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Dermatologie 17. August 2005

FORSCHUNG: Allergikerinnen werden schneller schwanger

Chancen auf Austragen des Kindes sind jedoch nicht erhöht

Bei schwangeren Frauen kommt es zu einer Verschiebung der Immunantwort vom Typ TH1 zum Typ TH2. Dies soll die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter erleichtern. Könnte es analog so sein, dass allergische Frauen leichter in „andere Umstände“ kommen? Bereits 1997 zeigte eine Studie, dass Mütter mit einer atopischen Erkrankung im Mittel mehr Kinder haben als Mütter ohne ein solches Leiden. Vermutet wurde, dass es bei gesunden Frauen durch die normale TH1-vermittelte Immunantwort öfter zur Abstoßung eines Embryos kommt als bei allergischen Frauen, bei denen diese Art der Immunreaktion unterdrückt ist.
Nun wurden Daten von über 31.000 Teilnehmerinnen einer dänischen Geburtskohortenstudie ausgewertet. Insgesamt litten 13,5 Prozent der Mütter an einer allergischen Rhinitis, darunter mehr Erstgebärende als Frauen, die bereits zuvor einmal schwanger gewesen waren. Entgegen der Erwartung unterschieden sich Allergikerinnen und gesunde Frauen nicht in der Häufigkeit spontaner Aborte. Bei den Frauen, die ihre Schwangerschaft bewusst geplant hatten, waren es allerdings diejenigen mit Heuschnupfen, die häufiger bereits innerhalb eines Jahres Mutterfreuden entgegen sehen konnten (Odds Ratio 1,18; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06 bis 1,32).
Die Autoren sehen ihre Hypothese damit nur teilweise bestätigt: Das bereits auf TH2-Reaktionen umgestellte Immunsystem – beziehungsweise seine Bereitschaft zur rascheren Umstellung – scheint bei Allergikerinnen zwar den Beginn einer Schwangerschaft zu erleichtern, wirkt sich aber nicht merklich begünstigend auf den erfolgreichen Ausgang einer Schwangerschaft aus.

Fazit: Frauen mit Heuschnupfen werden im Vergleich zu Nicht-Allergikerinnen leichter schwanger, ihre Chancen, das Kind auszutragen, sind jedoch nicht signifikant größer. Ursache könnten die typischen immunologischen Veränderungen in Folge einer Allergie sein.

Quelle Westergaard T et al: Reproductive history
and allergic rhinitis among 31145 Danish women.
Clin Exp Allergy 33 (2003): 301–5. hautnah
dermatologie 6/2003, Urban & Vogel Verlag.

Psoriasis: schneiden oder nicht schneiden?

Dermatologen und Chirurgen sind uneinig


Stellt Psoriasis eine Kontraindikation für Operationen dar? Wie eine Umfrage zeigte, beantworten Dermatologen sowie orthopädische und plastische Chirurgen in den USA diese Frage überwiegend mit „nein“. Viele Patienten verweigern einen operativen Eingriff durch psoriatische Hautläsionen aus Angst vor erhöhtem Infektionsrisiko, schlechter Wundheilung oder verschlimmerten psoriatischen Läsionen. Wie es um die Meinung der behandelnden Ärzte und Chirurgen zu diesem Thema bestellt ist, ermittelten die Autoren anhand einer Umfrage. Insgesamt wurden 395 Dermatologen, 470 orthopädische Chirurgen und 208 plastische Chirurgen in fünf verschiedenen amerikanischen Städten befragt. Die vier entscheidenden Fragen lauteten:

  1. Führen Sie bereitwillig einen elektiven Eingriff durch aktive psoriatische Haut durch?
  2. Führen Operationen durch psoriatische Haut zu einer stärkeren Wundinfektion?
  3. Weist psoriatische Haut eine schlechtere Wundheilung auf?
  4. Sollten psoriatische Läsionen vor einer Operation abgeheilt sein?

Die Auswertung zeigte, dass ausschließlich Dermatologen bereitwillig einen Eingriff durch aktive psoriatische Haut durchführen. Sie beantworteten die Fragen zwei bis vier mit „nein“. Vor allem orthopädische Chirurgen glauben dagegen an eine stärkere Wundinfektion. Orthopädische und plastische Chirurgen meinen, dass psoriatische Läsionen vor einer Operation vollständig abgeheilt sein sollten. Die Frage vier beantworten sie ebenfalls mit „nein“. Fazit: Laut Umfrage spricht gemäß den Erfahrungswerten der US-amerikanischen Hautärzte nichts gegen einen Eingriff durch aktive psoriatische Haut, Chirurgen sehen das anders. Eine definitive Antwort kann nur eine kontrollierte prospektive Studie geben.

Quelle: Saini R, Shupack JL: Psoriasis: to cut or not to cut, what say you? Dermatol Surg 29 (2003): 735–40. hautnah dermatologie 6/2003, Urban & Vogel Verlag.

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