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Dermatologie 12. Februar 2016

„Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen!“

Die Jubiläumstagung zum 125-jährigen Bestehen der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und  Venerologie war ebenso von besonderen Momenten geprägt wie die lange Geschichte der Gesellschaft.  Em. Prof. Dr. Klaus Wolff plädierte in seinem Festvortrag dafür, weiter nach Exzellenz zu streben.

Die Österreichische Gesellschaft  für Dermatologie und Venerologie wurde 2015 125. Jahre alt. Gegründet  wurde die Gesellschaft am 18. Februar 1890 durch Moriz von Kaposi. Schon in  der Anfangszeit war die Dermatologie  in Europa beeinflusst von der engen  und befruchtenden Zusammenarbeit  zwischen Österreich und seinen Nachbarländern – die Deutsche Dermatologische Gesellschaft etwa wurde nur ein  Jahr vor der ÖGDV in Prag gegründet.

„Die Österreichische Gesellschaft  für Dermatologie und Venerologie hat sich seither zu einer traditionsreichen,  weltweit hoch geschätzten und wissenschaftlich aktiven Gesellschaft entwickelt. Sie hat derzeit 1150 Mitglieder,  die im universitären, im Spitals- und im niedergelassenen Bereich tätig sind, und ist im Jahre 2015 im Vergleich zu ihrer Gründung wesentlich breiter aufgestellt als vor 125 Jahren“, so Prof. Dr. Angelika Stary, Präsidentin der ÖGDV bei der Pressekonferenz zur Jahrestagung.

Eröffnung der Jahrestagung

Die Entwicklung der österreichischen Dermatologie hat nicht zuletzt em. Prof. Dr. Klaus Wolff, Ehrenpräsident der ÖGDV und von 1981 bis 2004 Vorstand der Wiener Universitätsklinik, enthusiastisch vorangetrieben. Nach der musikalischen Eröffnung der Jahrestagung durch Prof. Dr. Elisabeth Aberer, Dr. Willi  Brenner und Doz. Dr. Heinz Kofler hielt  Wolff einen Festvortrag zur Erfolgsgeschichte der ÖGDV.  
„Wir dürfen uns nicht auf unseren  Lorbeeren ausruhen“, so Wolff an seinem 80. Geburtstag. Er wünschte sich  von den österreichischen Dermatologen Vorwärtsstrategien in allen Belangen: „Wir müssen weiter nach Exzellenz  streben. Wir müssen unsere Rolle als Ärzte nicht minimieren, sondern stärken – nur das überzeugt die Kollegen der anderen Disziplinen, die Öffentlichkeit und die Politik.“ Wolff plädierte für ein offensives Bekämpfen einer Einengung des Faches, die von anderen Disziplinen wie der Rheumatologie, Onkologie und Hämatologie angestrebt werden könnte.  
„Die Erosion von innen müssen wir bekämpfen indem wir die legitimen Ansprüche der ästhetischen Medizin nicht  überwuchern lassen. Wir müssen ein  klinisches Fach bleiben“, forderte Wolff. Abschließend erklärte er, wo er jetzt die Dermatologie in der Pflicht sieht: „Unsere große Aufgabe sind chronische Erkrankungen, die die Lebensqualität der Menschen beeinträchtigen.“ Steven Katz, MD, PhD, Träger der Goldmedaille der ÖGDV und Direktor  des National Institute of Arthritis and  Musculoskeletal and Skin Diseases (USA),  ließ im Anschluss an Wolffs Vortrag die 125 Jahre der Österreichischen Dermatologie und Venerologie aus amerikanischer Perspektive Revue passieren.

Forschung in Österreich

„Die dermatologische Forschung in Österreich ist international höchst konkurrenzfähig“, so Prof. Dr. Erwin Tschachler  von der Forschungsabteilung für Biologie und Pathobiologie der Haut, Universitätsklinik Wien, auf der Pressekonferenz zur ÖGDV. Das Spektrum der  Hautforschung in Österreich würde  sich von der Identifizierung neuer Zielstrukturen zu Behandlung der Psoriasis über die Entwicklung eines Breitspektrum Impfstoffes gegen humane Papillomviren bis zur Möglichkeit auch eine Impfung gegen Chlamydien zu entwickeln und bis hin zu neuen Erkenntnissen über die Pathogenese der Neurodermitis erstrecken, erklärte Tschachler und nannte einige Beispiele: „Frau Dr.  Kopp und Mitarbeiter der Universitätsklinik für Dermatologie der MUW haben eine neue Zielstruktur für die Behandlung der Schuppenflechte identifiziert. Wie sie im renommierten Journal Nature veröffentlichten, gelingt es durch  die Gabe von Antikörpern gegen Interleukin 23p19 Patienten mit Schuppenflechte erfolgreich zu behandeln.“ Diese Ergebnisse würden eine wichtige Erweiterung der Therapieoptionen liefern.
Tschachler weiter: „Die Infektion mit  Chlamydia trachomatis  ist eine häufige Ursache für Entzündungen im Genitalbereich und eine mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit. Während seines Aufenthaltes in Harvard ist es Dr. Georg  Stary und Mitarbeitern erstmals gelungen im Mausmodell eine schützende Immunantwort gegen diesen Erreger  zu erzielen.“ Eine Arbeit, die den Weg für die Entwicklung eines Impfstoffes ebnet. Danach erwähnte Tschachler Dr.  Reinhard Kirnbauer, der wesentlich an der Entwicklung des Impfstoffes gegen humane Papillomviren beteiligt war.  „Jetzt hat er mit seiner Arbeitsgruppe an der Universitätsklinik für Dermatologie der MUW ein Breitspektrum Vakzine gegen humane Papillomviren  entwickelt, das sowohl gegen genitale  Papillomviren schützt, als auch gegen  solche, die Tumoren an der Haut verursachen.“  

Zuletzt sprach Tschachler über die  Fortschritte bei der Behandlung der atopischen Dermatitis, die immerhin  mittlerweile bis zu 15 % aller Kinder betrifft: „Ein Wegbereiter für die Entstehung dieser Krankheit sind Mutationen im Filaggrin Gen, welches ein Protein produziert, das nur in der Haut vorkommt.“ Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Matthias Schmuth konnte zeigen, dass Mutationen im Filaggrin auch dazu führen, dass die Epithelzellen der  Haut entzündungsfördernde Substanzen produzieren.

Ein großer Erfolg

Wie Stary und Dr. Claudia Heller-Vitouch, Generalsekretärin der ÖGDV,  in ihrem auf der Website der ÖGDV veröffentlichten Bericht zur Jahrestagung vermerken, nahmen 745 registrierte Teilnehmer aus 16 Ländern  an dieser bisher bestbesuchten Jahrestagung teil. Sie verweisen auch auf  den Mitgliederbereich der Website, wo erstmals die Vorträge der Jahrestagung als Webcasting zur Verfügung stehen.  

Quellen: Pressekonferenz anlässlich des  125-jährigen Bestehens der ÖGDV  (25. 11. 2015, Wien)  Jahrestagung der  ÖGDV (4. bis 6. Dezember 2015, Wien)  und Website der  ÖGDV

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