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Dermatologie 26. Jänner 2006

Erkrankungen der Ohrmuschel

Die beiden wichtigsten Entzündungsformen im Bereich der Ohrmuschel, die Perichondritis und das Erysipel, sind in ihrem Erscheinungsbild ähnlich. Eine exakte Differenzialdiagnose ist jedoch im Hinblick auf ein unterschiedliches therapeutisches Vorgehen von Bedeutung. Bei einem 22-jährigen Patienten entwickelt sich innerhalb weniger Tage eine äußerst schmerzhafte Schwellung der linken Ohrmuschel (Abb. 1). Eine fleckige Rötung mit der für eine Perichondritis typischen Aussparung knorpelfreier Regionen ist zu Beginn der Entzündung zu erkennen. Schon nach wenigen Tagen kann die Rötung und Schwellung jedoch nach unten ausweichen. Nach Abklingen der sehr schmerzhaften Entzündung sollte nach einer möglichen Eintrittspforte gesucht werden, weil von hier oft Rezidive ausgehen können.

Differenzialdiagnosen

Erysipel: Als Streptokokken- (und Staphylokokken?) Infektion tritt eine diffuse Rötung, scharf begrenzt mit typischem Randwall auf. Die Infektion geht häufig auf die Gesichtshaut über und geht mit subfebriler Temperatur einher (Abb. 2).

Lymphozytom Herxheimer: Das Borrelien-Lymphozytom tritt gehäuft bei Kindern im Kopfbereich auf. Es ist geprägt durch eine oft nur einseitige schmerzarme tiefrote Schwellung des Ohrläppchens und weist auf eine Borreliose im Stadium II hin (Abb. 3).
Otohämatom: Unbehandelt führt diese typische Verletzungsfolge zur Deformierung der Ohrmuschel („Blumenkohlohr“). Ein stumpfes Trauma mit tangentialen Scherkräften gilt als auslösender Faktor. Meist werden mit dem Othämatom auslösende Traumen bei Sportarten wie Ringen und Boxen assoziiert („Catcher-Ohr“). Nicht selten kommt es zu rezidivierend-chronischen Verläufen. Ursache kann beispielsweise stereotypes Reiben an der Ohrmuschel bei verhaltensgestörten Patienten sein. Bei chronischen Formen zeigt sich bei der Punktion oder Inzision meist seröser Inhalt (Abb. 4).

Chondrodermatitis nodularis helicis chronica: Eine besondere Stellung im Bereich der umschriebenen Entzündungen im Ohrknorpelbereich nimmt das „schmerzhafte Ohrknötchen“ ein. Die Ätiologie ist unbekannt; vermutet werden zurückliegende Erfrierungen. Auffällig sind die besonders bei Berührung äußerst schmerzhaften, grauen, knötchenförmigen Veränderungen am freien oberen Ohrmuschelrand (Abb. 5).

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Abb. 5: Chrondrodermatitis nodularis helicis chronica.

Akrozyanose: Als selten gilt eine beidseitig ausgeprägte Ohrmuschelveränderung mit oberflächlichen hämatomartigen Verfärbungen, die schmerzlos in Abständen von mehreren Monaten auftreten. Die Ursache ist hier nicht in einem Trauma oder einer Gerinnungsstörung zu suchen, sondern gehört zum Formenkreis der Akrozyanose (Abb. 6).

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Abb. 6: Akrozyanose

Fazit
Bei der spontanen Blickdiagnose hilft der Vergleich von optisch gespeicherten Stufen-Bildern mit der aktuellen Befunderhebung, seltene Krankheitsbilder oder Formvarianten von häufigen Erkrankungen, vor allem aus dem Bereich der Syndrome, zu erkennen. <

*) Dr. Dieter Leithäuser, HNO-Arzt, Zum Diemelblick 1, D-34414 Warburg;
hd 1/2004, U&V Verlag.

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