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Dermatologie 18. Mai 2016

Häufig täuscht das klinische Bild

Die Diagnose aktinischer Keratosen wird schon aufgrund der Häufigkeit der Läsionen üblicherweise klinisch  gestellt. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt: Klinisches Bild und Histologie stimmen oft nicht überein. 

Das Progressionsrisiko aktinischer  Keratosen  wird  mit  bis  zu  16 %  pro  Jahr  angegeben.  65   %  der  primären Plattenepithelkarzinome und 36 % der Basalzellkarzinome entwickeln sich  in Läsionen, die zuvor als aktinische Keratosen eingestuft worden sind. Die  Prävalenz  dieser  neoplastischen  Hautveränderungen  wird  zwischen 6 %  und 26  %  verortet.  In  Australien  weisen 40–60  % der Erwachsenen aktinische Keratosen auf. Die Masse der Befunde legt es nahe, dass das Vorgehen vom klinischen Bild dominiert wird und  nicht jede Läsion unter dem Mikroskop  des Pathologen landet.

Ein gängiges Schema zur klinischen  Klassifikation aktinischer Keratosen ist jenes nach Olsen. Grad I bedeutet hier  frühe  Keratosen,  rote,  raue  Flecken   oder  flache  Plaques,  die  besser  tastbar als sichtbar sind. Grad II bezeichnet  mäßig verdickte Läsionen, die leicht zu  fühlen  und  zu  sehen  sind.  Grad  III  bezieht sich auf stark verdickte, hyperkeratotische  Veränderungen,  wobei  sich   nach  Entfernen  der  Hornauflagerungen ein erosiver Untergrund darstellt. Histologisch  werden   (nach   Röwert-Huber)  ebenfalls  drei  Stufen  unterschieden  je  nach  dem  Auftreten  atypischer  Keratinozyten.  Bei  AK  I  ist   das untere Drittel, bei AK II sind die unteren  zwei  Drittel  und  bei  AK  III  sämtliche Schichten des Epithels befallen.

Viele Fehleinschätzungen

Eine   Arbeitsgruppe   um   Dr.   Lutz    Schmitz  von  der  Ruhr-Universität  Bochum hat überprüft, wie gut klinische  und histologische Klassifikation aktinischer Keratosen korrelieren. Dazu wurden die Läsionen von 892 Patienten zunächst klinisch untersucht und danach  einer  Stanzbiospie  mit  histologischer   Begutachtung unterzogen. Eine Übereinstimmung zwischen klinischem und histologischem Grad bestand in 53,8 %  der Fälle, in 46,2 % gab es Differenzen.  Bei den Übereinstimmungen handelte  es  sich  in  14,0 % klinisch  und histologisch um den Grad I, in 83,1  % um Grad  II und in 2,9 % um Grad III. Die Differenzen  bestanden  zu  62,4  %  in  klinischer   Unterklassifikation der histologische  Grad war höher als klinisch angenommen  und in 37,6 % in klinischer Überklassifikation.

„Die  Ergebnisse  dieser  Untersuchung  zeigen,  dass  es  nicht  möglich  ist,  von  der  klinischen  Klassifikation   auf die zugrunde liegende Histologie  zu schließen“, schreiben Schmitz und  Kollegen. Es seien daher alle Läsionen  ausnahmslos  wie  eine  Feldkanzerisierung  zu  behandeln.  Da  die  Histologie  nicht  verlässlich  einzuschätzen  sei,  könne  man auch  nicht  vorhersagen,  welche  Läsionen  schließlich  zu  einem  invasiven  Plattenepithelkarzinom  mit  Metastasierungspotenzial  fortschreiten. 

Quelle: Robert  Bublak,  SpringerMedizin.de , basierend  auf: Schmitz P et al.  Actinic keratosis: correlation between clinical and histological classification systems.  J Eur Acad Dermatol  Venereol 2016, online 8. März; doi: 10.1111/ jdv.13626

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