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Dermatologie 26. Jänner 2006

Molekularbiologie unterstützt die Melanomdiagnostik

Die klinische Untersuchung von melanozytären Hautläsionen stellt immer eine besondere Herausforderung dar. Die Abgrenzung zwischen Nävus und Melanom ist schwierig bei kleinen Läsionen und insbesondere bei solchen, die innerhalb eines kurzen follow-up Strukturveränderungen oder Wachstum aufweisen. Durch die digitale Auflichtmikroskopie sind die Möglichkeiten zur Verlaufskontrolle von melanozytären Läsionen dramatisch verbessert worden.

Im Rahmen einer aktuellen Studie an der Universität Wien analysierten wir 49 Pigmentläsionen, die sich in der Auflichtmikroskopie in einem Kontrollintervall von im Mittel sechs Monaten in ihrer Struktur oder Größe verändert hatten und daher exzidiert und einer mikroskopischen Untersuchung zugeführt worden waren. Alle diese Läsionen waren klein (unter sechs Millimeter), klinisch war die Unterscheidung zwischen Melanom und Nävus nicht eindeutig zu treffen. Histologisch wurden 24 dieser Läsionen als Melanom klassifiziert, aber 25 von den 49 waren benigne.

Uns interessierte die Frage, ob das plötzliche rasche Wachstum von diesen benignen Läsionen mit dem spontanen Auftreten von Mutationen assoziiert wäre. Solche Mutationen kann man durch Isolation von DNA aus dem Paraffin-eingebetteten Gewebsblock durch nachfolgende Sequenzierung identifizieren. Wir haben spezifisch nach Mutationen in einem Gen gesucht, welches BRAF genannt wird.

MAP-kinAse-Aktivierung

BRAF ist eine Kinase und spielt eine wesentliche Rolle im so genannten MAP-Kinase-Aktivierungsweg. Mutationen in diesem Gen führen in Zellkultur zu einer deregulierten Kinaseaktivität und zu gesteigerter Zellteilung. Die Mutation des BRAF-Gens (BRAFV599E) ist in etwa 70 Prozent aller Melanome beschrieben worden. Wir analysierten die eingangs beschriebenen 49 Pigmentläsionen auf das Vorliegen von BRAFV599E-Mutationen. Als Kontrolle wählten wir 35 Nävi, die sich in dem gleichen Kontrollintervall nicht verändert hatten, jedoch aus anderen Gründen entfernt worden waren.

Als wesentliches Ergebnis fanden wir (unabhängig davon, ob die histologische Aufarbeitung eine maligne oder benigne Diagnose ergab), dass die Wahrscheinlichkeit, in einer rasch wachsenden Läsion eine BRAF-Mutation zu finden, 13-Mal höher war als in unveränderten Läsionen. In strukturell veränderten Läsionen war die Wahrscheinlichkeit für BRAF-Mutationen immerhin sieben Mal höher. Die klinische Bedeutung dieses Ergebnisses ist derzeit nur spekulativ zu interpretieren. Es könnte sein, dass das spontane Auftreten von BRAF-Mutationen in benignen Läsionen in den meisten Fällen durch Abwehrmechanismen des Körpers eliminiert wird. Gelingt dies nicht oder kommt es zufällig zu einer weiteren Schädigung der physiologischen Möglichkeiten zur Kontrolle von Zellwachstum, kann es zur Transformation in ein Melanom kommen. Jedenfalls bestätigt diese molekularbiologische Untersuchung, dass rasch auftretende Größen- und Strukturveränderungen in melanozytären Läsionen, auch wenn die Läsionen sehr klein sind, einen Risikofaktor darstellen und daher exzidiert werden sollten.

*) Die Studie wurde präsentiert auf der ÖGDV-Jahrestagung 2004 in Graz; Studienautoren: Robert Loewe, Harald Kittler, Gottfried Fischer, Ingrid Faé, Klaus Wolff, Peter Petzelbauer; Univ.-Klinik für Dermatologie und Klinik für Blut-Gruppen-Serologie, Universität Wien.

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