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Dermatologie 18. Mai 2016

Kollektive Intelligenz zur Optimierung der Diagnostik

Vor allem der „helle Hautkrebs“ wird an der Medizinischen Universität Graz intensiv beforscht. Neue Methoden zur Erhöhung der Diagnosegenauigkeit stehen dabei im Fokus der Grazer Forscher, die zukünftig die  kollektive Intelligenz von Experten bündeln möchten. 

Die   Neuerkrankungsrate   bei    Hautkrebs  steigt  weltweit  an,  wobei  in  Österreich  jährlich  etwa  zwölf  von  100.000 Personen an einem Melanom  erkranken.  An  Basaliom  und  Platten­epithelkarzinom   erkranken   jährlich  etwa 400 von 100.000 Personen. „Wäh­rend das Melanom, wenn es nicht früh­ zeitig erkannt und behandelt wird, Metastasen  entwickeln  kann, kommt  es beim hellen  Hautkrebs  kaum  zu  einer   Metastasenbildung.  Dennoch  ist  die   frühe Diagnose von hellem Hautkrebs  genauso  wichtig,  da  dieser  ins  Gewebe  einwachsen  und  somit  wichtige anatomische  Strukturen  wie  zum  Bei­ spiel  das  Auge,  die  Nase  oder  Ohren zerstören  kann  “, erklärte  Priv.­Doz. Dr. Iris Zalaudek von der Universitätsklinik  für Dermatologie und Venerologie der Med Uni Graz.  

Die  richtige  Diagnose  von  Hautkrebs   kann  aber  schwierig  sein,  vor  allem   weil  eine  Vielzahl  von  gutartigen  an­deren  Hauttumoren  oder  entzündli­chen Hautläsionen bei der Differential­ diagnose berücksichtigt werden muss.  

Zusammen  mit  einem  internationa­len  Forschungsteam  beschäftigte  sich  Zalaudek daher mit der Entwicklung ei­ner Methode, um die Diagnosegenau­igkeit von Hautkrebs zu erhöhen.

Gebündelte Expertise

Ausschlaggebend  für  die  Einteilung   der  Hautkrebsarten  sind  die  Zellen,   aus  denen  sich  die  Tumoren  entwi­ckeln.  „Die  unterschiedlichen  Formen  von  Hautkrebs,  darunter  auch seltene  Formen,  erschweren  Medizinern  und   Medizinerinnen oftmals die eindeutige  Diagnose“,  so  Zalaudek.  Als  mögliche   Risikofaktoren  für  Hautkrebserkran­kungen sind vor allem erhöhte UV ­Belastungen  sowie  genetische  Faktoren   bekannt.  Zwar  sind  meist  Personen ab dem Alter von 60 Jahren betroffen,  Hautkrebs  kann  aber  auch  wesentlich   früher  entstehen,  weshalb  regelmäßi­ge  Vorsorgeuntersuchungen  ab  dem   35. Lebensjahr unerlässlich sind.

» Die Studienergebnisse zeigen,  dass mit steigender Gruppengröße  die Anzahl der Fehleinschätzungen  sinkt.

Als  Methode  zur  Steigerung  der  Dia­gnosegenauigkeit  wurde  im  Rahmen   der  wissenschaftlichen  Studie  an  der   Med Uni  Graz  die  „Kollektive  Intelli­genz“  herangezogen.  Das  auch  als  Gruppen ­ oder Schwarmintelligenz be kannte Phänomen filtert aus verschie denen  individuellen  Handlungen  und   Entscheidungen  eine  einzige,  für  die  Gruppe ideale, Lösung.

Die Zukunft liegt  in der Telemedizin

Im  Rahmen  einer  Studie  wurden  zwei  große, voneinander unabhängige, Da­tensätze herangezogen. „Der erste Da­tensatz  bestand  aus  den  Ergebnissen   von  40  erfahrenen  Dermatologen,  die   unbeeinflusst 180 Bilder von Hautläsi­onen  auswerteten.  Der  zweite  Daten­satz bestand aus den Ergebnissen von  82  medizinischen  Fachpersonen  mit   unterschiedlichem  Grad  an  dermatologischer  Erfahrung,  wobei  jede  und   jeder  Einzelne  ein  Minimum  von  110   Bildern  mit  Hautläsionen  beurteilte“,   erklärte Zalaudek.  

Die  Bewertung  der  Hautläsionsbil­der,  die  hochauflösend  und  mit  entsprechenden  histopathologischen  In­formationen  bereitgestellt  wurden,   erfolgte  über  das  Internet.  Insgesamt   gaben Dermatologen und das medizi­nische Fachpersonal 16.029 Bewertun­gen von Hautläsionen ab. Die Entschei­dungen  des  medizinischen  Personals   wurden im Anschluss überprüft.  

Die Studienergebnisse zeigen, dass  mit steigender Gruppengröße auch die Genauigkeit  der  Diagnose  zunimmt.   Gleichzeitig  konnte  auch  die  Anzahl   an  Fehlentscheidungen  deutlich  reduziert werden. Somit könnte die kol­lektive Intelligenz auch in Zukunft ein zielführender  Ansatz  sein,  um  die  Di­agnosegenauigkeit  bei  Hautkrebs  zu   erhöhen und die Mortalität zu senken.  (Im  Regelfall  holen  Patienten  nur  ein   bis zwei fachärztliche Meinungen ein.) Das Wissen,  dass  eine  Gruppe  von  Experten  eine  bessere  Diagnose  als   der  einzelne  Arzt  stellt,  kann  neue   Wege  im  Bereich  der  telemedizini­schen Diagnostik aufzeigen. So könn­ten  in  Zukunft  Bilder  an  eine  Expertengruppe geschickt werden, die eine kollektive  Diagnose  stellt. „Dieser  An­satz  beschränkt  sich  nicht  nur  auf  die Dermatologie,  sondern  kann  auch  in  der Radiologie und bei anderen diag­nostischen bis hin zu therapeutischen Verfahren  zukunftsweisend  sein“, so  Zalaudeks Ausblick. 

Quelle: Medizinische  Universität Graz

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