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Dermatologie 26. Jänner 2006

ALLERGOLOGIE: Basisdiagnostik in der niedergelassenen Praxis

Je früher allergische Erkrankungen diagnostiziert werden, desto milder und seltener treten Spätkomplikationen auf. Im Bewusstsein dieses Problems wurde von niedergelassenen Ärzten immer wieder der Wunsch nach einem geeigneten Testinstrument für die Praxis geäußert. Damit sollte es Pädiatern möglich sein, eine allergologische Basisabklärung durchzuführen. Diesem Verlangen nach einer wirksamen Unterstützung bei der Fragestellung: „Sind die Symptome allergisch bedingt?“, wurde im Rahmen eines Meetings der European Academy of Allergology & Clinical Immunology unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Wahn, Charité Berlin, Rechnung getragen. Namhafte Spezialisten haben symptombezogene Allergenprofile entwickelt, die bereits im ersten Lebensjahr eines Kindes zur serologischen Allergiediagnostik eingesetzt werden können.
Österreichische Allergiespezialisten haben auf einem Experten-Meeeting unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Koller, Leiter der Abteilung für Ambulante Pädiatrie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, AKH Wien, die Vorschläge der deutschen Kollegen diskutiert und geprüft, in der Allergenzusammensetzung auf österreichische Verhältnisse angepasst und Empfehlungen in Form eines Diagnose-Stufenplans erarbeitet. Lesen Sie hier den kurz gefassten Konsensus-Bericht zum Thema „Basisdiagnostik durch den niedergelassenen Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde“.

Vom Symptom zur Diagnose

Bei Erkrankungen wie atopische Dermatitis, Urtikaria, Asthma bronchiale und Rhinitis oder Rhinokonjunktivitis denkt man an Allergien als mögliche Ursache. Bei folgenden Symptomen sollte an eine allergische Ursache gedacht werden: chronische Ekzeme, Juckreiz, Erytheme, Urtikaria, rezidivierende Durchfälle, Abdominalgien, rezidivierendes Giemen und Brummen, Husten, Atemnot, rezidivierendes Augenjucken und Augenrötung, rezidivierend oder chronisch behinderte Nasenatmung, häufiges Niesen.
Vom niedergelassenen Kinderarzt wird nicht nur allergologisches Fachwissen, sondern auch ein beträchtlicher Zeitaufwand für die Durchführung einer ausführlichen Anamnese gefordert. Der Nachweis einer allergischen Erkrankung erfolgt entweder durch die serologische Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper oder durch den Haut-Prick-Test. Die Sozialversicherungen übernehmen zumeist die Kosten für fünf Allergene pro Quartal, sodass durch eine gezielte Anamnese eine Selektion der zu bestimmenden Allergene vorher getroffen werden muss. In der Praxis zeigt sich eine Diskrepanz zwischen diagnostizierten allergischen Erkrankungen und der in epidemiologischen Untersuchungen immer wieder erhobenen Prävalenz allergischer Erkrankungen. Unerkannte Allergien sind nicht selten die Ursache für die Inanspruchnahme von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen mit dadurch bedingten diagnostischen Doppelgleisigkeiten.
Nicht selten werden Kinder mit Allergieverdacht sehr schnell an eine Spezialambulanz eines Krankenhauses überwiesen. Angesichts massiver Sparmaßnahmen im Spitalsbereich wird künftig in diesen Spezialambulanzen aber nur mehr eine sehr eingeschränkte Diagnostik möglich sein. Als Konsequenz auf die derzeit unbefriedigende Situation haben niedergelassene Pädiater immer wieder darauf hingewiesen, dass bei Verdacht auf eine allergische Erkrankung ein Instrument sehr hilfreich wäre, das allergologische Nicht-Spezialisten in der Praxis darin unterstützt, eine basale Allergiediagnostik durchzuführen. Nunmehr stehen Allergie-Symptomprofile für die In-vitro-Allergieabklärung bei Ekzem, Asthma/Rhinitis saisonal und Asthma/ Rhinitis perennial zur Verfügung. Sie beinhalten jene Allergene, welche die häufigsten Symptomauslöser der genannten Erkrankungen sind. Dabei geht es darum, dass eine aufgrund der Symptomatik mögliche Allergie untersucht wird.
Diese symptomorientierte serologische Abklärung soll weder die Hauttests ablösen noch die Ärzte in ihrer diagnostischen Vorgehensweise einschränken oder gar die Allergiespezialisten ersetzen. Es geht ausschließlich darum, den niedergelassenen KollegInnen, die keine Allergiespezialisten sind, die geforderte Unterstützung in der Allergiebasisdiagnostik zu liefern. Mit Hilfe dieser Allergie-Symptomprofile kann bereits bei Kindern im 1. Lebensjahr eine aussagekräftige Allergiediagnostik mittels Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper im Blut betrieben werden. In jedem Fall erleichtert die einfache Differenzierung von allergischen beziehungsweise nicht allergischen Kindern die Entscheidung über die weitere Vorgehensweise beziehungsweise die Therapieauswahl.
Ausgehend von der beim Kind vorgefundenen Erkrankung wird eine venöse Blutprobe entnommen, das jeweilige Allergieprofil, das die fünf wichtigsten Allergene enthält, angekreuzt und dieses Symptom-Profil dann beim Labor/Allergieinstitut angefordert. Im Befund werden die aufgeführten Allergene einzeln bestimmt. Die Interpretation des Gesamtergebnisses (positiv/negativ) ist einfach. Ein positiver Befund weist einzig eine Sensibilisierung gegen das entsprechende Allergen nach. Erst der anamnestisch erhobene Zusammenhang zwischen Allergen und Symptomen erlaubt die Bezeichnung Allergie. Die neuen Allergie-Symptomprofile gibt es als sensitiven Bluttest, der die häufigsten Symptom-auslösenden Allergene nachweist und damit die niedergelassenen Kinderärzte in die Lage versetzt, schnell und einfach zu erkennen, welche Kinder auf welche Allergene sensibilisiert sind.

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