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Dermatologie 26. Jänner 2006

Sonnenpflege aus pharmazeutischer Sicht

Hautkrebserkrankungen nehmen jährlich zu, vor allem bei jüngeren Menschen zwischen 35 und 40 Jahren. Jedes Jahr erkranken 1.500 bis 2.000 Menschen in Österreich an einem bösartigen Hauttumor (Melanom), 300 bis 400 sterben daran. Die Sonne spielt eine wesentliche Rolle in der Entstehung von Melanomen. Bei einem Sonnenbrand werden die oberflächlichen Hautzellen zerstört. Jene, die nicht absterben, erhalten einen Defekt an ihrem genetischen Material. Dieser Defekt kann durch körpereigene Enzyme bis zu einem gewissen Grad wieder repariert werden. Je schwerer der Schaden, desto mehr Defekte bleiben zurück. Auch die Zahl der Muttermale ist ein Risikofaktor, Betroffene sollten sich regelmäßig einer dermatologischen Untersuchung unterziehen.
Sonnenschutz ist notwendig, um die Haut nicht nur vor Sonnenbrand, sondern auch vor vorzeitiger Alterung und Hautkrebs zu schützen (Kasten 1). Die verschiedenen Wellenlängenbereiche des Sonnenlichtes haben unterschiedliche Wirkungen. Während sichtbares Licht kaum zu Hautschäden führt, ist die Ultraviolett-B-Strahlung (UVB) für die Vitamin-D-Bildung, verzögerte Hautpigmentierung, aber auch für die Entstehung von Hautkrebs verantwortlich. Bei zu starker Exposition kommt es zu Sonnenbrand.
Die Ultraviolett-A-Strahlung (UVA) führt zur sofortigen und auch verzögerten Pigmentierung (Bräunung). UVA dringt tiefer in die Haut ein und trägt eine entscheidende Verantwortung für die vorzeitige Lichtalterung (Faltenbildung, etc.) und in hohen Dosen auch für die Entstehung von Hautkrebs. Übrigens kommen in den Solarien UVA-Strahler zum Einsatz. Folgen einer Infrarot-Strahlung (IR) können im Zuge der Wärmeenergie die Erweiterung der Blutgefäße und bei zu starker Aussetzung auch Sonnenstich oder Hitzeschlag sein. UVC-Strahlung kommt an der Erdoberfläche so gut wie nicht vor, da sie von der Erdatmosphäre herausgefiltert wird.

Vier Hauttypen

Wie viel Sonne die Haut verträgt, lässt sich nicht allgemein ausdrücken, da dies von vielen Faktoren wie Hauttyp, Hautfarbe, Stärke und Länge der Sonnenbestrahlung und von der Körperstelle abhängig ist. Bei der hellhäutigen Bevölkerung unterscheidet man vier Hauttypen. Die Zeit, nach der die ungeschützte Haut bei Sonnenbestrahlung mit einem Sonnenbrand reagiert, nennt man Eigenschutzzeit.

  • Hauttyp I: rotblondes Haar, helle Augen, sehr heller Teint, viele Sommersprossen, wird nie braun; Eigenschutzzeit: drei bis zehn Minuten
  • Hauttyp II: blondes Haar, helle Augen, heller Teint, oft Sommersprossen, wird wenig braun; Eigenschutzzeit: zehn bis 20 Minuten
  • Hauttyp III: braunes Haar, helle oder dunkle Augen, wird gut braun; Eigenschutzzeit: 20 bis 30 Minuten
  • Hauttyp IV: dunkelbraunes oder schwarzes Haar, dunkler Teint, dunkle Augen, wird immer braun; Eigenschutzzeit: zirka 45 Minuten.

Eigenschutz verlängern

Wer sich zum Sonnenbaden nicht komplett einhüllen will, kann mit Sonnenschutzmitteln die Eigenschutzzeit der Haut verlängern. Diese enthalten entweder chemische Filtersubstanzen, die Licht bestimmter Wellenlängen absorbieren, oder Mikropigmente. Das sind fein verteilte mineralische Deckpigmente wie zum Beispiel Titanoxid oder Zinkoxid, die die Strahlen durch Reflexion und Streuung „zurückwerfen“.
Die Schutzstärke eines Sonnenschutzmittels wird als dessen Lichtschutzfaktor (LSF) angegeben. Der LSF gibt dabei an, wie viel länger man sich in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, im Vergleich zu der Eigenschutzzeit der Haut ohne Sonnenschutzmittel. Beträgt die Eigenschutzzeit der Haut zum Beispiel 15 Minuten, erhöht ein Sonnenschutzmittel mit dem LSF 4 die Frist bis zum Sonnenbrand auf das Vierfache, also auf 60 Minuten.

Sonnenallergien

Unter dem Begriff Sonnenallergien werden verschiedene Erkrankungen zusammengefasst:

  • Photoallergische Reaktionen: Hautveränderungen, die durch das Zusammenwirken von UV-A-Strahlen mit Medikamenten, Pflanzen sowie Parfums aufgrund immunologischer Vorgänge entstehen können. Hautrötungen, starker Juckreiz, Bläschen, schuppige Haut;
  • Phototoxische Reaktionen: wie photoallergische Reaktionen, jedoch beruhen die Ursachen auf einer direkten Wechselwirkung einer chemischen Substanz zusammen mit UV-A-Licht und körpereigenem Gewebe. Hautrötungen, Schwellungen, Blasenbildung, Gewebezerstörung;
  • Polymorphe Lichtdermatosen: häufigste Form, vor allem an Hautpartien, die noch nicht an die Sonne gewöhnt sind (Decolleté, Schultern, Oberarme, Nacken). Die genauen Ursachen sind noch nicht bekannt, doch geht man davon aus, dass es sich bei dieser Form um eine allergische Reaktion handelt. Als Auslöser wird die UV-A-Strahlung angenommen. Meist sind junge Frauen davon betroffen. Kleine, juckende Pickel und Bläschen auf der Haut;
  • Mallorca-Akne: entsteht durch ein unglückliches Zusammenspiel von UV-Strahlen der Sonne mit manchen Inhaltsstoffen der Sonnenschutzmittel sowie der körpereigenen Talgproduktion. Vor allem die in Cremen und Salben enthaltenen Emulgatoren fördern die Entzündungen, besonders im Bereich der Haarfollikel. Aufgrund einer über die Jahre verbesserten Galenik stehen in diesem Fall emulgatorfreie Gele zur Verfügung.

Auch auf emulgatorfreie Hautschutzsalben und After-Sun-Produkte ist zu achten!

Vorkehrungen vor Reisen

Urlaubsreisen, vor allem mit Kleinkindern, müssen gut geplant und richtig vorbereitet werden. Je kleiner die Kinder sind, umso mehr muss in der Planung auf sie Rücksicht genommen werden. Diese Notwendigkeit beruht sowohl auf der noch geringen Belastungsfähigkeit des kindlichen Organismus als auch auf den hygienischen und medizinischen Gegebenheiten im jeweiligen Urlaubsland. Besonders in exotischen Ländern sind die Voraussetzungen vor Ort nicht immer gegeben. Ihre Apotheke kann Ihnen einen individuell angefertigten Reiseplan zusammenstellen, in dem viele Parameter, wie Urlaubsart (geführter Tourismus, Individualtourismus, etc.), Urlaubsdauer, Anzahl der Personen nach Alter, Gewicht, etc. gegliedert, Reiseapotheke (Kasten 2) und Informationen über das Reiseland enthalten sind.

*Mag. Alexander Ehrmann, Apotheke zum Weinberg, Grinzingerstraße 83, 1190 Wien.

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