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Wird ein Patient zur dermatologischen Abklärung überwiesen, sollte nicht nur die verdächtige Läsion, sondern die gesamte Haut begutachtet werden.
 
Dermatologie 4. Jänner 2016

Inzidentelle Melanome finden sich häufig im Frühstadium

Das Aufspüren von weniger auffälligen, aber potenziell gefährlichen Hautläsionen braucht ein geschultes Auge.

Häufig entdecken Dermatologen bei Patienten, die aufgrund einer suspekten Hautläsion überwiesen wurden, an einer anderen Stelle ein Melanom. Dieses präsentiert sich meist kleiner und dünner als jene Melanome, derentwegen die Konsultation erfolgt war.

Eine Gruppe von Dermatologen der University of Minnesota Medical School in Minneapolis hat sich mit der Frage befasst, wie sich Melanome, die zufällig bei einer ausgedehnten Untersuchung anlässlich einer dermatologischen Konsultation gefunden werden, von jenen Fällen schwarzen Hautkrebses unterscheiden, die als verdächtige Läsionen die fachärztliche Diagnostik ursprünglich veranlasst hatten. Jamie Hanson und Kollegen haben sich dafür die Daten von mehr als 17.000 Überweisungen zu Dermatologen angesehen. 231 Melanome von 221 Patienten wurden dabei diagnostiziert. 144 davon hatten den Grund für die Überweisung geliefert, 87 – das ist mehr als jedes dritte Melanom – wurden nebenbefundlich diagnostiziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konsultationsmelanom invasiv wuchs, lag 51 Prozent höher als das Invasivitätsrisiko von inzidentellen Melanomen. Die Melanome, derentwegen fachärztlicher Rat eingeholt wurde, wiesen auch um 27 Prozent seltener eine Breslow-Dicke von weniger als 1,00 mm auf. Insgesamt befanden sich 65,5 Prozent der inzidentellen, aber nur 38,9 Prozent der Konsultationsmelanome in situ.

Generell waren inzidentelle Melanome kleiner als die Konsultationsläsionen, der mittlere Durchmesser betrug 0,98 cm gegenüber 1,3 cm. Inzidentell entdeckte Malignome waren auch dünner, die Breslow-Dicke betrug im Mittel 0,64 mm im Vergleich zu 1,74 mm bei den Konsultationsmelanomen.

Hautärzte diagnostizieren früher

Schwarzer Hautkrebs als Konsultationsdiagnose betraf am häufigsten den Kopf- und Halsbereich (43,1 %), gefolgt vom Rumpfbereich (31,9 %) und den Extremitäten. Inzidentelle Melanome fanden sich hingegen besonders oft am Rumpf (44,8 %), wobei der Rücken die Hauptlokalisation war (33,3 %). 28,7 Prozent dieser Läsionen befanden sich in der Kopf-Hals-Region, 26,4 Prozent an Schultern, Armen und Beinen.

„Melanome, die von Dermatologen diagnostiziert werden, weisen ein früheres Stadium auf“, resümieren Hanson und Mitarbeiter. Eine der Konsequenzen aus diesem Ergebnis sehen sie darin, Nichtdermatologen – Ärzte wie Patienten – besser im Aufspüren von Melanomen in früheren Stadien zu schulen. Doch auch Dermatologen sollten sich laut den US-Kollegen die Resultate zu Herzen nehmen: „Sie unterstreichen, wie wichtig es ist, Patienten vollständig zu untersuchen und sich nicht nur die Konsulationsläsion anzusehen.“

Originalpublikation: Hanson J L et al. Incidental melanomas detected in veterans referred to dermatology. J Am Acad Dermatol 2015; online 20. November; DOI: 10.1016/j.jaad.2015. 09.057

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/2015

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