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Dermatologie 17. August 2005

Sonnenschäden effektiv vorbeugen und behandeln

Im Zentrum des richtigen Umganges mit den Freuden und Gefahren der Sonne sollte eine maßvolle UV-Exposition stehen. Einfache Verhaltensregeln dazu sind das Meiden der Mittagssonne, das Tragen von Sonnenhut und eventuell T-Shirt, etc. Zur weiteren Reduktion schädlicher UV-Strahlen empfiehlt sich die Anwendung von Lichtschutzmitteln. Neben herkömmlichen prophylaktisch wirkenden Produkten werden neuerdings auch therapeutisch wirkende Präparate mit DNA-Reparaturenzymen angeboten. Prof. Dr. Peter Wolf, Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Graz, skizziert im Gespräch mit ÄRZTE WOCHE-HAUTNAH den aktuellen Wissensstand über effektive Präventionsmaßnahmen gegen Hautkrebs und Hautalterung.

Welche Auswirkungen hat die Sonne auf die Haut?
WOLF: Die Rolle der UV-Strahlung als ursächliche Noxe bei der Entstehung von Hautkrebs, insbesondere bei Basaliomen und Plattenepithelkarzinomen, ist unbestritten. Beim Melanom deutet vieles darauf hin, dass UV-Strahlung ebenso eine wesentliche Rolle spielen könnte. Die Zusammenhänge sind jedoch noch nicht im Detail genau aufgeklärt. Darüber hinaus haben Studien der letzten zwei Jahrzehnte eindeutig ergeben, dass UV-Strahlung vor allem das Immunsystem des Körpers negativ beeinflusst. UV-Strahlung ist immunsuppressiv und scheint so zur Hautkrebsentstehung wesentlich beizutragen.

Gibt es überhaupt eine „gesunde Bräunung“ oder ist jede Bräunung schlecht?
WOLF: Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, weil für die Wirkung der UV-Strahlen, was Hautkrebs und die Schädigung des Immunsystems betrifft, keine sicheren Schwellendosen bekannt sind. Das heißt, man kann nicht angeben, bis zu welcher Dosis, bis zu welcher Frequenz oder Anzahl von UV-Expositionen pro Jahr eine Bräunung absolut sicher ist. Bei den chronischen Hautschäden, die letztendlich bei der Entstehung von Hautkrebs, und hier wieder dem Basaliom und dem Plattenepithelkarzinom, von entscheidender Bedeutung sind, dürften sich die Einzeldosen der lebenslangen UV-Expositionen einfach aufsummieren. Jede Dosis fließt ins Kalkül mit ein.

Was ist gefährlicher: ein starker Sonnenbrand, saisonale Bräunung durch regelmäßige Sonnenexposition im Sommerurlaub oder ständige Bräune durch Sonne beziehungsweise Solarium?
WOLF: Auch diese schwierige Frage lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht eindeutig beantworten. Einerseits ist bekannt, dass vor allem eine starke intermittierende Sonnenexposition, sprich im Urlaub, mit Sonnenbrandreaktionen, vor allem in jungen Jahren, speziell in der Kindheit, das Risiko für ein Melanom zu erhöhen scheint. Andererseits weisen einige Daten darauf hin, dass eine Bräunung ohne Sonnenbrandreaktionen vielleicht eine gewisse Schutzwirkung vor einer Melanombildung aufweisen könnte. Dem ist wiederum entgegen zu halten, dass jede Bräunung an sich schon mit einem UV-Schaden verbunden ist. Und letztendlich wird das Risiko für andere Formen von Hautkrebs, wie Basaliomen und Plattenepithelkarzinomen, und Hautalterung erhöht. Das heißt, zum derzeitigen Zeitpunkt lässt sich aus den vorhandenen Daten nicht ableiten, dass eine sichere Bräunung möglich ist.

In jüngster Zeit mehren sich die Hinweise, dass nicht nur UVB- sondern auch UVA-Strahlen negative Auswirkungen haben können. Was ist Ihre Meinung?
Ja, das ist richtig. Die UVA-Strahlung wird bereits seit 1992 von der International Agency for Cancer Research als Klasse 2A Karzinogen klassifiziert. Unter anderem haben mehrere Studien ergeben, dass häufige Solariumsbesuche das Melanomrisiko erhöhen können. Die Tatsache, dass in modernen Solarien vorwiegend UVA-Strahlung zur Anwendung kommt, unterstreicht die Notwendigkeit eines ausgewogenen UVA-Breitband-Schutzes bei Lichtschutzpräparaten. Auch sind Erkenntnisse, dass negative Effekte bereits unter der Sonnenbrandschwelle auftreten können, ernst zu nehmen. Hier ist vor allem die Immunsuppression anzuführen, aber auch die Hautalterung, die nicht unbedingt Dosen über der Sonnenbrandschwelle benötigt. Das Gleiche könnte auch für Hautkrebs gelten.

