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Dermatologie 17. August 2005

DIAGNOSTIK IM BILD: Chronisch pseudoerosive Läsion an der Vorhaut

Balanitis und Balanoposthitis sind sehr vieldeutige Krankheitsbilder
Von Prof. Dr. Walter Krause, Marburg*

Ein 60-jähriger Patient stellte sich mit Hautveränderungen an der Glans und am inneren Vorhautblatt vor, die seit einigen Monaten bestehen. Er konnte keinen exakten Beginn oder einen auslösenden Faktor angeben. Beschwerden bestanden nicht. Die Läsion wechselte gelegentlich die Farbintensität, aber Faktoren, die die Ausprägung beeinflussten, waren nicht erkennbar. Da er in den letzten Wochen ein Nässen der Läsion zu beobachten glaubte, stellte er sich vor, um eine maligne Veränderung auszuschließen. Darüber hinaus war die dermatologische Anamnese leer. Der Befund (Abb. 1a) zeigte nicht erhabene, scharf begrenzte Läsionen von hellroter Farbe. Die glatte Oberfläche erscheint erosiv, beim Betupfen mit einem Watteträger war jedoch kein Sekret abzunehmen. Der Rand war nicht erhaben oder infiltriert. Die unbefallenen Bezirke der Vorhaut und der Glans erschienen unverändert. Schwellungen der regionären Lymphknoten waren nicht nachweisbar.
Unter dem klinischen Verdacht einer Erythroplasie Queyrat wurde eine Probeexzision entnommen. Im histologischen Bild waren jedoch keine Veränderungen im Sinne eines Carcinoma in situ zu erkennen, dafür aber eine verdünnte Epidermis mit milder Spongiose und kristallartig geformten Keratinozyten, unter denen sich einige dyskeratotische Zellen befinden. Im oberen Korium liegt ein bandförmiges, dichtes Rundzellinfiltrat, in dem auffallend viele Plasmazellen vorkommen (Abb. 1b). Die immunhistologische Färbung zeigt Zellen der Immunglobulinklassen IgG, IgA und IgM. Es handelt sich also offensichtlich um ein polyklonales plasmazelluläres Infiltrat (Abb. 1c). Daraus ergab sich die Diagnose einer Balanitis plasmacellularis (Zoon 1952).
Diese chronische Dermatose kommt in ähnlicher Form auch an anderen Ostien (Vulva, Mundhöhle) vor. Ihre Ätiologie ist nicht bekannt, es gibt wahrscheinlich mehrere Ursachen. Die Behandlung kann mit topischen Kortikoiden erfolgen, sicher effektiv ist jedoch nur die Zirkumzision.

FAZIT

Balanitis und Balanoposthitis sind sehr vieldeutige Krankheitsbilder. Weder genügt zur Diagnostik eine „Pilzabklatsch-Kultur“, noch darf die Therapie ausschließlich aus antimykotischer, topischer Medikation bestehen. Die Kenntnis der Differenzialdiagnosen und möglicher histologischer Befunde einschließlich der penilen intraepithelialen Neoplasie sollte dem Dermatologen geläufig sein.

*) Prof. Dr. Walter Krause, Klinik für Andrologie und Venerologie,
Universitätsklinikum Marburg, hautnah dermatologie 6/2003, Urban & Vogel.

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