierte  Zivilisationskrankheit aufgefasst werden,  wie molekularbiologische Arbeiten der  letzten Jahre zunehmend belegen (zusammengefasst  im  Review  von  Melnik BC. Clin Cosmet Investig Dermatol 2015; 8:371–388).

Überaktivierung durch westlichen  Lebensstil

Die  Kinase  mTORC1  ist  der  zentrale   zelluläre  Schalter  der  Proteinbiosynthese, der Lipidbiosynthese, des Zellwachstums,  der  Zellproliferation  und   somit  anaboler  Stoffwechselvorgänge,  die  letztlich  einen  erhöhten  BMI  hervorrufen  können.  Eine  Überaktivierung der Kinase erfolgt durch einen  in  den  westlichen  Ländern  vorherrschenden Lebens und Ernährungsstil  mit  hohem  Fleischkonsum,  einer  hohen  glykämischen  Last  sowie einem Übermaß an Milch und Milchprodukten.

» IGF-1 ist der wichtigste Trigger  für die  Talgdrüsenlipid-Synthese und  induziert die sebozytare Lipogenese.

Auf  zellulärer  Ebene  erfolgt  die  Aktivierung  der  mTORC1-Kinase  durch  Glutamin,  Palmitinsäure,  essenzielle   verzweigtkettige  Aminosäuren,  Insulin  sowie  IGF-1  (Insulinartiger  Wachstumsfaktor-1).  Seit  Längerem  ist  bekannt, dass IGF-1 der wichtigste Trigger  für  die  Talgdrüsenlipid-Synthese  ist   und  die  sebozytäre  Lipogenese  induziert. Eine     ebenso  wichtige     Rolle  spielt  IGF-1  bei  der  Induktion  des  nukleären  FoxO-Exports.  Die  „Forkheadbox“-Transkriptionsfaktoren stellen  eine  Familie  zentraler  regulatorischer  Proteine  dar,  die  die  Expression  wichtiger Gene moduliert. Diese Gene  sind an der Kontrolle des Zellzyklus, der DNA-Reparatur, der Apoptose, des oxidativen  Stresses,  der  Zelldifferenzierung,  des  Glukosestoffwechsels  und   anderer  Zellfunktionen  maßgeblich  beteiligt.  Der  resultierende  nukleäre  Export des meist genrepressiv wirkenden FoxO1 bewirkt eine „Freischaltung“  der  an  der  Akne  beteiligten  Zielgene und nukleären Rezeptoren. Die physiologisch auftretende Insulinresistenz  der  Pubertät  und  der  damit  einhergehende  nukleäre  Mangel an FoxO1  werden  durch  insulinotrope  Wachstumsfaktorsignale westlicher Ernährung weiter gesteigert.

» Die physiologisch auftretende Insulinresistenz der Pubertät und  der damit einhergehende nukleare Mangel an FoxO1 werden durch insulinotrope Wachstumsfaktorsignale westlicher Ernährung weiter gesteigert.

Bereits  1999  betrachteten  Deplewski   und  Rosenfeld  die  Rolle  von  IGF-1  bei   der  Entstehung  von  Akne  als  bedeutender  als  die  der  Androgene.  Die  ernährungswissenschaftlichen  Erkenntnisse  stehen  im  Einklang  mit  den   bekannten   androgenen   Einflüssen  auf  die  Entstehung  von  Akne.  Nutritive  Wachstumsfaktorsignale  (Insulin/IGF-1)  steigern  durch  nukleären  FoxO1-Mangel  die Transkriptionsaktivität  des  Androgenrezeptors;  hierbei  induzieren  erhöhte  IGF-1-Spiegel   durch Aktivitätssteigerung der 5α-Reduktase die periphere Konversion von Testosteron zum zehnfach potenteren Dihydrotestosteron.

Zwei Stimuli zur Aktivierung  des Rezeptors erforderlich

Die  Aktivierung  des  Androgenrezeptors  erfordert  also  zwei  Stimuli:  die   Bindung des Liganden (Androgen) und  die Unterdrückung seines inhibitorisch  wirksamen Ko-Regulators FoxO1. Den  meisten  Dermatologen,  so  Melnik,  sei  die IGF-1-abhängige Signaltransduktion  des  Androgenrezeptors  via  FoxO1  nicht  bewusst.  Erst  kürzlich  wurde  FoxO1  auch  als  ein  Inhibitor  des  follikelstimulierendes  Hormons  sowie  der  LH-(luteinisierendes Hormon)-Produktion erkannt.Bestätigt wird die zentrale Rolle von IGF-1 beim  Laron-Syndrom.  Hier  führt   ein Gendefekt im Rezeptor des Wachstumshormons zu Kleinwüchsigkeit. Die  IGF-1-Plasmaspiegel der Laron-Patienten sind deutlich erniedrigt. Unbehandelt  (ohne  IGF-1-Substitution)  treten   bei  den  Betroffenen  keine  Akne,  kein  Diabetes und nur selten Krebs auf.

„Anti-Akne-Diät“ beinhaltet viel  Gemüse und Fisch

Auch in einer 2014 veröffentlichten Untersuchung  bei  jungen  Erwachsenen   in  New  York  zeigten  Burris  und  Kollegen  eine  Assoziation  zwischen  dem  Schweregrad einer Akne und der Mege  aufgenommener  gesättigter  und  trans-Fettsäuren  sowie  dem  Zucker-  und Milchkonsum. Der Ernährungsstil  der  Industrieländer  spielt  bei  der  Entstehung  von  Akne  die  entscheidende Rolle, resümiert Melnik. Das Krankheitsbild  verstärkt  sich  bei  Vorliegen weiterer  genetischer  Defekte.  Als  „Anti-Akne-Diät“  empfiehlt  er  eine paläolithisch  geprägte  Ernährung  mit dem   Verzehr von Gemüse und Fisch und einen  reduzierten  Konsum  von  Zucker, hyperglykämischen  Getreiden,  Milch  und Milchprodukten sowie gesättigter  und  trans-Fettsäuren.  Günstig  wirken  ω-3-Fettsäuren  und  pflanzliche  Polyphenole, die mTORC1 hemmen. 

Literatur   

1.  Melnik BC (2015) Clin Cosmet Investig  Dermatol 8:371–388   

2.  Melnik BC, Schmitz G (2013) Exp Dermatol  22:502–504   

3.  Melnik BC, Zouboulis CC (2013) Exp Der - matol 22:311–315

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