Welchen Einfluss haben die Gene auf die Entstehung von Hautkrebs?
WOLF: Abhängig von der Hautkrebsart haben unterschiedliche Gene doch eine wesentliche Bedeutung. Man weiß beim Melanom zum Beispiel seit langem, dass es vor allem hellhäutige Menschen betrifft, also Hauttyp I bis II, verbunden mit hellem Haar, Sommersprossen, blauen Augen. Dahinter stecken die Gene, die für diesen Hauttyp verantwortlich sind.

Sind jene Menschen gefährdeter, die leichter einen Sonnenbrand bekommen?
WOLF: Die Gene, die für die Sonnenbrandempfindlichkeit verantwortlich sind, scheinen teilweise auch für das Melanomrisiko verantwortlich zu sein. Es sind aber nicht ausschließlich diese Gene, sondern auch andere, die nicht direkt mit den Sonnenbrandgenen assoziiert sind. Es besteht also keine Deckungsgleichheit, woraus wiederum abzuleiten ist, dass Schutz vor Sonnenbrand nicht mit Schutz gegen Hautkrebs gleichzusetzen sein muss.

Mit welchen Maßnahmen soll sich der Mensch am besten vor sonneninduzierten Schäden schützen?
WOLF: Zu empfehlen ist ein vernünftiger Umgang mit der Sonne. Dies impliziert, dass man sich nicht maximal und zu exzessiv der Sonne exponiert. Dazu gehört auch die Verwendung von Sonnenschutzpräparaten, ohne diesen Schutz dazu auszunutzen, um die Sonnenexposition maximal erhöhen zu können bis zu und über die Sonnenbrandschwelle hinaus. Denn dies könnte wiederum das Hautkrebsrisiko erhöhen. Auch die Beurteilung der möglichen Gefahren durch Solarien ist extrem schwierig zu beurteilen. Einige Studien haben eindeutig gezeigt, dass Zusammenhänge zwischen der Entstehung von Hautkrebs und häufigen Besuchen von Solarien zu bestehen scheinen. Das heißt, auch hier kann aus medizinischer Sicht keine positive Empfehlung abgegeben werden.

Neuerdings mehren sich Hinweise, dass herkömmliche topische Sonnenschutzmittel nicht vor allen negativen Einflüssen der Sonnenstrahlung schützen. Bieten Sonnenschutzmittel also nur eine trügerische Sicherheit?
WOLF: Die Aussage, dass Sonnenschutzmittel nicht vor allen Effekten der UV-Strahlung schützen, ist mit Vorsicht zu genießen. Richtig ist vielmehr, dass man nicht weiß, ob sie vor allen Effekten der UV-Strahlung gleich gut schützen. Es ist zwar anzunehmen, dass Sonnenschutzmittel über den Sonnenbrand hinaus vor vielen anderen UV-Effekten schützen, aber die entscheidende Frage ist: Wie gut schützen sie davor? Der Lichtschutzfaktor wird heute – und so ist es ja auch gesetzlich vorgegeben – rein an der sonnenbrandprotektiven Wirkung des Präparates gemessen. Das sagt aber nichts über andere positive Wirkungen eines Präparates aus, also über den Schutz vor einer Schädigung des Immunsystems oder vor Hautalterung oder vor Hautkrebs. Ein Beispiel: Ein Sonnenschutzmittel mit einem Lichtschutzfaktor von 15 hat nicht automatisch einen Faktor 15 punkto Immunschutz, Hautalterung oder Hautkrebs.
Gewisse Hinweise legen nahe, dass in herkömmlichen Sonnenschutzmitteln die Schutzfaktoren für Hautkrebs oder Immunschutz unter dem Lichtschutzfaktor eines Präparates liegen können. Daraus könnte in Kombination mit einem bestimmten Verhalten des Verwenders eine Erhöhung des Gesamtrisikos resultieren, nämlich dann, wenn er die Sonnenexposition extrem erhöht.

