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Dermatologie 17. August 2005

Well-Aging als Devise der Zukunft

Dass verschiedene Organe unterschiedlich schnell altern, ist uns längst bewusst, doch bei kaum einem Gewebe zeigt sich die Alterung so deutlich wie bei der Haut. Doch nicht kosmetische Sorgen sollten dabei dominieren, sondern der Blick auf einen gesunden Alterungsprozess. Nichtsdestotrotz zieht der Begriff Anti-Aging auch in der Dermatologie seine Bahnen. Welche Strategien gibt es und welche Wirkung darf man sich realistischerweise erwarten?

Der Zahn der Zeit nagt ganz besonders sichtbar an der Haut – unserer Visitenkarte nach außen. Daher hat das neue Zauberwort der Medizin Anti-Aging längst auch in der Dermatologie Einzug gehalten. „Eigentlich ist dies ist ein unglücklich gewählter Ausdruck, denn gegen die Natur können wir nicht ankommen. Daher sollte eigentlich Well-Aging die Devise der Zukunft sein", betont Prof. Dr. Daisy Kopera von der Grazer Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie.„Die jugendliche Haut regeneriert sich noch erstaunlich effektiv. Innerhalb eines Monats erneuert sich die komplette Hornschicht. Erst mit zunehmendem Alter sinkt die Mitoserate. Die Geschmeidigkeit der Haut wird durch Talgdrüsen gewährleistet, doch deren Zahl nimmt im Laufe der Jahre ab. In den tiefen Schichten der jungen Haut herrscht noch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen auf- und abbauenden Enzymen. Später überwiegen die Proteinasen, die vor allem das Kollagengerüst demontieren. Daher geht im Alter die regelmäßige Anordnung der Hautzellen in der Hornschicht und infolgedessen die Elastizität verloren.“

Exogene Noxen meiden

Der Alterungsprozess der Haut wird durch zwei wesentliche Faktoren bestimmt, wobei nur einer von uns beeinflusst werden kann. So haben wir kaum Macht über unsere innere, biologische Uhr, die durch unsere Gene bestimmt wird: Dieser intrinsischen Alterung unterliegt unser gesamter Organismus. Doch sie wird durch vielfältige, äußere Umwelteinflüsse beschleunigt. Diese exogenen Noxen werden in der extrinsischen Alterung zusammengefasst. Dazu zählen Trockenheit, extreme Temperaturen, Lebensgewohnheiten und ganz besonders die UV-Strahlung des Sonnenlichtes. Daneben sind aber auch Ozon, Stickoxide und Schwefeldioxide entscheidende Komponenten. Die zellulären Mechanismen, das heißt, wie die Hautzellen im Detail auf diese Umwelteinflüsse reagieren und welche molekularen Abläufe in Gang gesetzt werden, konnten bislang nur teilweise beforscht werden. Doch an deren Ende – als wesentliche Summe der Noxen – konnte die Wissenschaft in erster Linie die Bildung freier Radikale ausmachen. Sie führen zu entzündlichen Reaktionen und letztendlich zum Zelluntergang.

Natürliche Anti-Aging- Strategien

Störungen, wie sie bei der akuten, exogenen Hautalterung auftreten (Sonnenbrand), zeichnen sich vor allem durch Wellenlängen im UVB-Bereich aus. Sie heilen nach Tagen zwar scheinbar ab, hinterlassen jedoch einen irreversiblen Kollagenverlust. Beim chronischen Photoaging hingegen sind alle UV-Anteile beteiligt und beschleunigen die natürlichen Alterungsprozesse (Elastizitätsverlust, Kollagenabbau und verminderte Kollagenneubildung) je nach Ausmaß der Exposition. Durch die Degeneration kollagener Grundstrukturen an lichtexponierten Stellen kommt es zu einer Zunahme von pathologischem, nichtfunktionellem Bindegewebe.

Die Folgen sind in der Kosmetikwelt weithin gefürchtet: Falten und Altersflecken. Kopera gibt dazu ein anschauliches Beispiel: „Dort wo die Haut zeitlebens bedeckt wird, zeigt sie sich zwar schlaff und blass, wie es eben dem Alter der Haut entspricht, aber sie ist im Vergleich zu den exponierten Teilen relativ frei an Falten und Flecken." Die Haut wehrt sich durch ausgeklügelte natürliche „Anti-Aging-Strategien" gegen eine erhöhte UV-Belastung: Das in den Keratinozyten eingelagerte Melanin behütet wie ein zellulärer Sonnenschirm die empfindlichen Zellkerne, während die Hornschicht sich verdickt („Lichtschwielen") und die DNA-Reparatur forciert wird. Beim Überschreiten der Kapazität dieser Schutzmechanismen kommt es nicht nur zur verstärkten Hautalterung, sondern auch zur Entstehung von Hauttumoren, die je nach den entarteten Zellen beschrieben werden (Plattenepithelkarzinome: Keratinozyten, Basaliome: Basalzellen, Lentigio maligna/Melanom: Melanozyten).

Kosmetische Methoden

Die Kosmetikindustrie bietet eine Palette von Produkten an, die bei frühzeitiger Anwendung den Alterungsprozess etwas abbremsen können. Doch sind die diversen kosmetischen Artikel und Cremen dazu ernsthaft in der Lage? Oder sind sie nur Placebos für die Schönheit? Und was tun, wenn die Zeichen der Zeit schon sichtbar sind und eine Prophylaxe nichts mehr bringt? Kopera: „Den Alterungsprozess können wir natürlich nicht verhindern, doch eine ausgewogene Hautpflege bringt durchaus Vorteile. Dem jeweiligen Hauttyp angepasste Cremes erhalten den Fett- und Säureschutzmantel und verschaffen der Haut eine bessere Feuchtigkeitsbindung."

