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Dermatologie 17. August 2005

Neuer Duftstoffmix erleichtert Allergie-Diagnose

Das Überangebot von Duftstoffen in allen Bereichen des Lebens macht Duftallergikern das Leben schwer. Dazu kommen die schwierige Diagnostik und die kaum durchführbare Duftrestriktion. Aktuelle Entwicklungen könnten hier Abhilfe schaffen: Ein Update des Larsen-Tests vereinfacht die Diagnose, und die EU verlangt die deutliche Deklaration von 26 bedenklichen Inhaltsstoffen. Duftstoffe können nicht nur mit der Nasenschleimhaut interagieren. Bei Unverträglichkeitsreaktionen hinterlassen sie ihre Spuren auch an anderen Organen.

ATOPIKER häufig BETROFFEN

Bedenkt man die Vielfältigkeit der vorwiegend synthetischen Duftstoffe, die uns täglich erreicht, so hält sich die Häufigkeit der Unverträglichkeitsreaktionen in maßvollen Grenzen. Absolut gesehen, ist sie allerdings beachtlich, betont der Dortmunder Dermatologe Prof. Dr. Peter Frosch von der Universität Witten, der sich seit zehn Jahren intensiv mit Duftstoffallergien befasst: „Laut einer deutschen Studie mit rund 58.000 Patienten korreliert das Risiko für die Entwicklung einer Duftstoffallergie mit der Zunahme von Lebensjahren. Die Prävalenz liegt bei unter 30-Jährigen bei einem Prozent und verdoppelt sich bei den über 58-Jährigen.“
Natürlich liegt der Anteil der Atopiker oberhalb des Durchschnitts. Auch Frauen sind überrepräsentiert, wahrscheinlich aufgrund des intensiveren Gebrauchs von parfümierten Kosmetika. Natürlich finden sich jene Berufe in den höheren Risikoklassen, die fortwährend mit Duftstoffen zu tun haben (Friseure, Masseure etc.). Überraschender ist die Dominanz der Metallarbeiter. Frosch: „Die Arbeiter kommen regelmäßig mit Kühlschmierstoffen in Berührung. Diese werden wegen des strengen Geruches mit hohen Duftstoffdosen versetzt.“
Unverträglichkeitsreaktionen auf Duftstoffe äußern sich in erster Linie als allergische Kontaktdermatitis und fallen unter die Kategorie Typ-IV-Reaktion. Die häufigsten Reaktionen finden sich in der Achselhöhle, an den Beinen und im Gesicht. Durchaus nicht selten sind Sofortreaktionen (Kontakturtikaria, Asthma) und Photosensibilität, zudem können chronisch respiratorische Erkrankungen verstärkt werden.

KNIFFLIGE DIAGNOSTIK

Die Diagnostik von Duftstoffallergien erweist sich als schwierig, da etwa Parfums viele Stoffe mit unterschiedlichem Sensibilisierungspotenzial enthalten, die erst begrenzt für die Epikutantestung zur Verfügung stehen. Zudem bestehen Rezepturen für Kosmetika aus mehreren hundert Einzelsubstanzen. Daher entwickelte Larsen bereits 1977 einen Duftstoffmix, der sieben Reinsubstanzen und ein Pflanzenextrakt enthielt: Zimtalkohol, Zimtaldehyd, Isoeugenol, Eugenol, Hydroxycitronellal, Geraniol, Alpha-Amyl-Zimtaldehyd und Eichenmoos.
In den letzten 20 Jahren wurde bei Epikutan getesteten Patienten eine Zunahme positiver Reaktionen auf den Duftstoffmix festgestellt. In Studien zeigten 5,5 bis 11,4 Prozent aller getesteten Patienten Spättypreaktionen auf den Mix. Dann bewies eine weltweite Multicenterstudie, dass die Sensitivität als Marker für Parfumallergie abgenommen hatte und lediglich 60 bis 70 Prozent aller Duftstoffallergiker erfasst wurden: „Es findet sich daher selten ein echter Bezug zur Anamnese. Keineswegs überraschend, schließlich hat sich seit der Entwicklung der Larsen’schen Epikutantestung das Spektrum der eingesetzten Substanzen stark erweitert und gewandelt“, erklärte Frosch.

NEUER DUFTSTOFFMIX ALS MARKER

Demzufolge suchte das European Fragrance Research Team nach weiteren Markern einer allfälligen Duftstoffallergie. In drei multizentrischen Studien an sechs dermatologischen Kliniken und mithilfe renommierter Chemie-Institute wurde eine breite Auswahl duftstoffhaltiger Produkte analysiert. Frosch: „Wir identifizierten viele Substanzen, die wir bislang gar nicht kannten, während sich die alten Ingredienzien längst nicht mehr im Sortiment der Hersteller befanden.“ Als Resultat entstand ein neuer Duftstoffmix: Der Fragrance Mix II (FM II) mit sechs Inhaltsstoffen (Lyral, Citral, Farnesol, Citronellol, AHCA, Cumarin). Bei der Aufschlüsselung ist Lyral am häufigsten positiv, gefolgt von Citral und Farnesol. Zudem ist der FM II viel seltener „falsch positiv“ als sein Vorgänger.
Nach der Diagnose Duftstoffallergie konnten Ärzte den Patienten bisher nur unbefriedigende Antworten geben. Der Rat, duftstoffhaltige Produkte zu meiden, ist in unserer Zeit ein schier aussichtsloses Unterfangen. Nun sieht Frosch in dieser Hinsicht Licht am Horizont, denn die EU strebt ab März 2005 eine Deklaration von 26 als bedenklich eingestuften Duftinhaltsstoffen an. Dies ermöglicht zukünftig eine gezielte Beratung von Allergikern.

Quelle: Wörther See-Symposium der
Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie
und Venerologie, Arbeitsgruppe Allergologie und der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, Juni 2004.

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