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Dermatologie 26. Jänner 2006

Maßnahmen gegen „Kupfer- oder Rotfinnen“

In den meisten Fällen verläuft die Rosazea zwar chronisch und in Schüben, bleibt dabei aber doch relativ harmlos. Klinisch präsentiert sie sich in verschiedenen Stadien – vom leichten Erythem bis zum ausgeprägten Rhinophym mit okkulärer Beteiligung (Erblindungsgefahr!). Therapeutische Maßnahmen sind kurzfristig durchaus erfolgreich, langfristig jedoch oft frustran. Der Begriff Rosazea leitet sich vom lateinischen rosaceus (rosafarben) ab und steht für die alte deutsche Bezeichnung „Kupfer- oder Rotfinnen“. Die Rosazea erinnert klinisch-morphologisch an Akne oder Talgdrüsenerkrankungen. Sie ist jedoch primär nicht an Follikel gebunden und entwickelt sich ohne Komedonen. Der inflammatorische Prozess im Korium einschließlich der Kapillaren involviert später den Haar-Talgdrüsenapparat. Rosazea-Patienten sind im Durchschnitt älter als Akne-Patienten. Hauptmanifestationszeit ist das dritte bis fünfte Dezennium mit einem Überwiegen des weiblichen Geschlechtes.

Vielfältige Klinik

Erste Symptome, wie zum Beispiel persistierende Erytheme und wenige Papeln können bereits um das 20. Lebensjahr in Erscheinung treten (Abb. 1). Der weitere Krankheitsverlauf gestaltet sich phasenförmig mit unterschiedlich stark ausgeprägtem zentrofazialem teleangiektatischem Erythem (Rosazea erythematosa). Auf rötlich-livider Erythembasis entwickeln sich über Tage oder Wochen bestehende Papeln zum Krankheitsbild einer Rosazea papulosa (Abb. 2). Vereinzelte oder gruppierte Papeln können sich pustulös umwandeln (Rosazea papulopustulosa). Die Schübe heilen jeweils narbenlos ab. In den entzündlichen Vorgang sind sowohl Talgdrüsen- als auch Vellushaarfollikel einbezogen. Der komedonenfreie Inhalt der Papulopusteln ist meist nicht mit einer pathogenen Flora besiedelt. Das feingewebliche Substrat ist gekennzeichnet durch dilatierte Kapillaren mit perivaskulärem Rundzellinfiltrat, follikulären Papeln und Pusteln, manchmal begleitet von einer Spongiose der Follikelinfundibula.
Schwere Krankheitsverläufe entwickeln sich vor allem in der Gesichtsmitte (Stirn, Wangen, Nase, Kinn) unter dem Bild großflächiger inflammatorischer Plaques und knotiger Infiltrate. Die glandulär-hyperplastische Variante mit Bindegewebsvermehrung und Talgdrüsenhypertrophie bildet die Ausgangsphase für das Rhinophym (Abb. 3). Die Haut verändert sich großporig, entzündlich verdickt und Ödem-ähnlich (Fibrose) mit bis zu kleinfingerdicken Wulstbildungen. In einigen Fällen geht die Rosazea einher mit einer Konjunktivitis, Blepharitis, Iritis, Iridozyklitis und/oder Keratitis, verbunden mit UV-Empfindlichkeit, Lichtscheu und Schmerzen. Es besteht Erblindungsgefahr.

Schwierige Therapie

Die häufig pigmentarme, lichtempfindliche und durch physikalisch-chemische Einwirkungen leicht irritable Haut erschwert sowohl externe als auch interne therapeutische Maßnahmen.

• Eingeschränkte Behandlungsoptionen:
Die in früheren Jahren häufig zur topischen Anwendung verordneten Externa wie kolloidaler Schwefel, Natriumbituminosulfonat, Salizylsäure, Hexachlorophen, Isopropanol oder Antibiotika (Chloramphenicol, Erythromycin, Tetracyclin) waren in den meisten Fällen wenig erfolgversprechend sowie mit zusätzlichem Irritationspotenzial behaftet. Glukokortikosteroide sind kontraindiziert, da sie Komplikationen im Sinne einer perioralen Dermatitis, Steroidrosazea oder Hautatrophie verursachen können. Die Gabe oraler Tetracycline ist mit der Gefahr einer gesteigerten Lichtreaktion und kosmetisch störender Pigmenteinlagerungen verbunden. Systemisch anwendbare aromatische Retinoide (Etretinat, Isotretinoin) sind zwar sehr wirksame Rosazeatherapeutika, aufgrund der Risiken jedoch nur begrenzt einsetzbar. Die Skala möglicher Nebenwirkungen reicht weit: Teratogenität, Stoffwechselstörungen, telogenes Effluvium, psoriasiforme Exantheme, follikuläre Pusteln, Paronychie, Cheilitis, Exsikkation, generalisierter Pruritus.

• Hautpflege/Prophylaxe:
Bei leichter Symptomausprägung oder während erscheinungsfreier Intervalle sind rein pflegerische und prophylaktische Maßnahmen ausreichend, zum Beispiel leicht rückfettende Seifen, Lichtschutzmittel, die als Filter Zink- oder Titanoxid-Nanopartikel enthalten, beziehungsweise vor UV-A, UV-B und Infrarot schützende Cremes mit Lichtschutzfaktoren über 15. Bewährt hat sich eine Gesichtsmassage, bei der morgens und abends mit kreisenden Bewegungen unter leichtem Druck Stirn, Wangen und Nase bearbeitet werden. Umschläge oder Reinigung mit abgekochtem Schwarztee verhindern eine Zunahme entzündlicher Reaktionen. Laser-Behandlungen (Argon-, gepulster Farbstoff-Laser) störender Teleangiektasien sind erfolgversprechend, die behandelten Areale neigen aber zu Rezidiven. Ein- bis zweiprozentige Metronidazol-haltige Zubereitungen oder Ciclopiroxolamin-Cremes verhindern eine Keimbesiedlung.

• Minocyclin:
Papulopustulöse Erscheinungen und Erytheme sprechen hervorragend auf orales Minocyclin-HCl an. Eine Niedrigdosis von 3 x 50 mg über einen Zeitraum von vier Tagen, anschließend 1 x 50 mg täglich zwei bis vier Wochen lang beziehungsweise weitere Reduktion auf 50 mg jeden zweiten Tag, ist in fast allen Fällen ausreichend wirksam. Das lipophile und immunmodulierende Minocyclin ist in dieser geringen Dosierung äußerst selten phototoxisch oder pigmentierungsauslösend. Die Substanz ist während der Schwangerschaft sowie bei schweren Organ- und Stoffwechselstörungen kontraindiziert. Makrolidantibiotika (Erythromycin, Roxithromycin, Clarithromycin) sind zwar wirksam, für die Rosazeatherapie aber nicht zugelassen. Extern anzuwendendes Isotretinoin besitzt stark antiinflammatorische Eigenschaften vor allem gegen Papulopusteln. Nach längerer, eventuell intermittierender (jeden zweiten Tag) abendlicher Anwendung lässt der nicht selten leicht hautirritierende Effekt meist nach.

Dr. Hans Schulz, hautnah 3/2004

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