Was ist von reparativen Präparaten mit DNA-Repairosomen zu halten?
WOLF: DNA-Repairosome stellen eine völlig neuartige Strategie dar. Es handelt sich um gentechnisch rekombinant hergestellte liposomal verkapselte DNA-Reparaturenzyme, die in der Lage sind, in die menschliche Haut einzudringen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lichtschutzpräparaten, die ihre Wirkung nur dann entfalten können, wenn sie vor der Lichtexposition angewendet werden, können die neuen Präparate auch wirksam sein, wenn sie nach Sonnenexposition zur Anwendung kommen. Harte Daten belegen, dass das Konzept der topischen DNA-Reparaturenzyme tatsächlich funktioniert. So wurde in der bis dato weltweit größten Präventions- und Therapiestudie bei Xeroderma pigmentosum gezeigt, dass die regelmäßige Anwendung einer Aftersun-Lotion mit einem bestimmten DNA-Reparaturenzym das Hautkrebsrisiko signifikant um bis zu 70 Prozent senken konnte.

Gibt es Lichtschutzpräparate mit DNA-Reparaturenzymen schon im Handel?
WOLF: Es sind bereits Produkte dieser neuen Generation im Handel erhältlich. Der Trend geht dahin, einen Aftersun-Komplex mit DNA-Reparaturenzymanteil in Kombination mit herkömmlichen UV-Filtern in Lichtschutzmittel einzubauen. Dadurch erfolgt quasi Prävention und Therapie gleichzeitig. Wesentlich dabei ist vor allem, dass die DNA-Reparaturenzyme schon sehr früh am Ort des Geschehens vorhanden sind, nämlich unmittelbar nach Verursachung eines Schadens. Denn eine Aftersun-Situation besteht ja eigentlich bereits Sekunden, nachdem die UV-Strahlen in die Haut eingedrungen sind. Das neue Konzept geht dahin, dass bereits zu diesem Zeitpunkt DNA-Reparaturenzyme in der Haut vorliegen sollen, um die körpereigenen Reparatur unterstützen zu können.

Was halten Sie von Sonnenschutzmitteln zum Schlucken?
WOLF: Der Sonnenschutz zum Schlucken wird schon lange gesucht. Es gab bereits Bestrebungen, beispielsweise Beta-Carotin als Oral-Sonnenschutz einzuführen. Dies wurde in zahlreichen Studien untersucht, die wichtigste stammt aus Australien und lief über einen Zeitraum von vier Jahren. Dabei hat sich herausgestellt, dass Beta-Carotin in der Hautkrebsprophylaxe völlig wirkungslos ist.
Inwieweit neu angebotene Präparate mit anderen antioxidativ wirkenden Substanzen tatsächlich von klinischem Nutzen sein könnten, lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sicher beurteilen, weil noch nicht ausreichend klinische Studienergebnisse vorliegen. Experimentelle Untersuchungen erbrachten viel versprechende Ergebnisse, ob sich diese tatsächlich vor allem hinsichtlich Langzeitwirkungen der UV-Strahlung eins zu eins auf den Menschen übertragen lassen, muss erst nachgewiesen werden.

Wie kann und soll der Hausarzt oder der Dermatologe in der Beratung seiner Patienten wirken?
WOLF: Der Arzt sollte einen vernünftigen Umgang mit der Sonne propagieren. Dazu gehören ganz banale Ratschläge, wie die Sonnenexpositon um die Mittagszeit, also zwischen11 und 15 bis 16 Uhr, zu reduzieren, da in dieser Tageszeit die höchsten Gefahrendosen anfallen. Dazu gehören der Sonnenschutz mit Textilien am Strand, Kopfbedeckung, Schatten aufsuchen und auch die Empfehlung, Sonnenschutzpräparate zu verwenden.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Qualität und der Preis von Sonnenschutzmitteln nicht zwingend korrelieren. Gilt dies auch für die neuen Präparate mit DNA-Repairosomen?
WOLF: Der Preis dieser neuen Präparate liegt deshalb höher, weil die dahinter steckenden Technologien sehr kostspielig und die Enzyme sehr teuer sind.

Kontaktadresse: Prof. Dr. Peter Wolf, Medizinische
Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie,
Universität Graz, Tel. 0316/385 80315,
E-Mail:

Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, hautnah 3/2004

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