Kopera zeigt auch Möglichkeiten zur Reduktion der destruktiven Proteinasen auf: „Vitamin-A-Säuren und Fruchtsäuren in diversen Pflegeprodukten können bis zu einem gewissen Grad Kollagenabbau und Elastindysintegration entgegenwirken." Bestimmte antioxidative Vitamine funktionieren zusätzlich als Radikalfänger. Ob die Vitamine A, C und E besser von außen oder innen zugeführt werden sollen, ist noch umstritten. Kopera sieht in beiden Methoden einen Sinn und bezeichnet diese Frage als Ermessenssache. Der wichtigste Schutzmechanismus bleibt jedoch der Schutz vor UV-Licht: „Denn 50 Prozent der Hauterkrankungen im höheren Lebensalter sind UV-induziert. Wer jetzt glaubt, dass es genügt, sich nur vor ausgedehnten Sonnenbädern mit Schutzcremen einzuschmieren, irrt. Um der Hautalterung wirklich effektiv entgegen zu treten, sollten auch in normalen Tagescremen Sonnenschutzfaktoren enthalten sein. Auch konservative Maßnahmen sind durchaus wirksam. Das beginnt bei der Kleidung und beinhaltet auch aus der Mode gekommene Garderobe wie Sonnenhüte."

Mit zunehmendem Alter genügt es vielen Menschen nicht mehr, den Altersprozess lediglich zu verlangsamen – es dominiert der Wunsch, ihn rückgängig zu machen. In der Dermatochirurgie wird daher in den letzten Jahren der Einsatz von Laser und minimal invasiver Therapien immer populärer. Beim aufwändigen und für den Patienten belastenderen Laser-Resurfacing werden hauchdünne Hautschichten abtragen, während das Wasser im Gewebe verdampft. Ferner ziehen sich durch die Hitzeeinwirkung die Kollagenfasern zusammen, was die Haut zusätzlich strafft. Doch danach ist ein großflächiger Teil der Gesichtshaut eine stark gerötete Wundfläche und muss sorgfältig geschützt werden.

Etwas weniger aggressiv wird beim Sub-Surfacing vorgegangen. Die oberste Hautschicht bleibt intakt, und bei einer geringeren Wärmeentwicklung (60 bis 70 Grad Celsius, jener Temperatur, die gerade nicht zur Denaturierung von Protein führt), wird vor allem auf Tiefenwirkung gesetzt: Die Wärme regt Fibroblasten zur Kollagenbildung an. Mehrere Behandlungen im Abstand von etwa drei bis vier Wochen sollen dann zu einer Verbesserung des Hautbildes führen. Trotz subjektiv guter Einschätzungen der behandelten Frauen waren die objektiven Beurteilungen laut Kopera eher ernüchternd: „Selbst Dermatologen, denen Bilder der behandelten Patienten vorgelegt wurden, konnten bei einem Versuch in Graz keinen Unterschied feststellen. Es ist daher fraglich, ob der relativ hohe finanzielle Aufwand gerechtfertigt ist."

Botulinum-Toxin und Augmentation

Umstritten ist auch eine andere Methode – die relativ kurz andauernde Behandlung mit dem bakteriellen Botulinum-Toxin. Es hemmt die Reizweiterleitung von der Nervenendigung zum Muskel und lässt ihn erschlaffen. Die Therapie eignet sich zur Beseitigung von mimischen Falten („Zornesfalten“), die besonders jüngere Patienten stören. Nach der verhältnismäßig einfachen Applikation wirkt das Gift bereits nach etwa einer Woche. Der Nachteil der Behandlung ist die vergängliche Wirkdauer von etwa sechs bis sieben Monaten. Wird außerdem zu viel der Substanz injiziert, so kommt es zu einer maskenhaften Gesichtsmimik, was die kurze Wirkdauer und Reversibilität wieder als Vorteil erscheinen lässt.

Nur von kurzer Zeit kann auch die Augmentation sein. Dabei handelt es sich um das Einspritzen verschiedener Substanzen in Falten und Lippen. „Bei dieser Methode spielt die Wahl der richtigen Substanz eine wichtige Rolle“, so Kopera. „Denn harmlose Substanzen wie Kollagen und Hyaluronsäure zeigen kaum Nebenwirkungen, können jedoch rasch abgebaut werden. Hingegen können Produkte mit Silikonpartikel und Acrylkristallen zu gefürchteten Fremdkörperreaktionen und Granulomen führen. Am elegantesten erscheint daher die Augmentation mit autologem Fett. Es ist leicht verfügbar und hat kaum Nebenwirkungen. Allerdings kann der Erfolg nicht garantiert werden, da nur ein kleiner Teil der Fettzellen Anschluss an das subkutane Kapillarsystem findet.“

Zur raschen Regeneration der oberflächlichen Hautschichten eignet sich chemisches Peeling. Dadurch werden mehr oder weniger hautreizende Säuren – meist Fruchtsäuren – in unterschiedlicher Konzentration aufgetragen, wodurch Teile der Epidermis und Dermis entfernt werden. Daraufhin bildet sich neues dermales Gewebe. Die Anwendung solcher Präparate erzeugt somit eine kontrollierte Wunde, die in eine Hautverjüngung mündet und einen verbesserten Hautturgor bewirkt.

Quelle: „Anti-Aging“ Fortbildungsveranstaltung der
Vereinigung Burgenländischer
Ärzte, Bad Sauerbrunn, 6. März 2004

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