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Dermatologie 17. August 2005

Editorial

Ein Häferl „kuhwarme“ Milch, von der Großmutter frisch aus dem Stall gebracht, gehörte früher – das heißt noch vor 30, 40 Jahren – für viele Kinder auf dem Land zum lieb gewordenen Einschlafritual. Solange, bis das Hygienezeitalter anbrach. Ab dann musste die Milch unbedingt abgekocht werden. Der Kochgeschmack, die unappetitliche Haut – igitt, dann schon lieber die pasteurisierte Milch aus dem Supermarkt, sogar beim Urlaub auf dem Bauernhof.
Nun ist in Expertenkreisen ein vorsichtiges Umdenken im Gange. Denn die strenge Befolgung von Hygiene-Richtlinien scheint – neben unbestreitbar segensreichen Auswirkungen – auch gravierende nachteilige Folgen zu haben: Das kindliche Immunsystem ist unterfordert, „kommt auf dumme Ideen“, wie es ein Pädiater einmal formulierte, und neigt daher zu Allergien. Daher steigt auch die Häufigkeit von Neurodermitis, Tierhaarallergien etc. stetig an.
Auf dem Wörther See-Symposium 2004 trafen Anfang Juni namhafte Allergologen, Immunologen und Dermatologen in Velden zusammen, um die neuesten Erkenntnisse ihrer Fachgebiete zu diskutieren. Ein deutscher Experte geht dabei so weit, schwangeren Müttern und den Kindern zur gezielten „Keimexposition“ auf dem Bauernhof zu raten. Er empfiehlt zur Allergieprävention einen täglichen Stallbesuch von mindestens 20 Minuten, frühen Kontakt mit Tieren nach dem Motto „Wir brauchen die Katzenallergene...“ und den Genuss von unpasteurisierter Milch!

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